Patty Jenkins: Hollywoods wahre Wonder Woman

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Wie Patty Jenkins zur erfolgreichsten Filmemacherin der Welt wurde – und warum sie jetzt nach den Sternen greift.

Bereits die Ankündigung ist großes Kino: In einem anderthalbminütigen Teaser saust Patty Jenkins auf Inlineskates über ein Flugfeld. Während einer kurzen Verschnaufpause wechselt sie das Schuhwerk, setzt sich einen Pilotenhelm auf und marschiert auf einen X-Wing Fighter zu, einem aus „Star Wars“ bekannten Raumschiff.

Teaser zu "Star Wars: Rogue Squadron" von Patty Jenkins

Spätestens jetzt ist jedem klar: Die Regisseurin wird als erste Frau ein Kapitel der galaktischen Filmreihe drehen und diese nach der 2019 abgeschlossenen Skywalker-Saga in eine neue Ära führen. Im Mittelpunkt von "Star Wars: Rogue Squadron" soll die Fliegerstaffel stehen, die in den bisherigen Filmen zwar regelmäßig zu sehen war, deren Hintergrund aber nie genauer beleuchtet wurde.

„Ich träumte immer davon, den größten Kampfpilotenfilm aller Zeiten zu machen. Jetzt habe ich die Gelegenheit, zwei Dinge, die ich liebe, zu verbinden“, sagt Jenkins, für die das „Star Wars“-Engagement einem Ritterschlag gleichkommt – und bei der sich das Thema Fliegen wie ein roter Faden durchs Leben zieht.

Am Anfang stand „Superman“

Schließlich ist es eine kalifornische Air-Force-Basis, auf der Patricia Lea Jenkins im Jahr 1971 zur Welt kommt. Weil ihr Vater dort stationiert ist, gehören Kerosingeruch und die donnernden Triebwerke der Düsenjets von klein auf zu ihrem Alltag.

Hommage auf Christopher Reeve

Doch der Luftwaffenpilot, der für seinen Einsatz im Vietnamkrieg ausgezeichnet wurde, verunglückt bei einer Militärübung, als Patty sieben Jahre alt ist. Anstatt den Weg ihrer Mutter einzuschlagen und eine Karriere in der Wissenschaft anzustreben, träumt sie vom Film, seit sie Christopher Reeve als Superman das erste Mal durch die Lüfte fliegen sieht.

„Schon früh fasste ich den Plan, Filme zu machen, die anderen Menschen das gleiche Gefühl geben sollen, wie es ,Superman‘ bei mir geschafft hat: an sich und seine eigenen Stärken zu glauben“, verrät Jenkins GOLDENE KAMERA.

Erfolge und Rückschläge

Nach rund zehn Jahren als Kamerafrau, in denen sie auch ein Musikvideo für Michael Jackson dreht, setzt sie 2003 mit ihrer ersten Regiearbeit direkt ein Ausrufezeichen. Das Low-Budget-Drama „Monster“ bringt Schauspielerin Charlize Theron, die ihr Äußeres für die Rolle einer Serienmörderin bis zur Unkenntlichkeit verändert, einen Oscar ein.

Trailer zu "Monster"

Als Starmacherin erweist sich Jenkins auch für Gal Gadot, die 2017 mit „Wonder Woman“ weltweite Bekanntheit erlangt. Bis heute gilt der erste Blockbuster um eine Superheldin, die im Ersten Weltkrieg Seite an Seite mit einem Bruchpiloten (!) kämpft, als erfolgreichster Film einer Frau.

In der langen Zeit zwischen beiden Erfolgen muss Patty Jenkins jedoch auch Rückschläge einstecken. Mehrere geplante Filmprojekte scheitern. Das prominenteste Beispiel: „Thor – The Dark Kingdom“ (2013), bei dem sie Regie führen soll, doch letztlich abspringt, weil sie Zweifel am Drehbuch hat. „Wäre der Film unter mir gefloppt, hätte man nie wieder eine Frau für eine Comicverfilmung engagiert“, sagt sie in „Vanity Fair“.

Statt im Kino probiert sich Patty Jenkins im TV aus, dreht einzelne Folgen der Serienhits „Entourage“ und „The Killing“. Während ihrer Hollywood-Auszeit wird sie auch Mutter.

Haltung und klare Worte

Mit ihrem Gespür, vor allem weibliche Figuren in Identitätskrisen tiefgründig in Szene zu setzen, gilt Patty Jenkins heute als gefragteste und bestbezahlte Filmemacherin der Welt. Respekt verschafft sich die 49-Jährige auch, weil sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Regielegende James Cameron („Avatar“) wirft sie Ahnungslosigkeit vor, als er das Frauenbild in „Wonder Woman“ kritisiert.

Und Ende 2020 klagt sie in einem MTV-Podcast: „Männer kassieren das Siebenfache meiner Gage.“ Eine Million Dollar soll sie angeblich für ihren ersten Superheldenfilm erhalten haben, für die Fortsetzung nach harten Verhandlungen etwa zehnmal so viel.

Man könnte meinen, dass auf der Blockbuster-Spielwiese nach „Star Wars“ nicht mehr viel kommen kann. Doch die Angebote fliegen der Regisseurin nur so zu. Bereits vor dem uneinheitlichen Kino- und Streamingstart von „Wonder Woman 1984“ (ab Donnerstag, 18. Februar bei Sky Ticket) erhielt sie einen Freifahrtschein für Teil drei. Zeitgleich arbeitet sie an einer Kleopatra-Verfilmung – erneut mit ihrer „besten Freundin“ Gal Gadot. Wie’s aussieht, fängt Patty Jenkins gerade erst richtig an.