Serien-Event der Woche: Ist "Britannia" das neue "Game of Thrones"?

Keine Drachen, dafür Druiden und Drogen: So wild erzählt die neue Serie "Britannia" vom Kampf der Römer gegen die Kelten.

Es gab eine Regel im alten Rom zur Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus, die einem göttlichen Gesetz glich: Was Gaius Julius Cäsar will, bekommt er auch! Doch im Jahr 55. v. Chr. erhielten die Allmachtsfantasien des wohl berühmtesten aller römischen Kaiser einen herben Dämpfer: Cäsar musste eine seltene Niederlage verkraften. Dabei hatte er doch nur die britischen Inseln als nächstes Eroberungsziel auserkoren. Doch völlig überraschend konnten die Legionen der Weltmacht nicht siegen. Ein Jahr später wagte Cäsar einen zweiten Feldzug gegen die Kelten – ebenfalls erfolglos.

Trailer "Britannia"


Wieso scheiterte der mächtige Julius Cäsar an den unterlegenen Kelten? Was genau ist damals geschehen? Die historischen Fakten sind diesbezüglich lückenhaft. Ihre ganz eigene Antwort liefern nun Produzent James Richardson ("Monsters") und das Autoren-Brüderpaar Tom und Jez Butterworth ("Spectre") mit der Historienserie "Britannia" (23. Februar, 20.15 Uhr, Sky Atlantic). "Wir waren vor allem von der Idee fasziniert", verrät James Richardson im Interview mit GOLDENE KAMERA, "was passiert, wenn zwei verschiedene Systeme von Gottheiten aufeinanderprallen."

Darum geht's in "Britannia"

"Britannia" beginnt ein knappes Jahrhundert nach Cäsars erfolglosen Versuchen: Im Jahr 43 n. Chr. will General Aulus (David Morrissey, "The Walking Dead") mit 20000 Mann endlich Britannien für Rom erobern. Dabei geraten seine Legionen mitten in einen Krieg zwischen den keltischen Stämmen Cantii und Regni. Können Kriegerin Kerra (Kelly Reilly, "True Detective") und Königin Antedia (Zoë Wanamaker) angesichts der römischen Eindringlinge ihre Fehde beilegen?

Die wahren Strippenzieher in Britannien sind allerdings die rätselhaften Druiden, allen voran ihr Anführer Veran (Mackenzie Crook, "Fluch der Karibik"). Der entstellte Seher steht mit der Unterwelt in Kontakt und schafft es, selbst Römer in seinen Bann zu ziehen.

Hintergrund: "Star Wars im antiken Britannien"

Gedreht in Wales und Tschechien kann "Britannia" vor und hinter der Kamera mit weiteren bekannten Namen aufwarten. Mitproduzent ist Oscarpreisträger Sam Mendes ("American Beauty", "Skyfall"). Dazu kommt Producer Rick McCallum, der zuvor für drei "Star Wars"-Filme verantwortlich war. Und als Stammesführer Pellenor ist Ian McDiarmid zu sehen, den Zuschauer als fiesen Imperator ebenfalls aus "Star Wars" kennen. Ob die personellen Verbindungen zur weltberühmten Weltraumsaga zufällig sind? Angesichts des Ursprungs der "Britannia"-Idee wohl kaum.

Als ein "'Star Wars' im antiken Britannien" schlug James Richardson seine Serienidee dem britischen Sky-Sender vor. "Ich dachte, zu diesem Pitch kann ein Sender schlecht Nein sagen", verrät Richardson und lacht. "Die Römer als Im- perium, die Kelten als Rebellen und dazu die Druiden als Jedi."

Freie künstlerische Hand bei den Druiden

Die dünne Faktenlage der Epoche kam den Machern da eher zugute. "Als wir anfingen, sagte unser historischer Berater: 'Wir wissen ungefähr 40 Prozent von dem, was die Römer damals taten, und rund 20 Prozent von dem, was die Kelten machten. Aber darüber, was die Druiden getan haben, wissen wir null Prozent!' Das bedeutete in diesem Bereich völlige künstlerische Freiheit."

Und so unterscheiden sich die Druiden der Serie stark vom gängigen Klischee. Greise, ernste Männer mit weißen Zottelbärten und grauen Kapuzen? Nicht bei "Britannia". Optisch könnten die bleichen Schamanen auch aus einem "Mad Max"-Film stammen. "Unsere Druiden", erklärt James Richardson, "sind Politiker und Königsmacher. Gleichzeitig nehmen sie Drogen und kommunizieren mit dem Jenseits." Die unheimliche Macht der Druiden, so die These der Serie, könnte einst Cäsar in die Flucht geschlagen haben. Der charismatische Druide Veran etwa vollführt in Stonehenge-ähnlichen Ruinen mystische Rituale und ist der spirituelle Anführer. Die Serienmacher nennen ihn "eine Mischung aus Charles Manson und Mahatma Gandhi".

GOKA-Wertung

Düstere Mächte und krachende Schwertkämpfe in historischem Setting – auf den ersten Blick scheint sich "Britannia" im Fahrwasser von Erfolgen wie "Game of Thrones" oder "Vikings" zu bewegen; vor allem mit dem Megahit "Game of Thrones" wurde die Serie dann auch vor ihrem Start in Großbritannien verglichen. Produzent und Serienschöpfer James Richardson nimmt es absolut gelassen: "Jede neue Serie, die nur weit genug in der Vergangenheit spielt, wird derzeit mit 'Game of Thrones' verglichen. Ich denke, wer sich unsere Serie anschaut, merkt schnell, dass wir eine ganz eigene Welt erzählen." Mag sein. Dennoch sollten Fans von "Game of Thrones" – das 2018 bekanntlich eine TV-Pause einlegt – definitiv einen Blick riskieren. Zuschauer des preisgekrönten HBO-Fantasyepos dürften die starken Frauenfiguren in "Britannia" zu schätzen wissen.

Und von expliziter Gewalt lassen sie sich ohnehin nicht abschrecken. Dank der Drogenvisionen der Druiden wirkt "Britannia" letztlich aber um einiges anarchischer. Oder in den Worten von Produzent James Richardson: "Wenn 'Game of Thrones' Progressive Rock ist, dann ist 'Britannia' definitiv Punk." Kurzum: Ohne den Megaerfolg von "Game of Thrones" würde es "Britannia" wohl kaum geben. Trotz einiger Gemeinsamkeiten wird dieses Niveau (noch) nicht erreicht. Dennoch macht vor allem das spannende, unverbrauchte Setting "Britannia" für Genrefans sehenswert.

Muss ich sehen, weil...

...diese Druiden wirklich anders sind: Statt greiser Männer mit Zottelbärten und Kutten gibt es hier geisterhafte Schamanen, die sich gerne einem gepflegten Drogenrausch hingeben.

Für Fans von...

...themenverwandten Historienserien wie "Vikings". Auch Fans von "Game of Thrones" sollten einen Blick riskieren; schließlich geht die Schlacht um den Fantasykontinent Westeros erst 2019 im TV weiter.