Jannis Niewöhner in "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"

Jahrzehntelang schrieb Thomas Mann an "Felix Krull". Nun kommt die Gaunergeschichte erneut auf die große Leinwand.

Der Nobelpreisträger und der Hochstapler: Es ist eine besondere Beziehung, die Schriftsteller Thomas Mann (1875–1955) und seine Figur Felix Krull verbindet. Bereits 1905 kommt Mann die Idee zu dem Roman über den jungen Schelm, der mit Charme und Schönheit seine Umwelt zu begeistern weiß. Inspiriert von den Memoiren des rumänischen Betrügers Georges Manolescu arbeitet er über 50 Jahre hinweg an "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (ab Donnerstag, 2. September im Kino).

Trailer: "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"

Von 1910 bis 1913 schreibt Mann am ersten Teil des Werks. Darin berichtet der 40-jährige Krull rückblickend von seiner Kindheit und zeichnet seinen Lebensweg nach: vom kleinen Jungen aus einer bankrotten Familie hin zum Liftboy in einem Pariser Hotel. Die erste Fassung liegt 1922 vor. Danach schreibt Mann acht Romane, darunter „Buddenbrooks“, mehr als 30 Novellen sowie zahlreiche Essays. Doch die Figur des Hochstaplers lässt ihn nie ganz los.

1950 entwickelt Mann die Geschichte vom lebensfrohen Felix Krull weiter und ergänzt über 300 Seiten. Vier Jahre später erscheint „Der Memoiren erster Teil“, der drei Lebensabschnitte des Hochstaplers umfasst. Der Künstler und sein schillernder Romanheld – womöglich haben sie einiges gemein: etwa die Sehnsucht nach Leichtigkeit im Leben und die Einschätzung, dass die Welt betrogen sein will.

Ein Stoff mit großer Aktualität

Ein junger Mann, der sich mittels Selbstdarstellung hochzuarbeiten weiß: Die Geschichte Felix Krulls hat über die Jahre nicht an zeitgenössischer Relevanz verloren. Nach einer Verfilmung mit Horst Buchholz 1957 und einer fünfteiligen Serie in den 80er-Jahren schlüpft nun Jannis Niewöhner in die Rolle des charmanten Betrügers.

Darum geht's in "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"

Als sich dem jugendlichen Felix Krull (Jannis Niewöhner) die Chance bietet, in einem Pariser Luxushotel als Liftboy zu arbeiten, zögert er nicht lange. In kurzer Zeit steigt der junge Mann zum Oberkellner auf – sehr zur Freude der weiblichen Gäste. Krull selbst verliebt sich in die lebenslustige Zaza (Liv Lisa Fries), doch diese sieht in dem reichen Marquis Louis de Venosta (David Kross) ihre Zukunft.

Hintergrund: Jannis Niewöhner im Interview

„Krull präsentiert sich seiner Umwelt genau so, wie sie ihn sehen will. Er ist ein Meister darin, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, und tut das auf liebenswerte Weise“, sagt der 29-Jährige im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. „Im Grunde hält uns die Geschichte den Spiegel vor: In Zeiten von Social Media ist vieles oberflächlich geworden, die meisten Menschen passen sich äußeren Erwartungen an und verändern entsprechend ihre Hülle.“

Auch Filmemacher Detlev Buck (58) hält die Geschichte für aktueller denn je: „Die Angst davor, zu verarmen, an sozialem Status einzubüßen, teilen viele von uns mit Krull“, stellt der Regisseur im Interview fest. „Gleichzeitig fasziniert die Figur mit einer unglaublichen Weltsehnsucht, ist offen und neugierig auf alles, was passieren könnte.“

Ein Protagonist, der Thomas Mann bis zum Ende seiner Schaffenszeit genügend Stoff bietet: Drei weitere Lebensabschnitte des Hochstaplers will er erzählen. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn 1955 stirbt der Literaturnobelpreisträger in Zürich – der Roman bleibt unvollendet. Eine Entwicklung, die der Autor kurz vor seinem Tod bereits gedanklich durchspielt: „Wie, wenn der Roman weit offen stehen bliebe? Es wäre kein Unglück meiner Meinung nach.“ Er soll recht behalten: Das Lebenswerk wird eine der meistgelesenen fiktiven Autobiografien des 20. Jahrhunderts.

GOLDENE KAMERA Kino-Tipp, weil...

Mit namhaften Stars und mitreißender Musik verfilmte Regisseur Detlev Buck den Klassiker von Thomas Mann neu: "Die Figur Felix Krull fasziniert mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Das macht den Stoff zeitlos."