Christine Strobl: "Zum Jahreswechsel wird sich einiges verändern"

 ARD-Programmdirektorin Christine Strobl
ARD-Programmdirektorin Christine Strobl
Foto: © ARD/Laurence Chaperon
So will die neue Programmchefin Christine Strobl die ARD umbauen: Was neu kommt, was sie dafür über Bord wirft.

Eine neue Kapitänin steht im Ersten am Steuer: Christine Strobl ist ARD-Programmdirektorin und nimmt Kurskorrekturen vor: Bewährte Formate erhalten neue Sendeplätze, lieb gewonnenen Serien droht vielleicht das Aus. Es soll viele neue Event-Mehrteiler geben, die Mediathek wird gestärkt. Das sind einige der Pläne, die die 50-Jährige schmiedet. Im Interview mit GOLDENE KAMERA redet sie Klartext.

GOLDENE KAMERA: Frau Strobl, welche Note von Eins bis Sechs würden Sie der ARD momentan geben?

Christine Strobl: Zwei bis Drei. Warum? Wir haben exzellente Inhalte. Würde ich nur danach gehen, wäre die Schulnote vielleicht etwas besser. Aber wir haben noch keine richtige Antwort auf die Frage, was wir brauchen, um jüngere Zuschauer zu erreichen, und wie wir unsere Angebote ausrichten müssen, damit sie sich nicht alle an die gleichen Bevölkerungsgruppen richten. Da müssen wir besser werden.

Was wird sich für die Zuschauer ganz sichtbar ändern? Und ab wann?

Zum Jahreswechsel wird sich einiges verändern. Im klassisch-linearen Fernsehen setzen wir auf Verlässlichkeit – mit festen Startzeiten und einer klaren Gliederung für die Tage. Beispielsweise wird der Montag künftig ein Informationstag, an dem wir ab 20.15 Uhr mit hochwertigen, attraktiven Dokus aus den Bereichen Investigatives, Wirtschaft, Kultur, Religion und Ausland starten. Auch der Naturfilm wird dort eine große Rolle spielen. Anfang 2022 gibt es hier zum Beispiel einen Schwerpunkt über das Comeback seltener Tierarten, die ja auch in Bezug auf den Klimawandel wichtig sind. Momentan diskutieren wir zudem über eine Verlegung des „Weltspiegels“ auf den Montag. Die Verlässlichkeit soll im klassischen Fernsehen auch für die anderen Tage gelten. Deshalb werden die „Tagesthemen“ am Freitag später beginnen, und sie werden verlängert, um die Freitagsausgabe an die Sendungen montags bis donnerstags anzupassen.

Medientage Mitteldeutschland: Wie funktioniert eine gute Zusammenarbeit von ARD und ZDF, Christine Strobl?

Warum setzen Sie so stark auf Infos und Dokus?

Wir müssen den digitalen Umbau in den Blick nehmen, um mit unseren Angeboten wieder die ganze Bevölkerung zu erreichen. Dazu brauchen wir auch im bestehenden Konkurrenzumfeld der ARD-Mediathek einen attraktiven Dokubereich.

Welche Serien-Highlights starten?

Am 22. September um 20.15 Uhr startet eine witzig-tragische Miniserie namens „Tina mobil“. Darin geht es um eine Frau, die einfach nicht aufgeben will. Ab Anfang November gibt’s neue Folgen von „Die Heiland“ mit Christina Athenstädt in der Titelrolle.

Außerdem haben wir einen neuen Donnerstagskrimi: „Dr. Hoffmann“ mit Kai Wiesinger, der in Berlin spielt und auch noch 2021 an den Start geht. Und unsere achtteilige Anwaltsserie „Legal Affairs“ mit Lavinia Wilson als Medienanwältin startet ebenfalls im vierten Quartal. Diese Serie ist in Zusammenarbeit mit dem Medienjuristen Christian Schertz entstanden, und wir können ein Stück weit auf wahre Fälle zurückgreifen. „Legal Affairs“ ist für mich der Versuch, nach langer Zeit und zuletzt „Liebling Kreuzberg“ eine moderne Anwaltsserie zu erzählen.

Was sind weitere Höhepunkte?

Etwa der Dreiteiler „Ein Hauch von Amerika“, den wir Anfang Dezember zeigen. Er beschäftigt sich mit der Freundschaft zweier Frauen in Rheinland-Pfalz in den Nachkriegsjahren. Ebenfalls herausragend wird der große Event-Mehrteiler „Eldorado KaDeWe“ über das legendäre Berliner Kaufhaus in den 1920er-Jahren, erzählt von Regisseurin Julia von Heinz. Weitere besondere Angebote sind in 2022 der Mehrteiler „Zerv“ mit Nadja Uhl und die historische Serie „Bonn“.