"Weissensee" geht in die 4. Staffel

Wer nach 40 Jahren DDR zu den Gewinnern gehörte, wer zu den Verlierern, das erzählt die 4. Staffel der packenden Ostberliner Familiensage "Weissensee" (ab dem 8. Mai in Doppelfolgen im Ersten).

Der Schrei erschüttert bis ins Mark. Verzweifelt zerrt Falk Kupfer (Jörg Hartmann, der für diese Rolle 2016 die GOLDENE KAMERA erhielt) am Rollstuhl. An ihn ist er gefesselt, seit Dunja (Katrin Sass), die Exgeliebte seines Vaters, auf ihn schoss. Das war 2015, zum Ende der dritten Staffel von "Weissensee". Jetzt endlich kommt die Fortsetzung der preisgekrönten Ausnahmeserie. An drei Abenden (8., 9. und 10. Mai 2018, jeweils in Doppelfolgen ab 20.15 Uhr, Das Erste) wird die Geschichte des zerstrittenen Ostberliner Kupfer-Clans weitererzählt.

Darum geht's in der 4. Staffel "Weissensee"

Wieder geht es um gesellschaftliche Verstrickungen, Liebe und Verrat, wobei alle sowohl Täter als auch Opfer sind. Diese sechs neuen Folgen spielen kurz nach der Maueröffnung, von Frühjahr bis Herbst 1990. Eine Zeit, in der beinahe täglich Weltgeschichte geschrieben wurde: In der DDR finden die ersten freien Wahlen statt, die Treuhand wird gegründet, die Währungsunion eingeführt. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl verspricht "blühende Landschaften".

Analog zu den damaligen Verwerfungen hat jede seiner Serienfiguren ein anderes Päckchen zu tragen. Obwohl Falk im Rollstuhl sitzt, wird er von einem westlichen Versicherungskonzern angeworben: Sein Stasiwissen ist für die neuen Herren Gold wert. Falks Bruder Martin (Florian Lukas) hat seinen Idealismus nicht verloren und versucht, seinen Möbelbetrieb in basisdemokratischer Selbstverwaltung zu retten.

Martins Freundin, Westjournalistin Katja (Lisa Wagner, GOLDENE KAMERA 2017), spürt alten und neuen Seilschaften nach. Vater Hans Kupfer (Uwe Kockisch) offenbart sich ihr, weil er sich die Aufarbeitung des alten Unrechtsregimes wünscht. Seine Frau Marlene (Ruth Reinecke) jedoch fürchtet die Zukunft und hilft aktiv mit, das Vermögen der SED zu verstecken. Vera (Anna Loos, GOLDENE KAMERA 2011), Falks Exfrau und Aktivistin der Bürgerbewegung, steigt nach deren Wahlniederlage bei der Treuhand ein.

Im Sommer 1990

Eine Periode, die bis heute nachwirkt – laut Regisseur Friedemann Fromm aber immer noch unterschätzt wird: "Die Zusammenführung war beispiellos in der Geschichte. Zu glauben, dass heute alles glattgebügelt sei, ist ein fataler Irrtum. Alles, was wir heute erleben, ob Pegida oder die Unzufriedenheit, die sich im Osten verstärkt, zeigt: Die Wurzeln dafür liegen genau in diesem Sommer 1990." Den Vorwurf, die Serie sei auch eine Art "Volkshochschul-TV", nimmt Fromm gelassen: "'Weissensee' hat immer versucht, DDR-Geschichte lebendig zu machen. Das passt perfekt zusammen."

Die Schauspielerriege

Von den Hauptdarstellern sind fast alle von Anfang an dabei. Selbst die Vielbeschäftigten unter ihnen schaufeln sich die Zeit dafür frei, etwa "Tatort"-Star Jörg Hartmann, Anna Loos oder Florian Lukas, der bekennt: "'Weissensee' ordnet sich alles unter." Nur Katrin Sass alias Dunja Hausmann fehlt. "Sie hatte das Gefühl, dass die Rolle ihr nicht mehr gerecht wird. Da sind wir uns leider nicht einig geworden", sagt Fromm. Eine größere, starke Rolle spielt dafür Anna Loos als Vera. Der TV-Star, der 1988 als 17-Jährige über Ungarn aus der DDR floh, findet "es richtig zu zeigen, dass nicht jeder glücklich über den Zusammenbruch war. Für die Generation meiner Eltern war es am härtesten."

Wer nach 40 Jahren DDR zu den Gewinnern gehörte, wer zu den Verlierern, das erzählt "Weissensee" packend. Zeitgleich zum Serienstart gibt es die Webserie zur 4. Staffel "Weissensee", in der Görlitz in ein Liebeschaos gerät.