Wyatt Russell: "'Lodge 49' gibt dem Zuschauer eine Atempause vom Alltag"

In bester "Big Lebowski"-Tradition ergründet Wyatt Russell in der neuen Dramedy-Serie "Lodge 49" die Magie des Alltags. Wir trafen den Sohn von Kurt Russell und Goldie Hawn in Los Angeles zum exklusiven Gespräch.

In der von Paul Giamatti ("Billions") produzierten Dramedy "Lodge 49" (ab 27. August auf Amazon Prime Video) entdeckt ein abgehalfterter Tagedieb die Magie des alltäglichen Lebens. Dabei hat Hauptdarsteller Wyatt Russell das Magischste im eigenen Leben längst gefunden...

Wyatt Russell über seine neue Serie "Lodge 49"

Darum geht's in "Lodge 49"

Der ehemalige Surfer Sean "Dud" Dudley (Wyatt Russell) ist wirklich vom Pech verfolgt: Erst macht ihn ein Schlangenbiss zum Halbinvaliden. Und dann stirbt überraschend sein Vater und hinterlässt so viele Schulden, dass Dud aus dem gepfändeten Haus der Familie ausziehen muss und bei seiner Schwester Liz (Sonya Cassidy) unterkommt.

Während sich Liz als Kellnerin über Wasser hält, lebt Dud in den Tag hinein. Bis er am Strand einen mysteriösen Siegelring findet, der ihn zur nicht minder mysteriösen Bruderschaft "Lodge 49" und deren Schatzmeister Ernie (Brent Jennings) führt. Von neuem Lebensmut erfasst setzt Dud alles daran, Logenmitglied zu werden und verleiht damit nicht der angestaubten Bruderschaft neuen Schwung...

Originaltrailer zu "Lodge 49" (VoD-Start: 7.8.2018)

Wyatt Russell im Interview zu "Lodge 49"

GOLDENE KAMERA: Was hat Dich an einer Serie über einen Surfer-Dude gereizt?

WYATT RUSSELL: Mir war einfach nach einem optimistischen Projekt zumute. Ich sehe so viele negative Serien im Fernsehen und obwohl das manchmal sogar interessant sein kann, wollte ich etwas Positives zu einer Welt beitragen, in der viele Menschen nicht so zuversichtlich und sorglos sind. Ich hoffe, "Lodge 49" gibt dem Zuschauer eine kleine Atempause vom Alltag! Und macht mir genügend Spaß, dass ich für die nächsten Jahre weiter gerne täglich zur Arbeit gehe. (lacht)

Wie viel Dud steckt in Dir selbst? Bist Du selbst ein guter Surfer?

Ich bin der schlechteste Surfer, den man sich vorstellen kann. (lacht) Aber ich habe immer schon behauptet, dass fünf Prozent einer Rolle in einem selber stecken. Und dass man immer 100 Prozent für seine Darbietung gibt! Was mir an Dud so gefällt ist, dass er – genau wie wir alle – nach seiner Aufgabe im Leben sucht. Und dass er nicht blind gegenüber der Magie der alltäglichen Dinge ist. Ich lerne also von meiner Figur, mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen.

Die Schauspielerei ist Deine zweite Karrierewahl. Bist Du sehr enttäuscht, dass Du kein Eishockey mehr spielen kannst?

Eishockey war mein Leben und ich war sehr enttäuscht, dass ich durch eine Verletzung nicht mehr spielen konnte. Andererseits war es das Beste, das mir hätte passieren können. Denn ich hätte es nie in die NHL (National Hockey League) geschafft und Millionen von Dollars damit verdienen können. Ich hätte meine Eishockeykarriere vielleicht noch bis 34 oder 35 hinziehen können, aber erst in dem Alter ein neues Leben zu starten wäre extrem schwer gewesen. Den Sport mit 24 zu verlassen war also gut für mich, weil ich dadurch noch mal ganz von vorne anfangen konnte. Dank des Eishockeys habe ich Durchhaltevermögen,Teamgeist und das Übernehmen der Führung gelernt – also die beste Vorbereitung für diese Serie.

Warum bist Du nicht sofort in die Fußstapfen Deiner Eltern Goldie Hawn und Kurt Russell getreten?

Ich wollte meine eigene Identität finden und genau das habe ich mit Eishockey erreicht. Wenn ich sofort in die Schauspielerei gegangen wäre, hätte ich nie das Gefühl gehabt, dass ich mir meinen Beruf selber hart erarbeitet habe. Aber jetzt mit 32 fühle ich, dass ich meine Karriere mit eigenen Händen aufgebaut habe – und natürlich mit einer extra großen Portion Glück. (lacht)

Was war der beste Rat, den Du je von Deinen Eltern bekommen hast?

Sei ein guter Mensch! Man muss nicht der Schlauste oder der Beste sein, aber man soll immer sein Bestes geben! Egal ob mit Eishockey oder als Schauspieler. Oder welche Karriere mir sonst noch in den Sinn kommen wird. Vielleicht werde ich ja eines Tages Anwalt. (lacht).

Wann hast Du begriffen, dass Hollywood nur eine Seifenblase ist?

Grundbesitz und Strom sind sehr teuer in Südkalifornien. Eine Eishalle privat zu betreiben kostet also sehr viel, und deshalb muss man zum Schlittschuhlaufen in die weniger guten Nachbarschaften mit städtischen Einrichtungen fahren. Ich habe also einen Großteil meiner Kindheit nicht in Pacific Palisades, Beverly Hills oder Brentwood verbracht, sondern in Long Beach, wo wir jetzt auch "Lodge 49" drehen. Mit 15 bin ich dann nach Vancouver umgezogen und habe die Seifenblase Hollywood ganz verlassen. Aber Eishockey ist generell eher ein Sport der Arbeiterklasse. Ich habe also sehr jung entdeckt, dass nicht jeder so lebt wie ich. (lacht)

Interview: Anke Hofmann