Conchita: "Berühmtsein macht nicht nur Spaß"

Bei der GOLDENEN KAMERA 2018 durfte Conchita zusammen mit den Pointer Sisters die Show eröffnen.

Eine große Ehre für die 29jährige ESC-Siegerin von 2014, die uns im Interview vor der Show verriet, dass sie gerade von Helen Mirren lernt, wie man schauspielert und sie im Jahr 2038 wohl schon sehr lange in einem Karton verschwunden sein wird.

GOLDENE KAMERA: Was haben Sie als Erstes gedacht, als Sie gefragt wurden, ob Sie zusammen mit den Pointer Sisters als Überraschungsgast auftreten möchten?

Conchita: Ich bin aus den Latschen gekippt! Wir haben das jetzt gerade geprobt, und es ist ein Wahnsinn! Denn die Pointer Sisters sind ja totale Weltstars. Es ist mir eine große Ehre! Und obendrein steht die Gala auch noch, in jeglichen Belangen, unter dem Oberthema „Freiheit“!

Freiheit ist ein gutes Stichwort! Ein Symbol für Befreiung war, als Ihr Bild nach dem Sieg beim ESC um die Welt ging. Momentan werden aber auch die Grenzen der Freiheit diskutiert – etwa über bei der #MeToo-Debatte. Ihre Meinung über #MeToo?

Conchita: Es ist einfach furchtbar, was alles geschehen ist. Ich muss ehrlich gestehen: Mir ist so etwas nicht einmal im entferntesten Sinne passiert. Und darum kann ich wahrscheinlich schwer nachvollziehen, wie es den Beteiligten geht, die so etwas erleben mussten. Alles Negative hat aber auch ein Positives. Und wenn das Positive ist, dass jetzt Oprah Winfrey, wie sie es so großartig gesagt hat, „Time’s Up!“ initiiert hat, dann ist das etwas Fabelhaftes.

Sie entsorgen gerade Ihren Nachnamen Wurst, weil er auf Englisch wie „worst“ klingt. Stimmt’s?

Conchita: Ja – ich versuche es…

Wird der Vorname Conchita ebenfalls irgendwann Geschichte sein?

Conchita: Ich will mich weiterentwickeln. Und ich werde definitiv in der Zukunft Dinge machen, die keine Perücke brauchen und keine falschen Wimpern. Aber wann der Zeitpunkt kommt, weiß ich noch nicht.

Die Kunstfigur Conchita Wurst – Fluch oder Segen?

Conchita: Berühmtsein macht nicht nur Spaß. Es schränkt einen ein, und man muss definitiv auf Dinge verzichten. Auf der anderen Seite mache ich aber das, was ich am liebsten mache und bekomme noch Geld dafür. Das bezahlt meine Miete. Und das ist wirklich ein Riesenprivileg. Nicht umsonst sagt man „Wo viel Licht ist, ist auch Schatten.“ Und das ist die Wahrheit. Ich würde das sehr realistisch betrachten: Ich wäre ohne diese Kunstfigur definitiv nicht da, wo ich heute bin. Aber ich freue mich ebenfalls darauf, in der Zukunft vielleicht Projekte anzugehen, die vielleicht sogar hinter der Kamera passieren.

Conchita live bei der GOLDENEN KAMERA 2018

Dieses Jahr werden Sie 30. Welche Weichen stellen Sie neu?

Conchita: Alle sagen immer: „Wenn du 30 bist, verändert sich dein Leben verändert und du wirst ein Stück reifer.“ Ich meine, das schon jetzt unterschreiben zu können. Ich halte mich für wesentlich reifer, als ich es 2014 war. Heute bin ich mir selbst treuer. Ich vertraue auf mein Bauchgefühl. Ich bin nicht beratungsresistent, aber ich setze jetzt definitiv mehr durch, was ich will, und stelle meine beruflichen Bedürfnisse vor alle anderen.

Ein Blick in die Zukunft: Conchita im Jahr 2038. Wo sehen Sie sich mit 50?

Conchita: Conchita wird 2038 bereits sehr lange in meinem Karton in einem Kasten liegen, denke ich. Ich glaube nicht, dass ich mit 50 noch als bärtige Frau herumlaufe. Wobei: Wer weiß? Vielleicht werde ich bis dahin sooo viel Anderes gemacht haben, dass ich – wie Cher – zurückkomme, und rufe: „Ich bin wieder da! Wir probieren es nochmal!“

Conchita und politische Songs – Go oder No-Go?

