Christiane Hörbiger: "Ich lebe nur für meinen Beruf"

Exklusiv-Interview mit Christiane Hörbiger, die mit der GOLDENEN KAMERA für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird.

Sie gehört zu den Frauen, bei denen jeder ins Schwärmen gerät: Schauspielerin Christiane Hörbiger wird für ihre Rollen von Jung und Alt geliebt. Für die einen bleibt sie immer die Grande Dame, die feine Lady, mit der sie in der Serie "Das Erbe der Guldenburgs" berühmt wurde - und dafür unter anderem mit der GOLDENEN KAMERA 1988 geehrt wurde. Andere schätzen sie für ihren Mut, im Alter Frauen in prekären Lebenssituationen zu interpretieren. 2001 erhielt sie ihre zweite GOLDENE KAMERA als "Beste Schauspielerin in einer Serie" für ihre Rolle als Richterin in "Julia - Eine ungewöhnliche Frau", die sie in über 60 Folgen verkörperte. Nun wird sie am 22. Februar, um 20.15 Uhr, live im ZDF ihre dritte Trophäe für ihr Lebenswerk entgegennehmen.

Hörbiger, vor 79 Jahren in Wien geboren, ist seit ihrem 17. Lebensjahr auf der Bühne und im Kino zu sehen. Ihre Eltern, Attila Hörbiger und Paula Wessely, waren berühmte Film- und Theaterstars. Sohn Sascha Bigler arbeitet als Regisseur und Autor abwechselnd in Los Angeles und München. Ihr "Lebensmensch" Gerhard Tötschinger war Intendant und Schriftsteller. 2016 starb er nach über 30 gemeinsamen Jahren plötzlich.

Wir sprachen mit Christiane Hörbiger über das Leben nach diesem Schicksalsschlag, den Spagat zwischen ernsten Rollen und leichter Muse und ihre Gefühle, als sie von ihrer Auszeichnung mit der GOLDENEN KAMERA erfuhr.

Interview mit Christiane Hörbiger

Herzlichen Glückwunsch zur GOLDENEN KAMERA für Ihr Lebenswerk! Waren Sie sehr überrascht?

Ich war erfreut, einfach richtig erfreut. Es war ein wunderbarer Tag. Ich empfinde es als große Ehre, dass ich als Österreicherin in Deutschland diesen großen Preis bekomme.

Sie gehören zu den ganz wenigen, die zum dritten Mal mit der GOLDENEN KAMERA geehrt werden. Hat der Preis für Sie eine besondere Bedeutung?

Oh ja, natürlich. 1988 war die GOLDENE KAMERA meine erste große Auszeichnung. Es gibt ein Foto meines Mannes, der jetzt verstorben ist, wo ich ganz glücklich auf dem Bauch im Bett liege, und unter den nackten Füßen steht die GOLDENE KAMERA. Er hat das fotografiert, während ich noch tief schlief. Vielleicht stelle ich mir die nächste wieder vor mein Bett.

Wissen Sie schon, welches Kleid Sie auf der Galashow zur Verleihung tragen werden?

Ziemlich, aber noch nicht ganz genau. Wahrscheinlich ein Escada Modell.

Humor ist für Sie ein wichtiges Lebenselixier. Mit wem haben Sie beim Dreh besonders gut und viel gelacht?

Mit Peter Weck vor allem. Mit ihm konnte ich wunderbar lachen. Wir haben viel im Fernsehen zusammen gedreht und teilen denselben Humor. Auch mit Friedrich von Thun habe ich mich sehr gut verstanden und viel Spaß gehabt.

Vielen sind Sie noch in bester Erinnerung mit dem "Erbe der Guldenburgs". War das für Sie der entscheidende Karriereschub?

Ja natürlich. Ich habe bis dahin fast nur Theater gespielt. Durch die "Guldenburgs" geriet ich plötzlich in den Blickpunkt vieler Leute. Und entdeckte, dass mir die Arbeit vor der Kamera große Freude macht.

Wichtige Filme wie "Schtonk!" haben Sie zusammen mit Götz George gedreht.

Es tut sehr weh, mich an Götz zu erinnern. Wir haben neben "Schtonk!" noch vier Filme gedreht und standen uns immer nahe. Er ist im selben Jahr gestorben wie mein Mann. Das war alles 2016.

Wie geht es Ihnen heute, ein gutes Jahr nach dem Tod Ihres Mannes?

