"Ein unruhiges Leben": TV-Drama über Berthold Beitz

Regisseur Dror Zahavi (Mitte) mit den Hauptdarstellern Sven-Eric Bechtolf als Berthold Beitz (r) und Edgar Selge als Golo Mann.
Regisseur Dror Zahavi (Mitte) mit den Hauptdarstellern Sven-Eric Bechtolf als Berthold Beitz (r) und Edgar Selge als Golo Mann.
Foto: © WDR/Wolfgang Ennenbach
Die WDR-Produktion beleuchtet das außergewöhnliche Leben des Krupp-Managers Berthold Beitz, gespielt von Sven-Eric Bechtolf. GOLDENE KAMERA-Preisträger Edgar Selge schlüpft in die Rolle von Golo Mann.

Früher war er bekannt wie ein bunter Hund, heute sechs Jahre nach seinem Tod, fragen sich die Zuschauer vielleicht Berthold WER? Am 6. Mai haben in Köln die Dreharbeiten von "Berthold Beitz – Ein unruhiges Leben" begonnen. Unter der Regie von Dror Zahavi spielt Sven-Eric Bechtolf die titelgebende Hauptfigur und Edgar Selge (GOLDENE KAMERA 2007) die Rolle des Historikers Golo Mann, der ein Buch über die Firma Krupp schreiben soll. Die 1970er und 1980er Jahre werden im Mittelpunkt des Films stehen. Eine Zeit, in der Beitz um seine Macht bei Krupp ringen musste.

Darum geht's in "Berthold Beitz – Ein unruhiges Leben"

Das Traditionsunternehmen befindet sich spätestens mit dem Tod von Alfried Krupp 1967 in einer langwierigen Finanzkrise. Beitz (Sven-Eric Bechtolf) hat zwar durch Alfrieds Testament und die Eigentümerrechte der Stiftung formell großen Einfluss. Faktisch aber haben die Banken, die der Firma mit einem hohen Kredit aus der Patsche halfen, das Sagen. Zudem genießt der Sonnyboy Beitz, der sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet hat, wenig Vertrauen bei den Geldinstituten.

1973 geht es um alles oder nichts. In seiner Verzweiflung greift Beitz, der nun schon 20 Jahre das Geschick der Firma leitet, zu einem ungewöhnlichen Mittel: Er beauftragt Golo Mann (Edgar Selge), Sohn von Thomas Mann, eine Biographie über Krupp zu schreiben. Schließlich vertraut Beitz darauf, von dem guten Namen der Firma profitieren zu können. Das Problem an der Sache ist nur, dass Beitz, der seinen verstorbenen Chef sehr verehrt hat, die Geschichte mit beeinflussen will. Der Historiker hingegen möchte auch die Schattenseiten des Unternehmens beleuchten. Zwischen Mann und Beitz entfacht ein Streit, der zum Scheitern des Projekts führt.

Hintergrund

"Wie geht man mit deutscher Vergangenheit, wie mit dem eigenen Erbe um?", will der Film fragen – und die Macher räumen ein, dass es an dieser Stelle fiktional wird, denn soweit bekannt haben Beitz und Golo Mann allenfalls bruchstückhaft öffentlich Rechenschaft über ihr Verhältnis gegeben. Stattdessen wirft der Film brisante Fragen auf. Ein Beispiel: Warum verteidigt der Judenretter Beitz als Generalbevollmächtigter bei Krupp NS-Täter vor Gericht?

Die Biographie von Berthold Beitz

Beitz war in seiner Gradlinigkeit und mit seiner durchgehend politisch weißen Weste keineswegs typisch für die wechselvolle deutsche Geschichte, sondern vielmehr eine Ausnahmeerscheinung und zu Recht mit sich im Reinen. Dass er in den 1950er Jahren nicht wie ein Racheengel durch die Stahlindustrie zog, sondern pragmatisch mit NS-belasteten Personen zusammenarbeitete, ändert daran nichts. Man darf gespannt sein, wie der Film seinen dramatischen Plot umsetzt, ohne die reale Titelfigur allzu sehr zu verfremden.

"Ein wichtiges Thema im Film ist die Finanzbeteiligung des Schahs von Persien bei Krupp", sagt Regieassistent Angel Pinar. Beitz hatte es geschafft, Krupps drückende Finanznot zu lindern, indem er 1976 dem später gestürzten Herrscher des Iran eine 25-prozentige Beteiligung an Krupp verschaffte, eine Aktion, die in Deutschland durchaus umstritten war, aber Krupp einen dreistelligen Millionenbetrag einbrachte. Geld, das dringend benötigt wurde, um das Unternehmer zu retten und damit auch die Macht von Berthold Beitz.

Die Villa Hügel stand für die Dreharbeiten nicht zur Verfügung

Wie schon bei diversen Krupp-Filmen der letzten Jahrzehnte, steht auch beim Beitz-Film die Villa Hügel leider nicht zur Verfügung. Für die Außenaufnahmen weicht die Crew ins Schloss Nordkirchen im Münsterland aus, einem Backsteinbau, der mit dem Hügel wenig gemein hat. Die Innenaufnahmen werden in der Drachenburg bei Bonn gedreht, was schon besser zum Original-Schauplatz passt. Etliche Spielszenen werden in den nächsten Monaten aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und Österreich entstehen. Geplantes Drehende ist der 21. Juni.

Das Buch schrieb Sebastian Orlac. Die Produktionsfirma "Zeitsprung Pictures", die schon TV-Dramen wie "Contergan" (GOLDENE KAMERA als Bester deutscher Fernsehfilm 2008).

und "Der Fall Barschel" realisierte, hat sich den komplexen Stoff gemeinsam mit Trebitsch Entertainment vorgenommen. Der Film wird voraussichtlich Mitte kommenden Jahres in der ARD zu sehen sein.

Diese Schauspieler mimten auch schon große historische Persönlichkeiten: