"Aufbruch in die Freiheit" ist nominiert als "Bester Fernsehfilm"

Das Emazipationsdrama "Aufbruch in die Freiheit" zeichnet das eindrucksvolle Porträt einer starken Frau, die Anfang der 70er Jahre für Gleichberechtigung kämpft.

Das sagt unsere Jury: „Eine Frau vom Lande wehrt sich gegen ihren übermächtigen Mann und treibt heimlich ab. Gekonnt verbindet der Film das private Drama mit der Frauenbewegung der 1970er. Die originale Sprache und eine fantastisch punktgenaue Ausstattung lassen den Zeitgeist aufleben, den die Schauspieler brillant interpretieren.“ Drehbuch: Andrea Stoll, Heike Fink, Ruth Olshan. Regie: Isabel Kleefeld

Teaser-Trailer zu "Aufbruch in die Freiheit"

Darum geht's in "Aufbruch in die Freiheit" (ZDF)

Metzgersgattin Erika (Anna Schudt) rackert sich in der Provinz mit ihren Kindern und dem Betrieb ab. Als ihr Arzt feststellt, dass sie erneut schwanger ist, gerät sie in Panik. Drei Kinder und die Knochenarbeit überfordern sie schon jetzt. Sie sieht sie keinen anderen Ausweg, als heimlich in Köln abzutreiben. Das bringt ihr Leben in Gefahr, ihre Ehe mit Gatte Kurt (Christian Erdmann) sowieso. Der zeigt weder für sie noch für ihre Kinder Verständnis.

Kurzentschlossen flieht Erika mit den Kindern nach Köln zu Schwester Charlotte (Alwara Höfels). Die lebt in einer WG ein emanzipiertes Leben. Doch Erikas "Aufbruch" gestaltet sich schwerer als gedacht. Ohne Kurts Einwilligung darf sie keine Arbeit annehmen und nicht einmal die Kinder in der Schule anmelden. Das öffnet ihr die Augen. Sie will selbstbestimmt ihr Leben führen - und beginnt dafür zu kämpfen. Sie schließt sich den Kölner Frauenrechtlerinnen an. Dann verklagt Kurt sie auf Kindesentzug...

Kämpferinnen für Frauenrechte

Aus dem "Tatort" kennt man Anna Schudt als schlagfertige Kommissarin, hier spielt sie die zunächst brave Familienmutter, die aus der Not heraus zur Kämpferin für Gleichberechtigung wird. "'Aufbruch in die Freiheit' erzählt ein großes gesellschaftsrelevantes und emotional aufgeladenes Thema anhand einer kleinen Lebensgeschichte", sagt Anna Schudt über ihre Rolle. Es ist vielleicht nur eine kleine Geschichte, aber sie steht exemplarisch für das Schicksal vieler Frauen in der damaligen BRD.

Wie aktuell der Filmstoff auch heute noch ist, erklärt Alwara Höfels: "Der Film macht nachdenklich. Er führt dem Zuschauer zwar vor Augen, dass vieles an Gleichberechtigung erreicht wurde, aber dennoch vieles bis heute im Argen liegt. Einige Aspekte der damaligen Bewegung werden ganz aktuell diskutiert, zum Beispiel die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern."

"Wir haben abgetrieben!"

Das Emanzipationsdrama erzählt eine der Geschichten hinter der 1971 erschienenen stern-Titelstory "Wir haben abgetrieben!". Um dies zu fiktionalisieren, bedienen sich Regisseurin Isabel Kleefeld sowie die Drehbuchautorinnen Andrea Stoll, Heike Fink und Ruth Olshan eines dramaturgischen Tricks: Erika soll eine der 28 Frauen auf dem Titelbild sein, doch ausgerechnet ihr Gesicht wird vom stern-Grafiker mit der Schlagzeile überdeckt. Damals bekannten sich 374 Frauen öffentlich, abgetrieben zu haben. Sie kämpften für die Abschaffung des Paragraphen 218, der Schwangerschaftsabbrüche kriminalisierte.

Neben "Aufbruch in die Freiheit" sind "Schöne heile Welt" und "Macht Euch keine Sorgen" in der Kategorie "Bester deutscher Fernsehfilm" für die GOLDENE KAMERA 2019 nominiert. Wer die Gewinner der geheimen Abstimmung sind, wird erst bei der Verleihung am 30. März verraten. Das ZDF überträgt die Galashow live.

Video-Highlights | GOLDENE KAMERA 2019