Serien-Event der Woche: "The Mechanism"

Der größte, milliardenschwere Korruptionsskandal der brasilianischen Geschichte als Krimiserie: Nach "Narcos" kommt jetzt "The Mechanism" auf Netflix.

Bereits mit der Serie "Narcos", in der die kolumbianische Geschichte des Drogenbaron Pablo Escobar aufgearbeitet wird, konnte Regisseur José Padilha eine riesige Fangemeinde auf Netflix finden. Jetzt hat er für den Streamingdienst erneut eine brisante Geschichte in Serienform gepresst: "The Mechanism" (ab 23. März auf Netflix) erzählt in acht Folgen die Entdeckung des größten Geldwäscheskandals aller Zeiten und ist die erste brasilianische Eigenproduktion von Netflix.

Trailer "The Mechanism"

Darum geht's in "The Mechanism"

Statt seinen Ruhestand zu genießen, ist der pensionierte Bundespolizist Marco Ruffo (Selton Mello) davon besessen, einen letzten Fall aufzuklären. Das Ziel seiner Untersuchungen: Roberto Ibrahim (Enrique Diaz), ein unmoralischer Krimineller, der Geldwäsche im großen Stil organisiert. Gemeinsam mit seinem Schützling Verena Cardoni (Carolina Abras) deckt Russo Machenschaften auf, die weite Kreise ziehen.

Niemand geringeres als der halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras, eine der größten Ölfirmen weltweit, scheint mit diversen Bauunternehmen und Politikern gemeinsame Sache zu machen. Die beiden zähen Ermittler stoßen auf den größten Geldwäscheskandal in der Geschichte Brasiliens.

Hintergrund

Über zwei Milliarden Dollar wurden mit "Operation Lavo Jato" erwirtschaftet - und als Schmiergeld an brasilianische und andere lateinamerikanische Politiker gezahlt. Der Name basiert auf einem Autowaschsalon, der dem Korruptions-Kartell zu Beginn dieses Jahrzehnts die Geldwäsche ermöglichte. Involviert waren so viele Personen, dass es zum bislang größten Prozess in Brasilien reichte - der bis heute anhält und sogar die Mächtigsten wie die ehemalige brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff ins Visier nahm. Bis September 2016 gab es 1397 Gerichtsverfahren, 174 Personen sitzen im Gefängnis und 16 Unternehmen sind involviert.

Ein Korruptionsskandal, der die viertgrößte Demokratie der Welt gefährdet. Klar, dass sich Regisseur José Padilha ("Narcos", "Tropa de Elite", "Elite Squad 2 – Im Sumpf der Korruption", "RoboCop") als Brasilianer diesen Stoff annimmt: "Brasilien ist sehr interessant als Fallstudie, in dem Sinne, dass die Korruption nicht in der Politik ist", sagte er gegenüber der New York Times. "Die Korruption ist die Politik."

Seit Padilha angefangen hat den Fall aufzurollen, hat die Realität die Serie eingeholt und neue Erkenntnisse kamen ans Licht. Letztes Jahr wurde eine erneute Liste von 108 Politiker veröffentlicht, gegen die ermittelt wird. Klar, dass es da noch genug Stoff für weitere Staffeln gibt. Und wer jetzt glaubt, dass Brasilien weit weg ist, sollte sich die Zahlen von Transparency International anschauen, da liegt Deutschland im weltweiten Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) auf Rang 12!

GOKA-Wertung

Wer Fan von "Narcos" war, wird sicher auch die Serie streamen, aber sie dürfte auch neue Fans gewinnen. Und auch selbst wenn der Zusatz auf "wahren Begebenheiten beruhend" nur lose für bare Münze genommen werden darf, reizt der Plot – denn der Skandal ist real und damit allerfeinster Serienstoff. Der Zuschauer taucht in die Geschichte Brasiliens ein, bekommt die politischen Zusammenhänge erklärt und wird aufgrund der schockierenden Machenschaften entsetzt sein. Hauptdarstellerin Caroline Abras sagt: "Menschen auf der ganzen Welt werden verstehen, was hier vor sich geht."

Großstadttrubel in Sao Paulo, Rio de Janeiro, Curitiba und Brasilia, dazu traumhafte Strände – eine schönere und zugleich spannendere Kulisse gibt es selten.

Muss ich sehen, weil...

...Korruption von Sarkozy bis zur Berliner Polizei leider aktueller denn je ist.

Für Fans von...

..."The Wire" (2002), "City of Men" (2007) und "Narcos" (2015)