Die "Saboteure im Eis" verhindern Hitlers Geheimwaffe

Die spannende Miniserie „Saboteure im Eis - Operation Schweres Wasser“ zeigt, wie Widerständler die Atombomben-Pläne der Nazis durchkreuzten.

Hätten die Nationalsozialisten den Zweiten Weltkrieg doch noch gewonnen, wenn sie kurz vor dessen Ende eine Atombombe gebaut hätten? Das ist sicher die Kernfrage hinter der sechsteiligen norwegisch-britischen Miniserie „Saboteure im Eis – Operation Schweres Wasser“ (ab Dienstag, 2. Januar, 23.00 Uhr, Das Erste). Die nämlich beleuchtet die dramatischen (realen) Ereignisse rund um den 27. und 28. Februar 1943. Damals jagten neun norwegische Widerstandskämpfer in einem Sabotageakt eine von Nazis kontrollierte Fabrik in Vemork, rund 160 Kilometer westlich von Oslo, in die Luft. Durch diese Explosion – und darauf folgende Aktionen – wurde die Atomwaffenforschung der Nazis nachweislich entscheidend zurückgeworfen. Die Story: 1939 wird Werner Heisenberg (Christoph Bach) vom Heeresamt der Wehrmacht zur Forschung an der deutschen Atombombe einberufen.

Trailer: Saboteure im Eis

Der 1932 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnete ehrgeizige Wissenschaftler soll im Auftrag Hitlers gemeinsam mit dem Uranverein die Bombe bauen. Doch um in Deutschland einen Reaktor betreiben zu können, der bombenfähiges Uran liefert, braucht der Physiker Deuteriumoxid, besser bekannt als schweres Wasser. Hätte er es, prahlt Heisenberg, könnte er schon bald eine Bombe von der Größe einer Ananas bauen, mit der sich ganz London zerstören ließe. Deuteriumoxid in nennenswerten Mengen aber gibt es in ganz Europa nur an einem Ort: In Fabrikanlagen des Kraftwerks Vemork in der Provinz Telemark im seit 1940 besetzten Norwegen, wo es als Nebenprodukt bei der Ammoniakherstellung des Unternehmens Norsk Hydro entsteht! Vor der Besetzung hatten die Deutschen versucht, die Schwerwasser-Bestände dort aufzukaufen. Vergeblich! Jetzt aber drängen sie als Besatzer darauf, die Produktion massiv zu erhöhen.

Der Plot wurde mehrfach verfilmt

Der norwegische Reserveoffizier Leif Tronstadt (Espen Kloumann Høiner) durchschaut den Sinn. Er warnt die Alliierten, Widerstandskämpfer in Bewegung setzen. Sie sollen die Fabrik zerstören. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt – denn niemand weiß genau, wie weit die Atomwaffenentwicklung der Nationalsozialisten ist. Diese Geschichte wurde schon mehrfach verfilmt, so etwa 1948 als norwegisch-französische Produktion „Kampf ums schwere Wasser“ oder 1965 mit Kirk Douglas als „Kennwort ,Schweres Wasser‘“. Doch erst die mit internationalen Preisen dekorierte Serie, die in Norwegen 63 Prozent Marktanteil erzielte, entstand in enger Zusammenarbeit mit Historikern.

Auch Hauptdarsteller Christoph Bach (41) beschäftigte sich für die Rolle des Physikers Heisenberg intensiv mit Atomen und Isotopen: „Physik“, gesteht er, „ist nicht gerade mein Spezialgebiet. Aber dann spielt man diesen Nobelpreisträger, und plötzlich wird das alles irrsinnig interessant – auch wenn man anfangs überhaupt nichts davon versteht.“

Knut Haukelid beendete Hitlers Bombenträume

Aus drei Perspektiven erzählt Regisseur Per-Olav Sørensen die Geschichte: Im Zentrum stehen der Forscher Heisenberg und der Druck, den die Nazis auf ihn ausüben, die zeitgleich „jüdisch unterwanderte“ Bereiche der Physik denunzieren. Zweitens beleuchtet Sørensen die Sicht der Alliierten. Und drittens sind die Furcht der Fabrikbetreiber sowie die inneren Konflikte der Widerstandskämpfer Thema. Letztere hatten sich im Herbst 1942 für den Einsatz, Operation „Grouse“ genannt, formiert und sollten ursprünglich sehr bald von britischen Spezialisten unterstützt werden. Doch deren Landung misslang, erst Ende Februar 1943 – nach vier eisigen Monaten im Versteck – erhielt der „Grouse“-Trupp Verstärkung von sechs weiteren Männern, mit denen schließlich ein Angriff auf die Schwerwasser- Fabrik gelang.

Komplett zerstört wurden die Schwerwasser-Produktionsanlagen allerdings weder durch diese Attacke, noch durch einen späteren Luftangriff der Amerikaner. Immerhin zogen sich die Deutschen 1944 aus Vemork zurück, luden aber alles verfügbare Schwerwasser zuvor auf die Eisenbahnfähre „SF Hydro“, um es nach Deutschland zu bringen. Erst der norwegische Widerstandskämpfer Knut Haukelid (im Film dargestellt von Frank Kjosås) beendete Hitlers Bombenträume endgültig. Er versenkte die Fähre mit Sprengsätzen im See Tinnsjå – vier deutsche Transportbegleiter und 14 norwegische Zivilisten starben.

Ob der Rückschlag für die Atomwaffenforschung der Nazis eine kriegsentscheidende Bedeutung hatte? Diese eingangs gestellte Kernfrage lässt die Serie unbeantwortet. Sie will schließlich keine Geschichtsdoku sein, sondern auch Zuschauer ohne historisches Fachwissen mitreißen. Das gelingt ihr mit typischen Elementen des Nordic Thriller, spektakuläre Naturaufnahmen und rasante Verfolgungsjagden auf Skiern inklusive. Und Werner Heisenbergs Statement vor dem Uranverein ist ohnehin noch immer aktuell: „Mach dir keine Sorgen, wenn der Krieg der Wissenschaft hilft. Sondern wenn die Wissenschaft dem Krieg dient!“