"Three Girls": Ein unerhörtes Verbrechen

Die Miniserie "Three Girls" schildert den organisierten Missbrauch von Minderjährigen in England – nach realen Ereignissen.

Miniserie nach einem wahren Fall

Eine triste Wohnsiedlung in der britischen Industriestadt Rochdale. Der Schnellimbiss "Top Curry" ist hier der einzige Treffpunkt für gelangweilte, frustrierte Jugendliche. Nein, das Leben der 15-jährigen Holly (Molly Windsor) ist alles andere als schön.

Trailer zu "Three Girls" (OV)

Richtig hässlich wird es allerdings erst, als die Minderjährige gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen Amber (Ria Zmitrowicz) und Ruby (Liv Hill) sexuell missbraucht wird. Denn die pakistanischen Betreiber des Restaurants "Top Curry" um den vermeintlich netten "Daddy" (Simon Nagra) spendieren den Mädchen nicht umsonst sehr großzügig Wodka und Zigaretten. Als Gegenleistung fordern sie schon bald Sex. Es ist der Beginn eines Albtraums: Zuerst werden die Mädchen vergewaltigt, dann zur Prostitution gezwungen, später von einer Männergruppe zur nächsten weitergereicht. Erst als alle schwanger werden, rollt eine Sonderkommission den Fall auf.

Die Miniserie "Three Girls", die nun auf Arte startet (alle drei Folgen am 14. Juni, ab 20.15 Uhr), ist nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven. Regisseurin Philippa Lowthorpe erzählt drastisch und schonungslos, was sich zwischen 1997 und 2013 tatsächlich im nordenglischen Rotherham und im 50 Kilometer entfernten Rochdale ereignete. Damals wurden 1400 Mädchen und Jungen über Jahre hinweg sexuell missbraucht. Weder ihre Eltern noch die Polizei oder lokale Politiker glaubten die Geschichten der Betroffenen.

Warum versagten die Institutionen?

Regisseurin Lowthorphe erklärt: "Erst durch Recherchen der renommierten Tageszeitung 'The Times' wurde das ganze Ausmaß bekannt. Zuvor versagte die Polizei systematisch, und auch die Jugendämter fühlten sich nicht zuständig, weil sich der Missbrauch nicht innerhalb der eigenen Familien zutrug. Dabei wurden die betroffenen Heranwachsenden nicht nur ohne Kondom penetriert, der Missbrauch wurde auch gefilmt und die Filme dann ins Internet gestellt. Wer darüber auspacken wollte, erhielt Morddrohungen!"

Im Nachhinein scheint es kaum nachvollziehbar, wie es möglich war, mehr als 16 Jahre lang Verbrechen eines solchen Ausmaßes zu begehen, ohne entdeckt zu werden. Doch Regisseurin Philippa Lowthorpe beteuert, sie und ihr Team hätten penibel recherchiert: "Unsere Geschichte ist absolut authentisch. Natürlich mussten wir manches dramaturgisch verdichten, aber die Methoden des Missbrauchs wie auch die manipulativen Einschüchterungsversuche und die Todesdrohungen basieren auf Recherchen und Gesprächen mit den Betroffenen. Und ja, auch das Kartell des Schweigens existierte wirklich." Die verantwortlichen Institutionen hätten wohl auch deshalb lange weggschaut, weil sie nicht als rassistisch erscheinen wollten.

Nun hat Philippa Lowthorpe nur noch ein Anliegen: "Ich will die Gesellschaft sensibilisieren, damit sich derart Schreckliches niemals wiederholt!"