"The Good Doctor" Freddie Highmore im Interview

In der neuen Serie von "Dr. House"-Schöpfer David Shore schlüpft Freddie Highmore in den Arztkittel eines autistischen Wundermediziners. Wir haben mit dem 25-jährigen Briten über seine doppelt herausfordernde Rolle gesprochen.

Die meisten werden Freddie Highmore als psychopathisches Muttersöhnchen in "Bates Motel" kennen. Doch mit "The Good Doctor" (ab 2. Januar auf Sky 1), in der er das autistische Chirurgen-Genie Dr. Shaun Murphy verkörpert, dürfte der 25-jährige Brite eine neue Paraderolle für sich kreiert haben. Dabei war das "Doktorspielen" in seiner eigenen Kindheit gar kein großes Thema...

Freddie Highmore über "The Good Doctor"

Darum geht's in "The Good Doctor"

Seit seiner Kindheit leidet Shaun Murphy (Freddie Highmore) am Savant-Syndrome. Mit seiner Inselbegabung, die sich in einem photographischen Gedächtnis und übermenschlich erscheinender Beobachtungsgabe niederschlägt, erwies sich Shaun in den Augen seines Mentors Dr. Aaron Glassman (Richard Schiff) als wie geschaffen für den Arztberuf. Als Klinikchef holt Glassman seinen promovierten Protegé an das renommierte St. Bonaventure Hospital in San Jose. Doch bis auf Dr. Claire Browne (Antonia Thomas) reagieren die neuen Kollegen und die Klinikleitung auf den genialen Jungmediziner, dem soziale Interaktion und Emotionen fremd sind, allergisch.

Originaltrailer zu "The Good Doctor" (Pay-TV-Start: 2.1.2018)

Freddie Highmore im Interview

GOLDENE KAMERA: Von "Bates Motel" zu "The Good Doctor" – warum haben Sie sich so schnell wieder für eine weitere TV-Serie entschieden?

FREDDIE HIGHMORE: Der Gedanke, Menschen zu retten statt sie zu ermorden, gefiel mir einfach. "The Good Doctor2 ist meine Wiedergutmachung (lacht).

Wie war Ihre Beziehung zur Medizin vor dieser Show?

Zum Glück war ich bisher immer relativ gesund und musste auch noch nie ins Krankenhaus. Ich habe mich gerade einer Augenlaserchirurgie unterzogen, aber das war nicht sehr traumatisch und gar nichts im Vergleich zu dem, was in "The Good Doctor" so abläuft (lacht).

Die Serie basiert auf einer gleichnamigen Fernsehserie aus Südkorea. Kannten Sie diese?

Ich hatte von ihr gehört, sie aber nie gesehen. Als ich diese Rolle angeboten bekam, habe ich für zehn Minuten in die südkoreanische Show reingeschaut, aber dann wieder abgeschaltet. Nicht, weil die Serie schlecht war, sondern weil ich meine Figur Shaun neu kreieren wollte statt die brillante Darbietung von jemand anderem nachzuahmen oder zu kopieren.

Originaltrailer zur südkoreanischen Vorlage zu "The Good Doctor"

Warum hielten Sie sich für den richtigen Mann für diesen Job? Warum wollten Sie Shaun spielen?

Ich bin sehr stolz auf diese Rolle. "The Good Doctor" hat eine bedeutende Handlung, und ich hoffe, dass wir mit dieser Show mehr Kenntnis über und Verständnis für Autismus und das Phänomen der Insebegabung wecken werden. Das größte Missverständnis ist, dass autistische Menschen keine Gefühle haben. Das stimmt absolut nicht. Sie können weinen und lachen wie wir alle. Aber sie reagieren einfach anders.

Sind Sie ein Fan von Ärzteserien wie "Dr. House", die ebenfalls aus der Feder von David Shore stammt?

Ich sitze nicht sehr oft vor dem Fernseher, aber ich mochte "Dr. House". Das Geheimnis hinter einer guten Krankenhausserie sind nicht die spektakulären OPs oder die atemberaubenden Rettungsaktionen, sondern die Geschichten hinter den Kulissen. Meine Lieblingsfolgen von "Dr. House" sind die, die in die Vergangenheit von Hugh Lauries Figur blicken und zeigen, wie er zu dem Menschen und Arzt wurde, der er ist. Wenn ich am Set von "The Good Doctor" bin, vergesse ich oft, dass es eine Ärzteshow ist, weil sich die meisten Szenen nicht um komplizierte Operationen drehen, sondern um das Leben eines Chirurgen.

Haben Sie als Vorbereitung für die Rolle ein Krankenhaus besucht und ein bisschen Arzt gespielt?

Nein, denn sie würden mich eh nichts machen lassen. Und das hat sicherlich auch seine guten Gründe. Denn ein Krankenhaus kann es verständlicherweise nicht erlauben, dass einfach jemand auftaucht und sich Patienten anschaut (lacht). Stattdessen habe ich sehr interessant Bücher wie "Um Leben und Tod: Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern" von Henry Marsh gelesen. Das gab mir sehr viel Aufschluss darüber, wie Ärzte und Chirurgen mit dem täglich Kampf um Leben und Tod umgehen. Denn wenn ein Arzt einen Fehler macht, kann das schreckliche und irreversible Konsequenzen haben.

Kann ein Arzt mit Autismus ein guter Arzt sein – ein "Good Doctor"?

Warum nicht? Wenn es brenzlig wird, hilft es einem Arzt sicherlich, wenn er seine Emotionen in Schach halten und einen kühlen Kopf bewahren kann. Es würde einem Patienten nichts nutzen, wenn der Arzt in Panik durch das Krankenhaus rennen und "Mein Patient stirbt!" schreien würde (lacht).

Interview: Anke Hofmann