"Three Girls": Miniserie über Kindesmissbrauch

"Three Girls" basiert auf einem wahren Missbrauch-Skandal: Im britischen Rochdale wurden jahrelang mehrere Mädchen von einer Gang sexuell missbraucht. Den Opfern glaubte die Polizei lange nicht.

Es ist eine tragische Geschichte, die die BBC mit "Three Girls" in drei 50-minütigen Episoden verfilmt hat: Im britischen Rochdale, einem Vorstadtviertel von Manchester, brachte eine kriminelle Gang seit 2003 junge Mädchen in ihre Gewalt, vergewaltigte sie und zwang sie zur Prostitution. Erst im Mai 2012 wurden die Männer wegen Vergewaltigung verurteilt. Viel früher hat eines der Mädchen der Polizei den Missbrauch angezeigt, aber die gingen dem Verdacht nicht weiter nach. Arte zeigt alle drei Folgen hintereinander am 14. Juni, ab 20.15 Uhr.

Trailer zu "Three Girls" (OV)

Darum geht's in "Three Girls"

Die 15-jährige Holly (Molly Windsor) zieht mit ihren Eltern nach Rochdale. Sie ist ein typischer Teenager: sie fühlt sich alleingelasse und als Außenseiterin. Als sie einen Freund aus ihrer Klasse kennenlernt und ihn Zuhause besucht, trifft sie auf die Schwestern Amber (Ria Zmitrowicz) und Ruby (Liv Hill). Mit ihnen zieht sie durch die Stadt - von einem Imbiss zum anderen. Dort werden sie wie Königinnen behandelt, bekommen Essen und Alkohol geschenkt, werden rumkutschiert und haben Spaß. In diesem Umfeld lernt Holly Ambers älteren pakistanischen Freund Tariq (Wasim Zakir) und den viel älteren Imbissbesitzer Daddy (Simon Nagra) kennen.

Als Holly mal wieder betrunken nach Hause kommt und aggressiv wird, wirft ihr Vater sie raus. Zunächst erscheint Holly das Leben bei ihren Freundinnen ohne die Bevormundung der Eltern perfekt. Ihre Nachmittage füllen sie mit Partys in Daddys Imbiss. Doch bald fordert er Sex als Gegenleistung für seine Großzügigkeit. Als sich Holly weigert, vergewaltigt er sie - und zwingt sie sogar zur Prostitution. "Du bist jetzt meine Nutte. Und wenn du mir Stress machst, bringe ich dich um."

Nachdem Daddy Holly erneut vergewaltigt, rastet sie aus und randaliert in seinem Imbiss. Erst als die Polizei sie als vermeintliche Ladendiebin verhört, fängt sie zögerlich an zu reden. Daddy wird verhaftet, kommt aber auf Kaution frei und droht Holly: Wenn sie bei ihrer Geschichte bliebe, würde er sie umbringen, das Haus ihrer Eltern niederbrennen und sich um ihre Schwestern kümmern. Völlig verängstigt traut sie Tariq, der sie angeblich beschützen will - und dann doch nur wieder an Männer weiterreicht. Einzig die Sexualberaterin im Präventionszentrum Sara (Maxine Peake) kämpft für die Mädchen. Vergeblich versucht sie, die zuständigen Behörden zu alarmieren. Doch weder Polizei noch Sozialdienste schenken ihr Glauben. Stark traumatisiert versuchen die Mädchen, mit den Folgen des Missbrauchs umzugehen - unter anderem damit, dass sie alle drei von ihren Peinigern schwanger geworden sind.

Hintergrund

Drehbuchautorin Nicole Taylor ist mit einem journalistischen Anspruch an dieses Thema gegangen. Sie sprach mit den Opfern und deren Angehörigen und recherchierte die Fakten zum Rochdale-Skandal. So ist mit "Three Girls" eine Miniserie entstanden, die sich den wahren Begebenheiten aus der Opferperspektive annimmt. Diese Miniserie hat den Mut, den Horror des Missbrauchs ultrarealistisch zu zeigen. Zudem wird hier nicht an Kritik an den Behörden gespart. Schließlich haben die Fehler bei den polizeilichen Ermittlungen dazu geführt, dass einer der schwersten Kindesmissbrauchfälle auf der Insel lange unbeachtet blieb. Gleichzeitig zollt "Three Girls" auch der einzigen Person, die den Mädchen hilft und eine Stimme gibt, Respekt: Der Sozialarbeiterin Sara. Denn ihr ist es zu verdanken, dass schließlich die Behörden handeln.

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