Die Schlacht um Neapel beginnt: 3. Staffel "Gomorrha"

In Staffel drei (ab dem 6. März, 20.15 Uhr, Sky Atlantic) wagt sich "Gomorrha" auf neues Terrain: ins Zentrum von Neapel. Wir waren beim Dreh dabei.

Der Schauplatz: eine düstere, karge Spielhalle. Altmodische Automaten in den Ecken warten schon lange vergeblich auf Münzen. Die Szene: Der glatzköpfige Ciro (gespielt von Marco D’Amore) erklärt seinen Gangsterkollegen auf einer auf dem Billardtisch ausgebreiteten Karte das weitere Vorgehen.

Alles beim Alten bei "Gomorrha"?

Könnte man meinen. Doch etwas ist anders: Ciros Karte zeigt nicht die Vororte Neapels, in denen bisher bei "Gomorrha" der Drogenkrieg tobte. Nein, die Kreise, die Ciro gerade mit dem fetten roten Filzstift zieht, liegen mitten im Stadtzentrum der süditalienischen Metropole. Die Schlacht um Neapel hat begonnen.

GOLDENE KAMERA beobachtet den Dreh über einen Monitor im Nebenraum der Spielhölle, die in einer Seitenstraße des historischen Stadtkerns liegt. Welten entfernt scheinen hier die riesigen Hochhausgettos vorheriger Staffeln. Neue Kulisse der italienischen Crimeserie "Gomorrha" ist das hektische Herz Neapels: verwinkelte Gassen, in denen sich von Erdbeben beschädigte Häuser den knappen Platz mit prächtigen Palazzi und Kirchen teilen.

Darum geht's in der 3. Staffel "Gomorrha"

Staffel drei (ab dem 6. März, 20.15 Uhr, Sky Atlantic) startet dort, wo die vorherige Staffel endete: Don Pietro (Fortunato Cerlino) ist tot, brutal ermordet von seinem ehemaligen Gefolgsmann Ciro. Dieser hat seine Rache bekommen, ist aber ein gebrochener Mann – und er ist auf der Flucht. Ciros Verbündeter, Don Pietros Sohn Genny (Salvatore Esposito), versucht derweil, seine kriminellen Geschäfte in Rom und Neapel unter einen Hut zu bringen. Vor allem in Neapel droht Gefahr: Eine neue aggressive Gruppe um Enzo (Arturo Muselli) will den alteingesessenen Gangstern die Macht über die Stadt streitig machen.

"Die wichtigste neue Hauptfigur ist Neapel selbst", verrät Marco D’Amore im Interview, nachdem seine Szene abgedreht ist. "Das neue Ambiente verändert die Art, wie wir auf unsere Geschichte blicken." Sein Regisseur Claudio Cupellini ergänzt: "Wir wollten den Wandel Neapels einfangen. Die Kriminellen werden immer jünger und jünger – und sie fordern die etablierten Familienclans heraus."

Spannend ist die neue Figur Valerio (Loris De Luna) in "Gomorrha": ein gelangweilter Uni-Absolvent der Upperclass, den die Welt des Verbrechens magisch anzieht. Da geht es ihm wie vielen "Gomorrha"-Zuschauern. Der Erfolg steigt mit jeder Staffel; eine vierte ist sicher. Doch auch Kritik wird laut: "Gomorrha" verherrliche die Gangster. Hauptdarsteller D’Amore widerspricht: "Wir haben uns nie gescheut, die Grausamkeiten unserer Figuren zu zeigen. Bei uns gibt es keine Helden, aber auch keine Bösewichte – nur Menschen, die gar keine andere Art zu leben kennen."

So oder so: Auch echte Camorristi sind "Gomorrha"-Fans. "Die Camorra fühlt sich geehrt, dass eine Serie ihr Leben zeigt", glaubt Regisseur Cupellini. "Dabei hat jede Figur bei uns ein schreckliches Leben und steuert auf ein tragisches Ende zu. Ganz ehrlich: Gangster, die diese Serie lieben, haben sie nicht verstanden."