"Arthurs Gesetz": Vom Volltrottel zum Serienkiller

In der 6-teiligen Miniserie "Arthurs Gesetz" spielt Jan Josef Liefers einen Versager, der seiner Frau auf den Keks geht - und sie deshalb umbringen will. Was der Star an der Serie liebt und warum "Arthurs Gesetz" auch sexuelle Tabus bricht, verriet uns Liefers beim Setbesuch

Tatort: Klein Biddenbach. In diesem fiktiven, trostlosen Städtchen fristet der Versager Arthur Ahnepol (Jan Josef Liefers) ein depressives Dasein – an der Seite seiner dominanten Gattin Martha (Martina Gedeck). Doch ausgerechnet an seinem 50. Geburtstag verliebt sich der Schwächling in Dorfnutte Jesse (Cristina do Rego) und tritt eine Lawine los. Denn nachdem er beschließt, seine Ehefrau zu töten, um Jesse mit dem Geld aus der Lebensversicherung aus ihrem Elend zu befreien, wird er vom Trottel zum Serienkiller. Bald pflastern Leichen seinen Weg, und nach jedem Problem, das er löst, taucht sofort das nächste auf. Außerdem hat der Möchtegern-Mörder die Rechnung ohne Polizistin Muriel (Martina Gedeck in einer Doppelrolle) gemacht – denn Marthas Schwester ist ihm dicht auf den Fersen. Die Folge: Abgesägte Hände, mit Bauschaum vollgepumpte Leichen und lebensgefährliche Kronleuchter.

Trailer "Arthurs Gesetz"

Ein "Comedy Noir"-Projekt für Jan Josef Liefers

In "Arthurs Gesetz" darf sich Jan Josef Liefers (Interview) endlich mal von einer völlig anderen Seite zeigen – als schwarzhumoriger Antiheld. Doch was reizt den Star an der Rolle? Beim Setbesuch in Marktredwitz verrät uns der 54-Jährige: "Diese Serie ist 'Comedy Noir' – das ist ein eleganter Begriff für schwarzen, makabren Humor und eine Anspielung auf 'Murphys Law', wonach ein fallendes Butterbrot immer mit der Butterseite im Dreck landet. Ich finde es toll, dass dieser abgefahrene Serienstoff ohne Schere im Kopf entstanden ist. Denn normalerweise gibt's im deutschen Fernsehen einen ungeschriebenen Kanon über das, was man den Zuschauer zumuten kann und was nicht. Sobald man diesen Kanon an zwei bis drei Stellen verletzt, landet man auf einem Programmplatz ab 23 Uhr.“

GOLDENE KAMERA will es genauer wissen und bittet Liefers um ein Beispiel für die neue, unkonventionelle Erzählweise. Der Star: "Eine denkwürdige Szene ist beispielsweise Arthurs erste Begegnung mit Jesse – der einzigen Nutte in der örtlichen Dorfkneipe. Arthur war noch nie dort. Doch an seinem verpatzten 50. Geburtstag will er sich dort ein Bier bestellen. Dabei nimmt ihn niemand wahr – bis auf eine hübsche Frau, die ihm Folgendes gesteht: 'Weißt du, warum ich ältere Männer besonders anziehend finde? Wegen eurer frei schwingenden Eier! Die sind nicht so wie bei den Jungs in meinem Alter, wo sie entweder straff wie Haselnüsse unter dem Schwanz kleben oder ganz verschwinden, je geiler sie werden. Ab 40, 43 ist es eine ganze hängende Handvoll. Immer. Und ich liebe das Geräusch, wenn sie beim Vögeln so richtig gegen meinen Arsch klatschen.'"

Doch ist das nicht grenzwertiger Humor? Liefers erklärt: "Die Szene ist lustig, weil sie so über den Rand malt und Cristina do Rego ("Pastewka") spielt das so unschuldig und rührend, dass man einfach lachen muss, statt sich darüber aufzuregen. Wenn normalerweise eine Prostituierte im TV auftritt, dann sagt sie immer Sachen wie: 'Hallo, Süßer, wie wäre es denn mit uns beiden?' 'Arthurs Gesetz' ist da nicht so zimperlich.“

Doppelrolle für Martina Gedeck

Auch Martina Gedeck (Interview), die die Zwillingsschwestern Martha und Muriel verkörpert, findet "Arthurs Gesetz" außergewöhnlich. Die Ausnahme-Schauspielerin: "In Bezug auf Krimis gibt es immer komödiantische Abgründe – und in 'Arthurs Gesetz' sind das Elemente, die ich so in der Form noch nie gesehen habe. So kommt bei uns eine Leiche auf sehr ungestüme Weise um, indem sie Bauschaum gespritzt bekommt und dann mehr oder weniger von innen aufplatzt. Solche Szenen zeigen wir jedoch nicht als Splatter, sondern als realistische Sache – was wiederum 'Fargo' ähnelt. 'Arthurs Gesetz' ist keine Schenkelklopfkomödie."

Martina Gedeck über "Arthurs Gesetz"

Und Liefers? Will er sein Lob auf "Arthurs Gesetz" als Kritik am deutschen TV verstanden wissen? "Nein", so der Star. "Ich will das stromlinienförmige Mainstream-Erzählen gar nicht an den Pranger stellen, ich war ja auch schon Teil davon. Man sollte meinen, mehr Mainstream als Münster-'Tatort' mit 14,5 Millionen Zuschauern geht gar nicht. Aber ob Münster funktioniert oder nicht, war ganz und gar nicht klar, als es losging. Witze über Alberich? Makabre Dialoge? Schräge Ermittler? Wenn jemand was Besonderes machen will, was man nicht jeden Tag woanders auch sehen kann, dann muss man sich trauen, anders zu sein und unsicheres Terrain zu betreten. Und dann muss auch das Scheitern erlaubt sein. No risk, no fun!"

Sendehinweis

"Arthurs Gesetz" läuft ab dem 31. August beim Telekom-Streamingdienst EntertainTV. Der Sender TNT Comedy zeigt die 6-teilige Serie ab dem 18. Dezember 2018, um 20.15 Uhr.