Josefine Preuß: "Die 'Generation Millenials' weiß nicht, wohin mit sich"

Lach-Alarm! Mit der neuen Sitcom "Nix Festes" kehrt Josefine Preuß (32, "Türkisch für Anfänger") zurück zu ihren Humor-Wurzeln. Ein Interview über Millenials, Hipster und Polenwitze bei ARD und RTL.

In der vierteiligen Sitcom "Nix Festes" (ab dem 27. Februar, 22.45 Uhr, ZDF Neo) spielt Preuß die prinzipientreue, deshalb aber auch erfolglose, Autorin Wiebke, die mit drei Freunden in einem Altbau in Berlin Kreuzberg wohnt und Projekte anstößt, um sie gleich wieder zu verwerfen.

Trailer zu "Nix Festes"

Preuß' große Beliebtheit in der Filmbranche basiert wohl nicht nur auf ihrem großen Talent, sondern auch auf ihrem großen Charme. Im Gespräch mit GOLDENE KAMERA wirkt sie völlig natürlich, authentisch, sympathisch. Wir sprachen mit ihr über die "Generation Y" und "Berliner Kacklaune":

"Nix Festes": Josefine Preuß im Interview

Interview mit Josefine Preuß

Worum geht’s in Ihrer neuen Sitcom "Nix Festes"?

Grob gesagt um die so genannte "Generation Y" – also um vier junge Freunde, die in einem noch nicht-gentrifizierten Berliner Wohnhaus leben. Obwohl die Vier nicht unterschiedlicher sein könnten, haben sie alle haben eins gemeinsam: Sie wollen die Welt erobern, kriegen aber nichts gebacken. Deshalb auch der Titel: "Nix Festes"! Mal starten die Millenials ein neues Projekt, mal ziehen sie einen neuen Lover an Land, und mal verdienen sie ihr Geld mit abstrusen Jobs wie Hunde-Konditor.

Aber was ist die "Generation Y" überhaupt, zu der immerhin 22 Prozent der Deutschen gehören? Angeblich steht das "Y" ja für "Why" – und somit für das ständige Hinterfragen von allem …

Stimmt genau! Die "Millenials" sind jene Generation, die um die Jahrtausendwende geboren wurde. Es bezeichnet eine Generation, die nicht weiß, wohin mit sich auf dieser Welt. Meine Figur in der Sitcom – eine Urberlinerin namens Wiebke – passt perfekt in dieses Raster. Sie schimpft sich Autorin, ist aber mehr erfolglos als erfolgreich.

In der Serie wird Berlin als "Scheißstadt" betitelt, die "arm, aber sexy" sei. Ihre Meinung über die Hauptstadt?

Berlin bietet jedem andere Chancen. Für manche kann es alles sein, während sich andere dort total verloren fühlen.

Aber stimmt es wirklich, dass in Ihrer Generation jeder "sein Ding" macht?

Ja. Mittlerweile hat Berliner eine große, große Start-Up-Community. Viele haben "etwas am Laufen", aber niemand weiß, ob daraus etwas Festes wird. Die große Freiheit meiner Generation ist Fluch und Segen. Segen – weil man sich ausprobieren darf und muss. Aber zeitgleich auch Fluch, weil es ein Überangebot an Möglichkeiten gibt, und sich viele gar nicht für eine bestimmte Richtung entscheiden können.

In Ihrer Sitcom fällt – sinngemäß – folgender Satz: Die jungen Leute fliehen aus Käffern, wo sie ihre Cousinen heiraten müssten. Doch der Preis für das Leben in der Großstadt sind horrende Mieten, ein Konto in den roten Zahlen – und total verrückte Nebenjobs …

Mittlerweile gilt das für jede Großstadt! Inzwischen gibt's dermaßen verrückte Berufsbezeichnungen, dass man sich wirklich fragt, ob man noch in Deutschland ist. Hypes kommen und gehen, und was heute out ist, kann morgen hip sein.

Apropos hip: Wie finden Sie Hipster, und knutschen Sie lieber Kerle mit oder ohne Bart?

Das kommt auf die Länge des Bartes an. Wenn er bereits ein bisschen länger ist und wieder weich, dann gerne. Aber auf pieksende Stöpselbärte verzichte ich lieber.

In der Serie nennt Sie Ihr Ex-Lover "kleines Schildkrötchen". Ist das der bislang der kreativste Kosename Ihres Lebens?

Ja, und er ist total bezeichnend für meine Rolle – weil sich Wiebke, wenn sie schlechte Laune hat, viel zu schnell in ihr "Berliner Schildkrötenpanzerchen" zurückzieht. Einerseits hat sie oft eine typische "Berliner Kacklaune", aber andererseits – und das mag ich an ihr – sieht man Wiebke sofort an, wenn sie wirklich verletzt ist. Ihre Probleme macht sie mit sich selbst aus. Das ist auch "typisch Berlin".

In der Serie passt Wiebkes Autoren-Humor weder zur ARD (weil er zu viele Polenwitze habe) noch zu RTL (weil er zu wenig Polenwitze habe). Ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen wirklich zu trutschig und das Privatfernsehen zu prollig?

Nein, das ist alles bloß dramaturgisch zugespitzt. Die Sehgewohnheiten ändern sich ja gerade komplett! Meiner Generation ist es sowieso egal, wann Sendungen laufen – und bei welchem Sender. Denn wenn wir etwas sehen wollen, gucken wir es uns in den Online-Videotheken an.

Schlussfrage: Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Am 29. März startet "Verpiss dich, Schneewittchen" in den Kinos. Und im Herbst bzw. Winter läuft im ZDF der Mystery-Thriller "Schattengrund". Das ist eine Literaturverfilmung von Elisabeth Herrmann. Ich spiele eine junge Frau, die zurück in den Harz kehrt, weil sie dort ein Haus geerbt hat – doch das ganze Dorf begegnet ihr hasserfüllt, denn mit ihren Fragen droht sie in ein Wespennest zu stechen …