Neuer Krimistoff aus Schweden: "Midnight Sun" ist nichts für schwache Nerven

Brutale Mordserie im Mittsommer! Die Macher von "Die Brücke" melden sich mit dem düsteren Krimidrama "Midnight Sun" zurück.

Das goldene Zeitalter der Serien reißt nicht ab. Nur werden die großen Hits nicht mehr ausschließlich in den USA erdacht und produziert, für die Krimifans lohnt sich schon lange der Blick nach Skandinavien. Vor allem wer es schonungslos und finster mag, kommt an Serien aus Schweden, Norwegen oder Dänemark nicht vorbei. Nordic noir, wie das Genre in Fachkreisen genannt wird, zeichnet sich durch seine Realitätsnähe, einen Hauch Gesellschaftskritik und die für Stoffe aus dem hohen Norden so typische beklemmende Düsternis aus.

Eines der Prestigestücke des Genres ist bis heute "Die Brücke". Von deren Schöpfern, Björn Stein und Måns Mårlind, gibt es jetzt Nachschub: "Midnight Sun" war schon 2016 in Schweden ein Erfolg, die Serie holte dort mit der ersten Folge sogar mehr Zuschauer als einst "Die Brücke" zum Auftakt. Ab dem 27. Mai, 22.00 Uhr, zeigt das ZDF die erste schwedisch-französische Co-Produktion in vier rund 100-minütigen Folgen erstmals auch in Deutschland.

Trailer zu "Midnight Sun"

Darum geht's in "Midnight Sun"

Der bestialische Mord an einem Franzosen im nordschwedischen Kiruna steht am Anfang der Geschichte. Und die erste Szene gibt gleich die Marschrichtung der gesamten Serie vor: Das Opfer wurde lebendig an die Rotorblätter eines Hubschraubers gefesselt, die sich langsam, aber sicher zu drehen beginnen. Wie das ausgeht, kann man sich vorstellen – oder in ziemlich expliziten Bildern angucken.

Um den rätselhaften Mord ihres Landsmannes aufzuklären, reist die Pariser Polizistin Kahina Zadi (Leïla Bekhti) nach Kiruna. Gemeinsam mit ihrem schwedischen Kollegen, dem Staatsanwalt Anders Harnesk (Gustaf Hammarsten), und Chefankläger Rutger Burlin (Kinostar Peter Stormare) beginnt sie, in dem Fall zu ermitteln. Doch schon bald bekommen Kahina und Anders es mit einer ganzen Mordserie zu tun. Ob nackt den Wölfen zum Fraß vorgeworfen oder ein meterlanger Dolch in der Brust – die Leichen sind brutal zugerichtet. Wie es scheint, sind eine Reihe von Menschen aus Kiruna und Umgebung in ein Verbrechen verwickelt, das ein Jahr zurückliegt. Bis heute haben sie geschwiegen, und jetzt taucht ein unbekannter Rächer auf, der sie für immer verstummen lässt.

Was die mysteriösen Fälle miteinander verbindet: Sie alle weisen auf traditionelle Rituale der Samen hin, eines indigenen Volkes, das u. a. im Norden Schwedens beheimatet ist. Anders Harnesk ist Halbsame, was die Ermittlungen für ihn zur persönlichen Sache macht. Aber auch Kahina Zadi wird von einer dunklen Vergangenheit eingeholt.

Hintergrund

Die Konfrontation mit der eigenen Historie ist ebenso zentrales Thema wie Herkunft und ethnische Diversität. "Midnight Sun" zeigt damit auch eine wenig bekannte Seite Schwedens – das Schweden der Samen. Die Ureinwohner Lapplands sind das bisher einzige in Europa anerkannte indigene Volk und dennoch ein in Vergessenheit geratener Teil der nordeuropäischen Geschichte. Aufmerksamkeit wird ihnen kaum geschenkt und noch immer haben sie mit Vorurteilen zu kämpfen. Das soll sich ändern, und so wird in der Serie ein sehr realistisches Bild dieser ethnischen Minderheit gezeichnet, sogar Schauspieler sind teils samischer Herkunft.

GOKA-Wertung

Die Angst vor dem Unbekannten und Probleme mit Rassismus beschäftigen auch außerhalb Schwedens viele Gesellschaften, damit ist die Geschichte trotz ihres konkreten lokalen Bezugs zugleich universell. Aber neben der Aktualität hat "Midnight Sun" noch mehr der Zutaten zu bieten, die Fans skandinavischer Serien schätzen: Zum einen die exzessive Darstellung von Brutalität und Verbrechen, zum anderen – quasi als Kontrast – tolle Bilder von eindrucksvollen Schauplätzen. Das macht dann auch die Verworrenheit einiger Handlungsstränge wett, die den Zuschauer zwischendurch etwas ratlos zurücklassen. Ein weiterer großer Pluspunkt: Das ewige Licht der titelgebenden Mitternachtssonne ändert nichts an der düsteren Stimmung, die in jeder Folge so bedrohlich mitschwingt.