Es muss gehen. Ich vermisse meinen Mann ständig. Ohne ihn leben zu müssen ist wahnsinnig hart. Aber es wird leichter. Ich lerne gerade intensiv den Text für einen neuen Film, der fünf Tage nach der GOLDENEN KAMERA in Hamburg beginnt. Darauf freue ich mich sehr. Ich definiere mich in der Hauptsache ja über meinen Beruf, und das ist gut so. Die Arbeit nimmt mich so in Anspruch, dass die Trauer zeitweise dahinter zurücktritt. Viel schwieriger haben es Frauen, die sich vor allem durch ihre Ehe definiert haben. Da ist der Verlust sicher noch ein anderer, beziehungsweise dauert es noch länger, bis Trost eintritt.

Hat der neue Film wieder tragische Züge wie etwa "Die letzte Reise"?

Nein! Dieses Mal spiele ich eine bösartige alte Dame. Eine, die sich mit der Schwiegertochter dauernd kabbelt und keine andere Meinung gelten lässt als ihre eigene. Das ist wirklich eine witzige Sache, worauf ich mich doppelt freue, weil es eben keine leidende Figur ist.

Bildergalerie: Christiane Hörbiger in "Die letzte Reise"

Es gibt derzeit viele Diskussionen um das Verhalten von Regisseur Dieter Wedel gegenüber Frauen. Haben Sie in Ihrer Karriere Ähnliches erlebt?

Eher nein. Ich habe am Theater angefangen, war 17, und meine Eltern waren kreuzlebendig. Dadurch bin ich nie so sehr in Gefahr gewesen, dass man mich betatscht oder Schlimmeres. Aber das geschah mehr aus Respekt vor meinen Eltern.

Hat sich die Situation für Frauen in der Branche über die Jahre geändert?

Na, sicher. Die Herren sind vorsichtiger geworden. Und die Frauen ein bisschen mutiger, indem sie offen über Missstände sprechen. Anders als meine Generation, die sich nicht getraut hat, etwas zu sagen. Gott sei Dank hat sich das geändert.

Ihre Eltern waren große Film- und Theaterstars. Was haben Sie da für sich mitgenommen?

Das Lampenfieber! Mein Vater war bei großen Premieren leichenblass vor Aufregung. Meine Mutter weniger. Aber das sehe ich noch vor mir, wie sie in die Küche kommen und sich verabschieden. Immer schön angezogen, weil jede Premiere ein großer Tag für Schauspieler ist. Immer elegant. Nicht nur wegen der Premieren-Feier nachher, weil man ja nicht wusste wie es ausgeht. Sondern einfach aus Respekt vor dem Beruf. Bei mir war es lange ähnlich: Ich war jahrelang am Züricher Schauspielhaus, immer mit großen Rollen eingesetzt. Und vor jeder Premiere hatte ich Panikanfälle.

Schauspielen ist Familienberuf, haben Sie mal gesagt. Wenn alle das gleiche machen, gibt es dann auch Konkurrenz innerhalb der Familie?

Eigentlich nicht. Dadurch, dass ich in der Hauptsache in Zürich gespielt habe und meine kleinere und meine größere Schwester in Wien Theater gespielt haben, gab es nie eine echte Konfrontation. Nicht mal, wenn wir die gleichen Rollen gespielt haben.

Stehen Sie inzwischen lieber vor der Kamera als auf der Theaterbühne?

Ich habe vor dem Film und vor der Kamera keinerlei Panik. Darum drehe ich so gerne.

Wenn ich erzähle, dass Sie dieses Mal die Preisträgerin sind, kommen die Leute unweigerlich ins Schwärmen. Spüren sie diese Zuneigung der Fans auch im Alltag persönlich?

Die Wiener sind natürlich an mich gewöhnt. Aber wenn ich deutsche Touristen oder Festspielpublikum aus Deutschland treffe, dann ist das etwas anderes. Die sind dann sehr angetan, wenn sie mich persönlich sehen oder kennenlernen. Ist das nicht wunderbar?

Sie haben mit sehr vielen Großen aus der Theater- und Filmszene gedreht. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Götz George. Die Arbeit mit ihm war jedes Mal eine neue Herausforderung. Und Helmut Dietl. Der hat mich damals als Regisseur von "Schtonk!" sehr geprägt, aber auch sehr bestätigt in dem, wie ich arbeite.