Star der Woche: Billy Bob Thornton

Egal, ob als böser Weihnachtsmann, NASA-Chef oder geistig behinderter Mörder – unser Star der Woche überzeugt. Jetzt schlüpft der Mann mit dem Dackelblick wieder in die Anwaltsrobe und bestellt Whiskey.

Was für ein Charakterdarsteller! Unabhängig davon, ob es Komödie ("Bad Santa"), Film Noir ("The Man who wasn't there"), Independantfilm ("Monster's Ball), Mainstream ("Armageddon") oder Serie ("Fargo") ist – Billy Bob Thornton überzeugt in jedem Genre. Er ist einfach kein 08/15-Schauspieler. Ab dem 15. Juni präsentiert er sich wieder in der Rolle, für die er sogar den Golden Globe erhielt: als Anwalt Billy McBride im Amazon-Original "Goliath" (alle Folgen der neuen 2. Staffel im Streaming Angebot von Amazon Prime).

Trailer: "Goliath - 2. Staffel"

Schäbiges Motelzimmer statt schicker Kanzlei, Whiskeyglas statt Gesetzestexte und als Assistentin eine Ex-Prostituierte: Nach der erfolgreichen ersten Staffel mussten die Fans knapp zwei Jahre auf die Fortsetzung von "Goliath" warten. Der Grund: Hauptdarsteller Billy Bob Thornton war unzufrieden mit dem Pilotfilm der 2. Staffel. Produzenten wurden erneut ausgetauscht, Bücher um geschrieben und nun geht es endlich weiter.

Arm, glücklich aber fast gestorben – der Anfang von Thorntons Karriere

Wie in seiner Rolle als Anwalt, lebt auch Billy Bob Thornton (62) zu Anfang seine Karriere in einem Motelzimmer. Nachdem er im Juni 1981 die ländliche Heimat in Arkansas verläßt, zieht er mit seinem Kumpel Tom Epperson (Autor von "The Gift") in ein heruntergekommenes Motel in der Motor Avenue in Los Angeles.

Er arbeitet ein Jahr lang in einem Pizzaimbiss, was er immer noch besser findet, als seine vorherigen Jobs (Zimmermannsgehilfe, Truckfahrer, Sägewerkmitarbeiter und Erntehelfer): "Mit einem gezuckerten Donut und einem Glas Rum auf der Erde im Motelzimmer zu sitzen, kann das Paradies sein", so Thornton. Doch nachdem er fast ausschließlich Pizza und Kartoffeln isst, zieht er sich durch die einseitige Ernährung eine Herzmuskelentzündung zu. Diese überlebt er nur dank eines gutmütigen Arztes, der ihn umsonst behandelt.

Der Durchbruch – nicht nur als Schauspieler

Kaum jemand weiß, dass Billy Bob Thornton einen Oscar besitzt. Nicht etwa für seine schauspielerischen Leistungen, nein, für das Drehbuch "Sling Blade – Auf Messers Schneide" (1996). Für die Hauptrolle als geistig behinderter Mörder wurde er zudem für einen Oscar nominiert.

Das breite Publikum lernt ihn aber erst zwei Jahre später als NASA-Chef im Erfolgsfilm "Armageddon" (1998) kennen. Im Drama "Monster's Ball" (2001) überzeugt er als Henker in einem US-Strafgefängnis. Unvergessen bleibt auch seine Rolle als betrunkender und pöbelnder Weihnachtsmann in "Bad Santa" (2003) und "Bad Santa 2" (2016), wo sich Thornton ebenso wie in "Ein (un)möglicher Härtefall" (2003) von seiner witzigen Seite zeigt.

Aber auch in Serien macht er eine gute Figur. So spielt er in der ersten Staffel von "Fargo" (2014) den Entführer, seine erste TV-Rolle überhaupt war in der Sitcom "Küß' mich, John" (1992-1995). Seine Rollenauswahl ist also alles andere als einseitig.

"Gib nie deine Träume auf, sie sind dein Motor, der dich antreibt"

Aber auch privat verläuft sein Leben nicht in stringenten Bahnen. Eigentlich kennt man Billy Bob Thornton vor allem als Ex-Mann von Angelina Jolie, dabei ist er bereits zum sechsten Mal verheiratet, hat vier Kinder von drei verschiedenen Frauen. Doch so viele Schlagzeilen wie mit Jolie, erreichte er nie wieder: der Titel ihres gemeinsamen Filmes "Turbulenzen - und andere Katastrophen" (1999) spricht für ihre Ehe. Die beiden trugen das Blut des jeweilige anderen in einer Flasche um den Hals, ließen sich Riesentatoos stechen und schockierten mit wilden Sexgeständnissen. Der leidenschaftliche Musiker Thornton komponiert für sie sogar den Song "Angelina":

Video: "Angelina" von Billy Bob Thornton

Billy Bob Thorntons zwei Jahre jüngere Bruder Jimmy starb 1988 unerwartet an einem Herzfehler. "Ich habe seitdem nie wieder ans Glücklichsein geglaubt, ich muss mich immer wieder selbst überzeugen, dass es Glück noch gibt. Es gibt einen Melancholie in mir, die ich nie wieder loswerde. Aber es ist ok, diese Gefühle zu haben. Als Künstler schöpfst du daraus deine Kreativität", erklärt er in einer Show von Oprah Winfrey. Und kreativ ist er nun wirklich, egal ob als Schauspieler, Regisseur, Autor oder Musiker. Sein zweites Erfolgsgeheimnis: "Gib nie deine Träume auf, sie sind dein Motor, der dich antreibt."