Serien-Event der Woche: "Mosaic"

Mit dem Multimediaprojekt "Mosaic" untermauert Steven Soderbergh seinen Ruf als Hollywood-Pionier, in der Hauptrolle: "Basic Instinct"-Star Sharon Stone.

Arthouse oder Blockbuster? Für viele Filmemacher eine Grundsatzfrage, für Steven Soderbergh sind das Kate­gorien für Kleingeister. Seit seinem gefeierten Debüt "Sex, Lügen und Video" (1989) wechselt er virtuos zwischen Independentfilmen wie "Full Frontal" und Publikumhits wie "Erin Brockovich" und der "Ocean’s" Trilogie. Im Jahr 2013 verkündete er seinen Abschied als Kinoregisseur. Als er bereits 2016 zurückkam, merkte auch der Letzte, dass es in Soderberghs Schaffen nur eine Konstante gibt: den Wandel.

Originaltrailer zu "Mosaic" (Pay-TV-Start: 14.2.2018)

Sein neuestes Werk passt da ins Bild. Ent­wickelt hat Soderbergh (55) "Mosaic" (ab 14. Februar immer eine do. eine Doppelfolge um 20.50 Uhr, Sky Atlantic) als App: Innerhalb einer Krimistory entscheidet der Nutzer aktiv, welcher Figur und damit welcher Perspektive er folgen will. "Mehr als zwei Jahre arbeiteten wir nach Drehende am Schnitt", erklärt Soderbergh im Interview mit GOLDENE KAMERA. "Es war harte Arbeit, die interaktiven Momente so einzufügen, dass sie organisch wirken." Leider wird die App nicht in Deutschland erhältlich sein. Dafür hat Soderbergh "Mosaic" auch als lineare Serie für HBO inszeniert.

Darum geht's in "Mosaic"

Die Story ist dieselbe: die erfolgreiche Kinderbuchautorin Olivia (Sharon Stone) ver­schwindet zu Silvester und hinterlässt nur eine Blutspur. Ist ihr ihr Hang zu jungen Lovern zum Verhängnis geworden? Verdächtigt werden Olivias Verlobter Eric Neill (Frederick Weller), ein Zeichner und ein Gärtner. Der Schuldige ist schnell ermittelt. Doch vier Jahre später wird der mysteriöse Fall erneut aufgerollt.

Hintergrund

"Die TV­ Serie funktioniert unabhängig von der App", so Soderbergh. "Es gibt viele Szenen, die in der App gar nicht vorkommen." Innovativ ist das Multitalent (in vielen Filmen verantwortet Soderbergh auch Ka­mera, Schnitt und Skript) zudem in Sachen Vertrieb. Seinen Film "Bubble" startete er 2006 zeitgleich im Kino, TV und auf DVD.

Und als 2012 sämtliche Studios sein Kino­ Biopic "Liberace" mit Michael Douglas ab­lehnten, ging er zu HBO. Der Lohn: insge­samt elf Emmys – Rekord für einen TV­Film. Sein nächstes Projekt befasst sich mit den Enthüllungen der Panama Papers. Steuer­schlupflöcher als Filmthema? Gewagt. Mit anderen Worten: typisch Steven Soder­bergh.

GOKA-Wertung

Dieser Krimi setzt auf Neutralität – der Zuschauer soll nicht vorschnell beeinflusst werden. Nüchtern wird die Geschichte erzählt, es gibt kaum musikalische Untermalungen und genau das macht diese Serie so spannend.

Muss ich sehen, weil...

...Sharon Stone schon lange nicht mehr so gut war wie hier. Und weil Ausnahme-Filmemacher Steven Soderbergh selbst einer klassischer Whodunit-Story noch neue Facetten entlocken kann.

Für Fans von...

...spannenden, minutiösen Anatomien eines Verbrechens wie "The Night of" (2016) und Crimes-Storys, die auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen wie Soderberghs "Out of Sight" (1998).