Joachim Król: "Charisma hat mit Schauspielerei nicht viel zu tun"

Wenn es um Erfahrung geht, hat Jurymitglied Joachim Król den Hut auf.
Wenn es um Erfahrung geht, hat Jurymitglied Joachim Król den Hut auf.
Foto: Getty Images
Joachim Król gehört zur neunköpfigen Jury der GOLDENEN KAMERA. Der Schauspieler ist begeistert von der Qualität der TV-Produktionen.

Er arbeitete mit den ganz Großen der Branche – mit Regisseuren wie Helmut Dietl, Wim Wenders und Tom Tykwer: Joachim Król (60), als Bergmannssohn in Herne geboren, gehört zu den populärsten Schauspielern des deutschen Films. Sein Durchbruch gelang ihm 1994 in Sönke Wortmanns Film "Der bewegte Mann". Król war Commissario Brunetti in Venedig, Kommissar Lutter in Essen. Seine Glanzrolle jedoch war die des "Tatort"-Kommissars Steier in Frankfurt, einer Figur am Rande der Selbstzerstörung, wie die Kritik lobte.

Jetzt gehört er selbst zu den Kritikern: In der Jury der GOLDENEN KAMERA ist Król einer von neun Prominenten, die das Beste im deutschen TV prämieren.

Interview mit Joachin Król

Am 22. Februar wird die GOLDENE KAMERA verliehen (20.15 Uhr, live im ZDF). Wie viele Filme haben Sie geguckt?

Einige. Wie viel es genau waren, weiß ich wirklich nicht mehr. Zeitweise dachte ich, ich schaffe es nicht. Es war Abend für Abend volles Programm – anstrengend. Aber es hat auch unglaublich viel Spaß gemacht.

Saßen Sie allein vor dem Fernseher?

Nein! Glücklicherweise hatte ich meine Frau an meiner Seite. Sie ist ein noch größerer Filmfan als ich und sehr kompetent.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Mir ist wieder einmal klar geworden, wie hoch die Qualität unserer TV-Produktionen ist. Ich stehe in ständigem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland und weiß, dass man uns um dieses hohe Niveau beneidet. Der internationale Serien-Boom der letzten Jahre wirkt sich mittlerweile sehr positiv bei uns aus. Deutsche Produzenten, Autoren und Regisseure haben die Herausforderung angenommen und zum Teil fantastische Ergebnisse erzielt.

Wie muss man sich gute Qualität denn vorstellen?

Das lässt sich nicht so einfach sagen. Es gibt so viele Formate. Überall gelten ja andere Kriterien, aber für alle gilt das erste Gebot: "Du sollst nicht langweilen!"

Hat Ihnen das schon mal jemand vorgeworfen? Oft sind ja die Ehefrauen am kritischsten.

Nein, das ist mir bis jetzt erspart geblieben. Auch vonseiten meiner Frau. Das heißt jetzt aber nicht, dass sie nicht kritisch ist.

Schauspielerinnen kritisieren, dass die Rollenangebote im Alter weniger werden. Wie ist es bei Männern?

Ich kann nur für mich sprechen. 2017 war eines meiner besten Jahre. Unter anderem mit zwei feinen Komödien.

Komödien gelten gemeinhin als schwierig. Gibt es ein Rezept für guten Humor?

Nein, gibt es nicht. Aber in Sachen Komödie hilft auf jeden Fall ein gutes Timing zum Beispiel.

Wie kriegt man das?

Weiß ich nicht, aber ich denke, dass es mit Musikalität zu tun hat. Ich glaube, dass ich auch hier Glück gehabt habe. Über mein Timing hat sich bislang noch keine Regisseurin oder kein Regisseur beklagt.

Was ist eigentlich ein guter Schauspieler? Dann, wenn er authentisch ist, wie es so oft heißt? Was ist damit gemeint?

Der Zuschauer weiß ja, dass die Situation, in der sich der Schauspieler bewegt, artifiziell, also das Gegenteil von authentisch ist. Wenn es dem Schauspieler dabei gelingt, dies den Zuschauer vergessen zu machen, dann agiert er möglicherweise authentisch. Oft wird das leider mit "Der ist doch so!" verwechselt. Dabei löst er nur seine Aufgabe richtig.

Richtig? Wie meinen Sie das?

Wenn Pierre Richard in ein Taxi steigt, natürlich in das falsche, dabei stolpert und einen Schuh verliert – und ich glaube, dass ihm das alles wirklich gerade passiert, dann wirkt er authentisch. Komplizierte Aufgabe. Große Kunst.

Klingt nach Technik und nicht nach Charisma.

Charisma hat mit Schauspielerei nicht viel zu tun. Wichtiger ist es, seinen Text zu beherrschen und nicht gegen die Möbel zu laufen.

Gibt es Schauspieler, die Sie bewundern?

Wenn Sie jemanden unter den Kolleginnen und Kollegen meinen, die zur Auswahl für die GOLDENE KAMERA standen, so möchte ich niemanden hervorheben. Bewundern ist ein sehr großes Wort. Aber ich möchte betonen, wie sehr mich das schauspielerische Niveau beeindruckt hat. Ich soll ja hier keine Namen nennen. Aber meine Frau und ich sind wirklich oft ins Schwärmen geraten.

Auch bei der Darstellungskunst des Nachwuchses?

Was mich fasziniert, ist, wie hochprofessionell Schauspielerinnen und Schauspieler heute schon im Alter von, sagen wir, Anfang 20 arbeiten.

Inwiefern?

Sie sind international aufgestellt. Sprechen viele Sprachen, gehen ihre Karrieren planvoll an. Davon war ich in diesem Alter weit entfernt.

Interview: Petra Koruhn