Benedict Cumberbatch: "Es war mir wichtig, die Drogen korrekt darzustellen"

Benedict Cumberbatch (41) mit GOLDENE KAMERA-Redakteurin Anke Hofmann.
Benedict Cumberbatch (41) mit GOLDENE KAMERA-Redakteurin Anke Hofmann.
In der Serie "Patrick Melrose" zeigt sich der Star als Drogenwrack aus der Upperclass von der kaputtesten Seite. GOLDENE KAMERA traf Cumberbatch zum Interview.

Was für ein Mann! GOLDENE KAMERA-Redakteurin Anke Hofmann traf Benedict Cumberbatch zum Interview zu seiner neuen Serie "Patrick Melrose" (Dienstag, 29. Mai, 20.15 Uhr, Sky 1).

Was können Sie uns über "Patrick Melrose" verraten?

Die Serie ist eine unglaubliche Geschichte über einen außerordentlichen Menschen. Es ist kein Geheimnis, dass die Figur Patrick Melrose das Alter Ego von Autor Edward St. Aubyn ist und seiner eigenen Lebensgeschichte ähnelt: über einen Jungen, der in sehr privilegierten Verhältnissen aufgewachsen ist und von seinem Vater jahrelang hinter geschlossenen Türen sexuell missbraucht wurde. Die Serie beginnt mit Patrick in seinen 20ern als Heroinsüchtiger und extremer Chaot, der kurz davor steht, seinen Verstand und sein Leben zu verlieren. Er kommt nach New York, um die Asche seines verstorbenen Vaters abzuholen. In der dritten Folge beginnt er, mit seinem Leben aufzuräumen und gegen seine Sucht zu kämpfen. In der vierten Folge zeigen wir ihn als Ehemann und Vater, der versucht, auf dem rechten Pfad zu bleiben, aber durch seine komplizierte und gespannte Beziehung mit seiner Mutter immer wieder scheitert. Und in der fünften und letzten Folge spitzt sich alles zu. Während der Totenwache und Beerdigung seiner Mutter gelingt es ihm endlich, wer er war, ist und sein möchte unter einen Hut zu bringen, um sich von Opfer zum Überlebenden zu entwickeln.

Trailer: "Patrick Melrose"

Das klingt nach einer extrem psychologisch schmerzhaften Rolle. Quälen Sie sich gerne mit dem Darstellen dieser Figuren? Und wie sehr sind Sie selbst an Psychologie interessiert?

Nein, ich habe kein Interesse daran, mich selbst zu quälen. Was mich an dem Leiden einer Figuren fasziniert, ist genau das Gegenteil: dass meine eigenen Lebenserfahrungen dankenswerterweise sehr von der meiner Rollen entfernt sind. Und es gehört zu dem Job eines Schauspielers, an Psychologie interessiert zu sein. Mein Wissen darüber, was Menschen bewegt und motiviert ist allerdings noch sehr unreif. Ich lerne immer noch dazu und habe nicht alle Antworten parat. Und diese Rollen inspirieren mich selbst, zu einem besseren und aufrichtigerem Menschen zu werden, was immer das bedeuten mag.

Hat diese dunkle Rolle trotzdem Spaß gemacht?

Patrick Melrose ist eine Rolle, die das Schauspielerherz höher schlagen lässt. Die Serie zeigt die schreckliche Erlebnisse in seiner Kindheit, wie er sich als selbstzerstörerischer Suchtkranke fast umbringt, seine Erfolge und Misserfolge auf dem Weg der Ausnüchterung, und wie er als Ehemann und Vater sein Leben endlich in den Griff bekommt. Und all das ist dann auch noch verdammt lustig!

Wie haben Sie sich auf die Drogenszenen vorbereitet? Wohl nicht etwa durch Ausprobieren?

Es war mir sehr wichtig, all die unterschiedlichen Drogen korrekt und realistisch darzustellen, obwohl ich sie selber noch nie genommen habe. Teddy (Autor Edward St. Aubyn) war eine große Hilfe für mich, und wir hatten ein fantastisches Beratungsehepaar: Cheryl und Russell. Sie haben mich nicht nur über die Ursachen von Sucht aufgeklärt, sondern auch wie jegliche Droge den Körper und die Psyche beeinflusst. Und wie man sie anwendet – ob schnupfend oder spritzend oder schluckend.

Was hilft Ihnen, wenn Sie mal ganz tief unten stecken? Und sind Sie nach den schönen Dingen im Leben süchtig, wie etwa Schokolade oder Eiscreme?

Meditieren, tanzen, Spaß haben - all diese Dinge helfen gegen die dunklen Momente im Leben. Und in der allergrößten Not muss es eben "The Simpsons" sein. Aber zum Glück bin ich nach Nichts süchtig – oder leider? Als Kind habe ich nie etwas gesammelt, und ich war nie Fan eines Fußballclubs oder abhängig von einer bestimmten Fernsehserie. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mir den wahren Spaß im Leben entgehen lasse.

Im Fernsehen sind Sie auch in der ikonischen Rolle des Sherlock Holmes zu sehen, und im Kino stellen Sie Dr. Strange dar. Sie sind also in beiden Medien zu Hause. Wie ungewöhnlich ist das heutzutage für einen Star?

Es gibt viele Filmstars, die auch auf dem kleinen Bildschirm zu Hause sind oder fantastische Darbietungen im TV Medium gegebenen haben. Das Verhältnis zwischen Schauspieler und Zuschauer ist mit einer Serie wesentlich intimer und unmittelbarer als mit einem Kinofilm. Und die Handlung eineszweistündigen Films kann nicht so viel erzählen wie eine Serie oder Mini-Serie, es sei denn man arbeitet an "Herr der Ringe,“ wo es einen Kino-Teil nach dem anderen gibt.