Serien-Event der Woche: "Tanken – Mehr als Super"

Die 3 von der Tankstelle: Die ZDF-Neo-Serie "Tanken – Mehr als Super" zeigt Ludwig Trepte, Stefan Haschke und Daniel Zillmann als liebenswerte Verlierer.

Die Sitcom "Tanken – Mehr als Super" (Dienstag, 31. Juli, 22.45 Uhr, ZDF Neo) geht klar an die Schmerzgrenze und darüber hinaus. In zwölf Folgen werden drei Tankstellen-Mitarbeiter porträtiert, die als typische Losertypen Chaos in die Nachtschicht bringen und einen Angriff auf die Lachmuskeln verüben.

Trailer: "Tanken – mehr als Super"

Darum geht's in "Tanken – Mehr als Super"

"Eine Tankstelle ist ein komplexes System", sagt Georg (Stefan Haschke). Wie komplex, muss er am eigenen Leib erfahren: Da er im Umgang mit Menschen Defizite hat, wird er in die unattraktive Nachtschicht versetzt. Dort trifft er auf zwei Kollegen, die seinen Ehrgeiz und Enthusiasmus für den Job nicht teilen. Während Georg sich als Manager versteht und den Chef markiert, nimmt es der gutmütige Olaf (Daniel Zillmann) mit den Vorschriften nicht so genau. Und Daniel (Ludwig Trepte), der sein Medizinstudium abgebrochen hat, wirkt in seiner Lethargie wie ein trauriger Clown.

Hintergrund

Die Idee stammt aus Island, wo das Format "Nachtschicht" heißt. "Wir haben es für den deutschen Markt adaptiert und optimiert", so Redak­teur Martin R. Neumann von ZDF Neo. "Wir zielen damit auf ein jüngeres Publikum." Die drei von der Tankstelle sind die Anti­helden, dargestellt werden sie von Daniel Zillmann, der hat in mehr als 30 Kino­filmen und TV­-Produktionen mitgespielt.

GOLDENE KAMERA-Preisträger Ludwig Trepte ist durch seine Rollen in "Unsere Mütter, unsere Väter" (GOLDENE KAMERA 2014), "Tannbach" und der mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichneten Miniserie "Deutschland 83" in bester Erinne­rung. Über seine Figur Daniel sagt Trepte: "Er ist unfähig, Entscheidungen zu treffen, und kann sich nicht durchsetzen."

Stefan Haschke, der Georg spielt, ist ein renommierter Theatermann. "Er spricht rund 80 Prozent des Textes und macht das großartig", lobt Neumann. "Uns freut besonders, dass er unsere eigene Entdeckung ist." Haschke, der schon in der ZDF­Neo­Serie "Lobbyistin" zu sehen war, erklärt: "Ich wollte schon immer ein Comedyformat machen. Und diesen Typen wollte ich unbedingt spielen. Mich interes­sieren die vermeintlichen Verlierer, die Ab­gehängten oder Figuren, die für eine Sache kämpfen, obwohl es aussichtslos scheint."Genau so einer ist Georg. Obwohl er für Ordnung kämpft, herrschen im Mikro­kosmos Tankstelle Anarchie und Chaos.

"Georg hat Visionen und entwickelt Ideen – wenn auch sehr absurde. Und er hat ein großes Ziel: zurück in die Tagschicht", erläutert Haschke. In "Stromberg"-Manier verscherzt Georg es sich mit den Kunden und den Kollegen. "Aber er denunziert und beleidigt nicht aus Freude, sondern aus einer Überforderung heraus. Er kämpft permanent gegen den Verlust der eigenen Würde." Eine tragische Figur.

Läuft die Sitcom gut, könnte es nach den ersten zwölf Folgen weitergehen. "Gute Ideen haben wir noch reichlich", verspricht Redakteur Neumann. Die Serie kann er sich auch gut im Programm des Mutter­senders ZDF vorstellen.

Trailer "Tanken" 2

GOKA-Kritik

Dass nicht nur Kunst, sondern auch Komödie von Können kommt, zeigt sich an der Riege der hochkarätigen Schauspieler. Ludwig Trepte überzeugt als schüchterner, lebensunfähiger Einzelgänger, Daniel Zillmann als liebenswerter, Hardrockliebender Trottel und Stefan Haschke kann es in seiner Rolle als Georg in puncto unsoziales und grobschlächtiges Verhalten locker mit Stromberg aufnehmen. Klar geht das oft über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus, aber die Szenarien und Dialoge sind zum Teil so unsinnig, dass sie wiederum lustig sind.