Conchita: Ich finde, man sollte Musik machen, die einem aus dem Herzen tropft. Und wenn man etwas zu sagen hat, was sozialpolitisch relevant ist, dann würde es eben ein politischer Song sein. Aber ich würde mich nicht hinsetzen und vorsätzlich ein neues „Heal the World“ schreiben. Es müsste sich natürlich entwickeln.

GOLDENE KAMERA 2018: Conchita auf dem roten Teppich

Ein Tipp für uns Deutsche: Beim ESC lagen wir in den letzten Jahren immer gaaanz hinten. Was können wir verbessern?

Conchita: Ach, wir Österreicher hatten doch auch über 60 Jahre nicht gewonnen! Und wir haben insgesamt nur zwei Siege zu verbuchen. Und Deutschland hat ja bereits mehr. Von daher sollten wir uns bei euch Tipps holen!

Österreichs neues Regierungsbündnis – Top oder Flop?

Conchita: Wir leben in einer Demokratie. Das Volk hat entschieden, und das Wahlergebnis ist eine Folge der Missstimmung in Österreich. Das muss man einfach ganz klar so sehen. Ich erwarte von dieser Regierung, wie von allen anderen Regierungen, dass sie unser Land nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen, und ein inkludierendes Österreich schaffen – nicht eins, das auf Hetze und Hass basiert.

Das Opening der GOLDENEN KAMERA 2018

Eines Tages heiraten – eine Zukunftsaktion oder zu spießig?

Conchita: Ach, ich bin Romantiker. Wenn ich mich wirklich verliebe, dann kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich vor einen Altar trete.

Ihr Traummann: Groß und stark à la George Clooney? Androgyn? Oder doch der nette Klempner von nebenan?

Conchita: Jemand mit Humor, der mich handlen kann: „Because I’m a lot!“. Eine gute Partnerschaft muss sich über die Jahre entwickeln. Früher habe ich wirklich gedacht, dass mein Traummann beispielsweise graumeliertes Haar haben sollte und vielleicht Brusthaare. Aber jetzt denke ich mir: Ich bin einfach froh, wenn mich jemand meiner wegen mag und nicht, weil sie sich irgendeinen Vorteil erhoffen.

Gibt es konkrete künstlerische Pläne? Ein neues Projekt, das sich bereits nennen lässt? Etwas Spruchreifes in der Produktionspipeline?

Conchita: Ja. Ich arbeite – Heureka! – an meinem zweiten Album und es nimmt Formen an. Das wird ein Album namens „From Vienna with Love“ mit den Wiener Symphonikern und darauf freue ich mich sehr. Ich habe ja bereits einige Orchester-Projekte hinter mir – etwa mit dem Bruckner Orchester und dem Sydney Symphonic Orchestra – und ich liebe Orchester einfach wahnsinnig. Nun haben sich die Wiener Symphoniker in mich verliebt, und mich gefragt, ob ich nicht etwas mit ihnen machen würde. Und weil ich ein sehr ehrgeiziger Mensch bin, heißt es momentan: proben und proben und trainieren und trainieren.

Die Goldene Kamera ist ein Fernsehpreis. Fußball, Nachrichten, „Tatort“, „Aktenzeichen XY“ – was verpassen Sie nie im Fernsehen?

Conchita: Gesellschaftliche Ereignisse wie den Opernball. Und die GOLDENE KAMERA würde ich mir ebenfalls ansehen. Solche Großevents schaue eben! Aber ich bin kein Binge-Watcher. Momentan schaue ich mir beispielsweise die MasterClass an, und lerne von Helen Mirren, wie man schauspielert. Denn das finde ich auch spannend! Ich habe viele Ideen für Drehbücher und für Set-Designs. Ich würde das alles irgendwie gerne vereinen können. Und da ist ein Film das Beste, was man machen kann. Und Schauspieler anschreien muss wahnsinnig lustig sein – und ihnen zu sagen, was sie tun sollen. Das ist meine Wunschvorstellung.

Das war die GOLDENE KAMERA 2018

So exciting: Die Music-Acts der GOLDENEN KAMERA 2018

Das mitreißende Opening der GOLDENEN KAMERA 2018: Conchita und The Pointer Sisters performen "I'm so excited".
Das mitreißende Opening der GOLDENEN KAMERA 2018: Conchita und The Pointer Sisters performen "I'm so excited".
Foto: Eventpress / GOLDENE KAMERA
Die Auftritte der Pointer Sisters und Conchita sowie das Live-Medley der "Sing meinen Song"-Preisträger um The BossHoss gaben bei der diesjährigen Preisverleihung den mitreißenden Takt vor. Wir trafen Ruth Pointer zum Video-Talk.
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