"Die Pest": Der schwarze Tod in Serie

So aufwendig erzählt der neuer historischer Sechsteiler "Die Pest" von Morden und der Pest-Epidemie in Sevilla.

Die neue Historienthrillerserie "Die Pest" (ab dem 19. Juli, 20.15 Uhr, Sky Atlantic HD) konnte in ihrem Ursprungsland Spanien mehr Zuschauer gewinnen als Jon Schnee und Co.: Die Eigenproduktion von Movistar+, dem größten spanischen Pay-TV-Anbieter, stieß den bisherigen Quotenkönig, die siebte Staffel von "Game of Thrones", vom Spitzenplatz.

Trailer zu "Die Pest" (OV)

Darum geht's in "Die Pest"

Entlang windschiefer Hütten und verwahrloster Menschen stapfen der Händler Luis de Zúñiga (Paco León) und der Arzt Monardes durch den Morast des Elendsviertels vor den Toren Sevillas. In einem Verschlag finden sie einen Toten vor. Diagnose: Pest. Die Leiche muss sofort vergraben, alles andere umgehend verbrannt werden, der schwarze Tod darf auf keinen Fall in das Innere der Stadt gelangen!

Genau in dieser gefährlichen Zeit kehrt Luis' Freund, der als Ketzer zum Tode verurteilte Mateo (Pablo Molinero), zurück nach Sevilla. Er hat die Aufforderung erhalten, den unehelichen Sohn seines verstorbenen Freundes zu retten. Doch dieser Valerio (Sergio Castellanos), der nie einen echten Vater hatte und von einem Leben in der Neuen Welt träumt, ist widerspenstig. Und kaum in der Stadt, gerät Mateo in die Fänge der Inquisition.

Großinquisitor Celso de Guevara (Manolo Solo) bietet ihm allerdings die Begnadigung an, sollte es ihm gelingen, eine Reihe grausamer Morde aufzuklären. Etwa den an einem Kaufmann, der als blasser Christus mit Löchern in Händen und Füßen gefunden wird, nachdem er offenbar langsam zu Tode ausgeblutet wurde. Obwohl sein Freund Luis ihn vor Guevera warnt, geht Mateo auf den Pakt ein.

Hintergrund

Für die Serie verantwortlich zeichnet einer der größten Könner des Landes: Regisseur Alberto Rodríguez, dessen Krimi "La isla mínima – Mörderland" 2015 zehnmal mit dem spanischen Oscar, dem Goya, augezeichnet wurde. Auch "Die Pest" war urprünglich als Spielfilm mit großem Budget geplant, doch das Pay-TV bot ebenfalls attraktive Bedingungen: stattliche 1,8 Millionen Dollar pro Folge standen Rodríguez und seinem Team zur Verfügung. "Wir konnten eine Geschichte anstreben, die in jeder Hinsicht – Drehbuch, Vorbereitung, Dreharbeiten, Postproduktion – dem Kino näher kam als das herkömmliche Fernsehen", sagt der 47-Jährige.

Der Historien-Sechsteiler "Die Pest" wurde mit einer 200-köpfigen Technikcrew sowie rund 2000 Komparsen an 130 verschiedenen Orten in Andalusien und Extremadura gedreht. Das Ergebnis ist ein Abenteuer in kraftvollen cineastischen Bildern.

Als Drehorte in Sevilla fungierten etwa der maurische Königspalast Alcázar (er ist auch in "Game of Thrones" zu sehen) oder die Kathedrale von Sevilla. Auch der Einsatz visueller Effekte half dabei, die Stadt in den 80er-Jahren des 16. Jahrhunderts zu porträtieren – einem historischen Wendepunkt kurz vor dem langsamen Niedergang des spanischen Reiches. Sevilla galt zu dieser Zeit als das Zentrum der Welt und diente als Hafen für Gold aus der Neuen Welt.

Die Krimistory nutzt Serienschöpfer Rodríguez als Vehikel, um zu zeigen, was die Stadt damals prägte: Seine Ermittlungen führen Mateo in die Slums und Bordelle – und ebenso in die prächtigen Anwesen der Wohlhabenden, deren Lebensstil von Sklaverei, Kinderarbeit und Korruption ermöglicht wird.

GOKA-Wertung

Die Serie, von der eine zweite Staffel bereits in Arbeit ist, besticht durch Poesie, Sinnlichkeit, aber auch Grausamkeit: ein historischer Roman zum Schauen.