Deutsche Serien mit internationalen Wurzeln

Besser gut kopiert als schlecht erfunden? Wir präsentieren 15 deutsche TV-Produktionen, bei denen es sich um mal mehr und mal weniger erfolgreiche Remakes ausländischer Serien-Hits handelt.

Als dieser Tage bekannt gegeben wurde, dass sich SAT.1 die Remake-Rechte an der holländischen Sitcom-Sensation "De Luizenmoeder" gesichert hat, klang das in der PR-Sprache von Geschäftsführer Kaspar Pflüger so: "'De Luizenmoeder' ist einmalig und hat sich völlig zurecht in die Herzen der Zuschauer gespielt. Die Serie ist politisch herrlich inkorrekt, sehr dreist, aber dabei immer stilsicher - und ganz nah am Leben. Wir sehen es als besonderes Privileg, dass wir uns die Rechte an der Adaption dieses Serien-Juwels sichern konnten."

Doch aus der seit Anfang des Jahres extrem erfolgreich in Holland laufenden Serie, in der es die titelgebende "Läusemutter" Hannah an der neuen Schule ihrer Tochter mit komplett durchgeknallten Erwachsenen zu tun bekommt, für den deutschen Markt zu adaptieren, ist bei weitem kein außergewöhnlicher Coup. Es handelt sich vielmehr um eine Praxis, die im deutschen Fernsehbetrieb schon lange Usus ist...

Die Anfänge deutscher Serien-Remakes

Die Anfänge reichen zurück bis ins Jahr 1973, als Autor Wolfgang Menge "Ekel Alfred" von der Kette ließ. Denn so einmalig Heinz Schubert in seiner kultigen Paraderolle als reaktionär-chauvinistischer Wutbürger Alfred Tetzlaff im Dauerkonflikt mit seiner Frau Else (Elisabeth Wiedemann), Tochter Rita (Hildegard Krekel) und Sozi-Schwiegersohn Michael (Dieter Krebs) auch gewesen sein mag...

Ein Herz und eine Seele: "Sylvesterpunsch"

Bei "Ein Herz und eine Seele" handelt es sich doch nur um die Adaption der von 1965 bis 1975 produzierten BBC-Sitcom "Till Death Us Do Part", die zuvor unter dem Titel "Bis dass der Tod euch scheidet" vom WDR ausgestrahlt worden war und in der Warren Mitchell das "Ekel Alfred"-Original Alf Garnett verkörperte...

Originalclip aus BBC-Serie "Bis dass der Tod euch scheidet" (1965-1975)

Deutsche Serien-Remakes: Tops und Flops

Seitdem haben Remakes internationaler Serien-Hits immer wieder auch im deutschen Fernsehen aufgetrumpft. So sorgte von 1997 bis 2010 "Hinter Gittern – Der Frauenknast" als Adaption der australischen Serie "Prisoner: Cell Block H" mit dem Seifenoper-Alltag einer Gruppe weiblicher Gefängnisinsassen für Traumquoten. Christoph Maria Herbst überflügelte als "Stromberg" mit 5 Staffeln und einem Kinofilm das britische Vorbild "The Office" mit Ricky Gervais, der es nur auf 2 Staffeln und 2 TV-Specials brachte. Und die mit Preisen überhäufte VOX-Serie "Club der roten Bänder" setzt dem Erfolg der spanischen Originalserie "Polseres vermelles" die Krone auf, wenn sie am 14. Februar 2019 mit einem Spielfilm-Prequel auch im Kino für Furore sorgen wird...

Dass sich internationale TV-Erfolgsformeln nicht immer Eins-zu-eins umsetzen lassen, musste RTL im Jahr 2013 feststellen. Der Versuch, mit Diane Amft in "Christine: Perfekt war gestern!" und Inez Bjørg David in "Doc meets Dorf" an die amerikanischen Quotenerfolge von Julia Louis-Dreyfus in "The New Adventures of Old Christine" bzw. Rachel Bilson in "Hart of Dixie" anzuknüpfen, ging nach hinten los. Beide Remake-Formate wurden nach nur einer Staffel wieder eingestellt.

Der inspirierte Serientäter: Bastian Pastewka

Gerade im Bereich humoriger Vorlagen hat es sich daher als sinnvoll erwiesen, ausländische Serien-Hits nicht schlicht zu kopieren, sondern sich von ihnen inspirieren zu lassen und daraus etwas eigenes zu kreieren. Vorreiter in dieser kreativen Disziplin ist Comedian und Fernsehexperte Bastian Pastewka, der mit "Pastewka" höchst erfolgreich auf den Spuren von "Seinfeld"-Erfinder Larry David und seiner fiktiven Ego-Show "Lass es, Larry!" wandelt. Und mit seiner deutschen "Breaking Bad"-Variante "Morgen hör ich auf" sogar die GOLDENE KAMERA 2017 in der Rubrik "Bester Mehrteiler/Miniserie" gewann...

Deutsche Serien-Exporte

Natürlich ist das internationale Remake-Geschäft auch in Seriengefilden keine Einbahnstraße. So wurde die extrem erfolgreiche US-Adaption "Ugly Betty" der kolumbianischen Telenovela "Yo soy Betty, la fea" (zu deutsch: "Ich bin Betty, die Hässlette") 2007 erst in Angriff genommen, als die zwei Jahre zuvor gestartete deutsche Version "Verliebt in Berlin" mit Alexandra Neldel für Quotenaufsehen gesorgt hatte.

Und Maximilian Brückner muss als korrupter Chaos-Bürgermeister in "Hindafing" so viel Eindruck gemacht haben, dass sich die amerikanische Firma Fox 21 Television Studios vor wenigen Wochen die Remake-Rechte gesichert hat. Die schwarzhumorige Provinz-Posse segelte ihrerseits bereits im "Fargo"-Fahrwasser und scheint bald als US-Adaption in das Mutterland des Qualitätserien-Booms zurückkehren.

Bildergalerie: Die deutschen Serien-Remakes im Überblick

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