Die unheimlich talentierte Anya Taylor-Joy

"Das Damengambit" mit Anya Taylor-Joy als Schachgenie
"Das Damengambit" mit Anya Taylor-Joy als Schachgenie
Foto: PHIL BRAY/NETFLIX
"Das Damengambit"-Star Anya Taylor-Joy ist ein Schauspielwunder und hat eine große Hollywood-Zukunft vor sich.

Seit „Das Damengambit“ (7 Episoden auf Netflix) ist ihr Name in aller Munde. In dem Netflix-Hit begeistert Anya Taylor-Joy als Schachgenie mit Sex-Appeal und soziopathischen Zügen.

In Hollywoods A-Liga war der Nachwuchsstar schon vorher aufgestiegen. Demnächst gibt sie im Spin-off von „Mad Max: Fury Road“ die junge Furiosa (im Original: Charlize Theron). Passt: Was die 24-Jährige mit den hynotischen Augen abliefert, ist stets furios.

Alles außer schnucklig

Obwohl sie Freude (joy) im Namen trägt, tendiert sie allerdings eher zur dunklen Seite. Regisseur M. Night Shyamalan bezeichnet sie als Wunderkind. In „Split“ nahm Taylor-Joy es mit den multiplen Persönlichkeiten eines Psychopathen (James McAvoy) auf. Und beeindruckte derartig, dass Shyamalan sie direkt für den Nachfolger „Glass“ engagierte.

Als Illyana „Magik“ Rasputin entwickelt sie dann in „X-Men: New Mutants“ auch noch Superkräfte. Da fällt die Jane-Austen-Adaption „Emma“ (ab 6. Januar bei SKY CINEMA PREMIEREN) ein wenig aus dem Rahmen – allerdings nur auf den ersten Blick. Die verwöhnte Miss Emma ist nicht die sympathischste Austen-Heldin und die Neuverfilmung zudem bissiger als ihre Vorläufer. Das deuten schon die Kostüme an: „Mit dem ganzen Gerüsche habe ich mich manchmal wie eine Viper gefühlt“, sagt Taylor-Joy im Interview mit GOLDENE KAMERA.

Das Schauspielwunder kann anscheinend alles, außer schnucklig. „Ich würde ja gern behaupten, dass ich einen Masterplan habe. Aber ehrlich gesagt hat sich alles einfach so ergeben. Ich denke nicht: Jetzt sollte ich mal einen Actionfilm machen. Die Figur muss mich ansprechen.“

"Früher dachte ich: Mit mir stimmt was nicht"

Zu jeder baut sie eine so enge Bindung auf, „als wären es Zwillingsschwestern. Ist der Film dann abgedreht, vermisse ich sie. Denn für mich sind sie real.“ Klingt etwas unheimlich? Schon okay: „Früher dachte ich selbst, dass mit mir was nicht stimmt.“

Als Kind hatte Anya nämlich imaginäre Freunde. Die Tochter eines Bankers und einer Psychologin ist das jüngste von sechs Kindern. „Meine älteren Geschwister mochten nie mit mir spielen. Also musste ich mir selbst was ausdenken.“ Anya wuchs in Papas Heimat Argentinien auf. Als sie sechs war, zog die Familie „in die graue Stadt“ London. Das sture Nesthäkchen aber sprach nur Spanisch und weigerte sich, Englisch zu lernen, damit die Eltern sie zurückschicken.

Ihr Lieblingsbuch damals war „Peter Pan“: Das Londoner Mädchen Wendy folgt dem Jungen, der nie erwachsen werden will, nach Nimmerland. Anya erträumte sich eine fantastische Welt, in der alles möglich ist – und fand sie beim Film. Dass sie Schauspielerin wird, wusste sie schon mit acht. „Ich wünschte mir keinen Hund, sondern einen Agenten“, erzählt sie.

Durchbruch mit 19 Jahren

Die Schauspielschule konnte sie jedenfalls überspringen: Mit 16 wurde die eigenwillige Schönheit beim Gassigehen als Model entdeckt. Bei ihrem ersten Fotoshooting – am Set von „Downton Abbey“– fiel sie den richtigen Leuten auf. Mit 19 dann der Durchbruch, gleich mit ihrer ersten Kinorolle als vermeintliche Hexe in „The Witch“.

Seitdem legt sie eine unglaubliche Energie vor und arbeitet fast ohne Pause. Ein richtiges Zuhause hat der Workaholic nicht: „Ich gehöre dahin, wo mein nächster Film entsteht.“ Zuletzt war das wieder London: Mit „Last Night in Soho“ kehrt sie ins Horrorgenre zurück. Mit „The Witch“-Regisseur Robert Eggers dreht sie aktuell die Wikingersaga „The Northman“. Ihre Co-Stars sind Nicole Kidman und die isländische Pop-Fee Björk, an die Anya Taylor-Joys extravaganter Look häufig erinnert.

Ob Emma oder Furiosa – eines haben alle Frauen, denen Anya Taylor-Joy ihr aufregendes Gesicht leiht, gemein: „Sie wissen, was sie wollen. Und man legt sich besser nicht mit ihnen an!“ Unheimlich faszinierend.