Norbert Himmler: "Die Planung schraubt täglich am Programm"

ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler (48) arbeitet seit 1997 für das ZDF. Der promovierte Politikwissenschaftler ist seit 2012 Programmdirektor des ZDF.
ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler (48) arbeitet seit 1997 für das ZDF. Der promovierte Politikwissenschaftler ist seit 2012 Programmdirektor des ZDF.
Foto: dpa
In der Corona-Krise sind TV-Sender besonders gefordert. Sie müssen schnell auf neue Ereignisse reagieren und ihr Programm an die gänzlich ungewohnte Situation anpassen. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler erklärt im exklusiven Interview mit GOLDENE KAMERA, wie das Zweite die Herausforderungen der Corona-Pandemie bewältigt.

Das ZDF ist in in diesen Tagen eigentlich eine einzige Erfolgsstory: Die Nachrichtenformate, Sondersendungen und Talkshows zum Thema Coronavirus verzeichneten zuletzt Rekord-Einschaltquoten. Doch für die Programmplaner beim ZDF bedeutet die Corona-Krise nicht nur die Chance auf mehr Quote, auch eine Vielzahl von Problemen müssen gelöst werden: Live-Shows (wie die GOLDENE KAMERA) werden verschoben, Sportübertragungen fallen aus, TV-Produktionen wurden gestoppt. Dadurch entstehen viele Lücken im Hauptprogramm, die gefüllt werden müssen. Wir sprachen mit Programmdirektor Dr. Norbert Himmler exklusiv über die aktuelle Situation beim ZDF.

Norbert Himmler im Interview

GOLDENE KAMERA: Das Coronavirus hat das öffentliche Leben in Deutschland nahezu lahmgelegt. Von den TV-Sendern wird erwartet, dass sie weiterhin umfassend informieren und unterhalten. Was sind derzeit die größten Herausforderungen für das ZDF?

Norbert Himmler: Unser Auftrag ist in dieser Zeit wichtiger denn je: umfassend und ausgewogen zu informieren, in Nachrichtensendungen- und Magazinen, in unseren Wissenschafts-Sendungen. Aber auch Unterhaltung ist wichtig in angespannten Zeiten. Viele Menschen stehen jetzt unter großem Druck. Sie brauchen auch Entspannung, gehaltvoll natürlich und der Situation angemessen. Eine Herausforderung für uns besteht darin, unsere Arbeitsabläufe und Produktionen so reibungslos wie möglich zu gestalten – trotz widrigster Umstände. Der riesige tägliche Zuschauerzuspruch ist für uns Ansporn und Bestätigung zugleich.

Das ZDF sendet reihenweise Sondersendungen zur Corona-Krise. Wie lange können die betroffenen Redaktionen dieses hohe Arbeitspensum noch bewältigen?

Ich erlebe eine beeindruckende Form der Solidarität zwischen den Abteilungen des Hauses – bis jetzt schaffen wir es, unsere Aufgaben zu erfüllen. Dies ist nur durch das große Engagement aller Mitarbeiter*innen möglich. Unsere IT ist sehr kreativ, damit unsere Mitarbeiter*innen auch zu Hause einsatzfähig sind. Im Sendebetrieb werden Arbeitsweisen in kürzester Zeit angepasst, um mit den Herausforderungen umzugehen. Redakteur*innen beweisen sich in den aktuellen Sendungen, die Planung schraubt täglich am Programm.

Gibt es angesichts der Infektionsgefahr für Mitarbeiter besondere Sicherheitsvorkehrungen für das ZDF-Sendezentrum in Mainz?

Die Gesundheit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat für uns erste Priorität. Wir halten uns an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Arbeit wird – wo immer möglich und vertretbar – im Homeoffice umgesetzt. Die Kolleg*innen, die im Sender arbeiten, achten auf Abstand, wo nötig haben wir zusätzliche Maßnahmen ergriffen. Konferenzen und Besprechungen haben wir auf digitale Kommunikationsmöglichkeiten umgestellt.

Gibt es Überlegungen, alte TV-Klassiker wieder ins Hauptprogramm zu holen, z.B. „Der Landarzt“ oder „Unser Charly“?

Wir befüllen die Mediathek gerade deutlich stärker auch mit diesen Klassikern. Wir sehen, dass es schon jetzt ein enormes Bedürfnis der Nutzer*innen gibt und das wird weiter zunehmen.

Wie unterstützt das ZDF die deutsche TV-Produktionswirtschaft, die unter der Corona-Krise leidet?

Als größter Einzelauftraggeber der deutschen TV-Produktionswirtschaft nehmen wir unsere Verantwortung sehr ernst. Daher unterstützen wir gerade in diesen schwierigen Zeiten die Kreativwirtschaft in Form von freiwilligen und schnellen Leistungen. So wollen wir die Hälfte der Mehrkosten tragen, die uns Produzentinnen und Produzenten nachweisen: ein klares Zeichen der Solidarität und der engen Zusammenarbeit mit allen Kreativen und Produzent*innen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind aktuell noch nicht absehbar. Rechnen Sie mit Problemen bei den Öffentlich-rechtlichen Sendern?

Es wird zahlreiche Verschiebungen geben, viele Produktionen im Fiktion- und Showbereich werden nicht mehr fertig gestellt. Das wird Auswirkungen auf unsere Planungen haben. Aber wir müssen jetzt und in den kommenden Wochen als Teil der Gesellschaft mit den Herausforderungen der Coronakrise umgehen.