Von der Realität eingeholt: Wotan Wilke Möhring über seine Seuchen-Serie „Slobørn“

Richard (Wotan Wilke Möhring) macht eine furchtbare Entdeckung: Es ist die Taubengrippe.
Richard (Wotan Wilke Möhring) macht eine furchtbare Entdeckung: Es ist die Taubengrippe.
Foto: © ZDF/Krzysztof Wiktor
Wotan Wilke Möhrings Seuchen-Serie „Slobørn“ könnte zu keiner passenderen Zeit im TV. Unser GOLDENE KAMERA Preisträger von 2017 erklärt, warum er keine Angst vor der Pandemie hat - sich aber auch Sorgen macht.

Wer will noch über Corona sprechen? Bei Wotan Wilke Möhring bietet sich dieses Thema indes einfach an, denn er seine apokalyptische Seuchen-Serie „Slobørn“ (hier mehr Infos zur Serie) ist aktuell bei ZDFneo und in der ZDF-Mediathek zu sehen. Der 53-Jährige hat zum Thema Pandemie ganz dezidierte Ansichten, denn für den Vater dreier Kinder stellen sich komplexe Fragen.

Wir leben in einer Zeiten der Pandemie, gleichzeitig startet nun Ihre Pandemie-Thrillerserie „Slobørn“. Das wirkt ein wenig grotesk...

Wotan Wilke Möhring: Das ist es auch. Die Bilder unserer Serie wurden teilweise fast von der Realität überholt. Man könnte dunkle, seherische Fähigkeiten dahinter vermuten, aber es ist einfach nur verrücktes Schicksal.

Haben Sie sich beim Dreh die Frage gestellt, wie Sie sich in einer solchen Pandemie verhalten würden?

Möhring: Klar tut man das. Aber wir alle können vom Elfenbeinturm aus tolle Sprüche klopfen – die Realität ist dann doch komplett anders.

Wie sah Ihre Realität aus?

Möhring: Ich war privilegiert, mit viel Zeit und viel Platz für meine drei Kinder. Wir hatten einen besonders tollen Frühsommer, in der uns die Natur ihren Reichtum zu Füßen gelegt hat.

Sie hatten auch keine Angst?

Möhring: Ich bin grundsätzlich ein angstfreier Mensch. Aber ich mache mir natürlich Sorgen. Die kriegt man automatisch, wenn man Nachwuchs hat. Aber Sorge ist was anderes als Angst. Angst lähmt dich und blendet den Verstand aus. Sie ist der schlechteste Ratgeber, weil sie auf einem nebulösen Gefühl und nicht auf Fakten beruht. Ich versuche, diese Haltung meinen Kindern zu vermitteln, damit sie solchen Herausforderungen mit Vernunft und gesundem Menschenverstand begegnen. Und es war in dieser Zeit sehr spannend zu beobachten, wie Angstmechanismen funktionieren und welchen archaischen Motiven wir unterliegen.

Hat Ihnen die gesunde Rationalität in der Krise gefehlt?

Möhring: Sagen wir es so: Wenn aus Angst vor Unbekanntem blind gehandelt wird, kann dadurch mehr Schaden angerichtet werden als durch das Unbekannte. Das betrifft alles: Es fängt beim Streit um die letzten Nudeln im Supermarktregal an und geht bis zu den medizinischen Operationen, die nicht stattfanden. Das weiß man vorher aber nicht. Und auch anderes ist absurd: Wenn wir nichts für den Klimaschutz tun, dann gehen wir alle drauf. Aber das ist nicht so nah oder real, dass man da etwas machen will. Doch jetzt waren und sind die Leute bereit, zuhause zu bleiben, . Solange es bei den Leuten nicht vor die Tür schwappt, sehen sie die Flut nicht. So sind wir halt.

In der Serie geht es wesentlich dramatischer zu als in der Realität, und der Staat greift hier viel drastischer ins Leben ein. Wie kritisch sehen Sie unser System?

Möhring: Ich hinterfrage es, denn ich bin immer kritisch. Die getroffenen Entscheidungen treffen immer uns alle. Da fehlt mir manchmal schon die Transparenz und die soziale Komponente der Volksvertreter losgelöst vom Parteienapparat.