Der Horrorfilm "Schlaf" mit Sandra Hüller und Marion Kracht

Im Horrorfilm „Schlaf“erlebt Sandra Hüller heftige Albträume. Sie führen in ein abgelegenes Hotel. Es geht um Selbstmorde und Nazis

Sagen wir es mal so: Der Schauplatz ist tatsächlich der blanke Horror. Ein einsames Hotel, von viel Wald umgeben. Lange Flure um ein leeres Treppenhaus, viele Geweihe auf dunklen Holzwänden, ernste Gesichter blicken von schweren Ölgemälden herab, und der erst mal freundliche Hotelbesitzer Otto (August Schmölzer) muss allabendlich von seiner resoluten Gattin Lore (Marion Kracht, GOLDENE KAMERA 1985) ans Bett gefesselt werden.

Trailer: "Schlaf"

So weit, so gruselig. Andeutungen und Ambiente lassen zunächst durchaus schaudern und dieses spezielle „Shining“-Gefühl zu, das sich immer einstellt, wenn ein Horrorfilm in einem einsamen Hotel spielt, diesem Rückzugsort für Psychopathen, heißen sie nun Jack Nicholson oder Anthony Perkins.

Vorbilder von „Psycho“ bis „Exorzist“

Und der deutsche Regisseur Michael Venus kennt seine Vorbilder, die von „Psycho“ bis zum „Exorzist“ reichen, wenn er Otto mit Axt in der Hand zeigt, eine friedvolle Essenszene in einer Würgeorgie endet, sich Körper verkrampfen oder Wahnbilder per Ton und dem entsetzten Gesicht der Protagonisten angekündigt werden, bevor sie auch der Zuschauer zu Gesicht bekommt. Und doch ist „Schlaf“, diese so ambitionierte deutsche Horror-im-Hotel-Variante, weitgehend missglückt. Weil es Venus eben nicht bei Andeutungen belässt, sondern seine Geschichte über die Suche einer jungen Frau nach dem Grund für die Albträume ihrer Mutter hoffnungslos überfrachtet. Sandra Hüller spielt diese Marlene, die zufällig entdeckt, dass das Horror-Hotel aus ihren unruhigen Nächten tatsächlich existiert. Als sie dort übernachtet, dreht sie durch – und verfällt in eine Schockstarre.

Familienfluch und Nazi-Vergangenheit

Tochter Mona (Gro Swantje Kohlhof) geht dem auf den Grund. Und sieht in Wahnbildern eine blonde Frau im roten Kleid, eine spinnenbewebte Ruine im Wald und drei Selbstmörder nach ihrer Tat im Hotel. Es geht dabei leider nicht nur um einen Familienfluch, sondern um Nazi-Vergangenheit und eine völkische Verschwörung.

Weshalb sich in der zweiten Hälfte Traum- und Realgeschehen in nahezu irrwitziger Weise vermengen, der anfangs bedächtige Horror zur entfesselten Farce gerät und die als Gegenpol gedachten, arg stilisierten Szenen der Dorfjugend seltsam in der Luft hängen. Ein Horror für die Schauspieler – alle so stark, doch am Ende so wirkungslos.