Frank Schätzing: "Eigentlich hatte ich die Lust verloren"

In seinem Bestseller "Der Schwarm" beschreibt Frank Schätzing die existenzielle Bedrohung der Menschheit durch eine unbekannte, intelligente maritime Lebensform.
In seinem Bestseller "Der Schwarm" beschreibt Frank Schätzing die existenzielle Bedrohung der Menschheit durch eine unbekannte, intelligente maritime Lebensform.
Foto: dpa
Im exklusiven Interview mit GOLDENE KAMERA erklärt Frank Schätzing, warum sein Bestseller "Der Schwarm" jetzt endlich verfilmt wird.

Nachdem Schätzings Roman "Der Schwarm" im Jahr 2004 erschienen war, musste man keine Experte sein, um zu erkennen, dass der spannende "Öko-Thriller " für eine Verfilmung geradezu prädestiniert ist. Im ersten Interview zur geplanten Serien-Produktion durch das ZDF, rechnet der 61jährige Erfolgsautor bereits für das nächste Jahr mit einem Drehstart.

GOLDENE KAMERA: Wie hat sich Ihre Zusammenarbeit mit dem ZDF ergeben, und wie ist die Idee zu der High-End-Serie „Der Schwarm“ entstanden?

Frank Schätzing: Eigentlich hatte ich die Lust verloren, überhaupt noch mal in eine Verfilmung einzusteigen. Da ist zu vieles schief gelaufen in den letzten Jahren, leere Versprechungen, miese Drehbücher... nach nichts bin ich so oft gefragt worden wie nach dem Film, und jedes Mal mit den Achseln zucken zu müssen, das begann zu nerven. Dann, Ende 2017, kontaktierte mich das ZDF, die gerade mit Beta Film „Intaglio Film“ gründeten, um hochwertige Serien für den internationalen Markt zu produzieren. Die ndF stieg ein, brachte Investoren mit, also begannen wir zu reden.

Warum wurde nicht früher darüber nachgedacht, eine Serie statt einem Blockbuster zu drehen?

Hab ich ja. Vor fünf Jahren schon, aber die damaligen Partner kamen nicht aus dem Quark. Ich sagte, vergesst den Blockbuster, schaut euch im Kino „Avengers“ und „Dr. Strange“ an, wollen wir da ernsthaft versuchen mitzuhalten? Außerdem sind Serien das spannendere Erzählformat – und genau das war der ZDF-Ansatz: eine Serie! Und sie hatten ein Argument auf ihrer Seite, das meinem Wunsch nach künstlerischer Kontrolle sehr entgegenkam: Frank Doelger, Geschäftsführer von „Intaglio“, unter dessen Kreativhoheit „Game of Thrones“ entstanden ist, die erfolgreichste Serie aller Zeiten und sicher auch eine der besten. Frank und ich vereinbarten, dass wir den Roman gemeinsam zur Serie umschreiben würden. Und das tun wir jetzt. Mit großem Vergnügen.

Wie weit ist der Stand der Drehbücher und wann geht’s los mit der Produktion?

Na, jetzt sind erst mal die Verträge unter Dach und Fach. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir die Outline entwickeln, also das dramaturgische Gesamtkonzept. Das heißt, wir übertragen den „Schwarm“ in eine Staffel mit acht Episoden, was ganz andere Anforderungen mit sich bringt als die Entwicklung eines Blockbusters. Anschließend kommen die Drehbuchautoren ins Spiel – Frank hat da gute Leute an der Hand. Auf Basis der Outline verfassen diese Autoren detaillierte Scripts, zu denen Frank und ich wiederum Input geben. Die Schreiber bessern nach, wir geben neuen Input. Ein interaktiver Prozess, der sicher eine Weile dauern wird. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir 2019 zu drehen beginnen.

Ist der Roman inhaltlich aktueller denn je?

Ich denke, schon. Wobei man immer im Hinterkopf haben muss, dass es nicht meine Intention war, einen ökologischen Thriller zu schreiben. Das Label Öko-Thriller haben andere dem Buch verpasst, ich mochte den Begriff nie. „Der Schwarm“ ist ein Roman über hochintelligente, uns Menschen überlegene Wesen, so fremdartig, dass wir sie nicht verstehen. Nur dass wir mit ihnen klarkommen müssen, denn sie entstammen unserer Welt. Mir ging es um diesen Konflikt: dass wir eben nicht die Krone der Schöpfung sind. Die Umweltthemen wanderten von ganz alleine mit rein. Alles zusammengenommen, das Ökologische und unsere diffuse Fremdenangst, die sich gerade auf übelste Weise entlädt, ist „Der Schwarm“ wohl tatsächlich aktueller denn je.

Aber ist es nicht besser um den Umweltschutz bestellt als je zuvor?

In etlichen kleineren Initiativen ja, im Großen machen wir Rückschritte. Alleine, was Trump anrichtet. Nach wie vor plündern wir die Meere, fischen sie leer, hinzugekommen ist die Vermüllung durch Plastik. Auch das werden wir zum Thema machen, vor allem aber wollen wir spannende Unterhaltung und grandiose Bilder liefern.

Klingt, als würde es viele Digitaleffekte geben…

Davon gehe ich aus. Erstens sind CGI’s viel kostengünstiger geworden, zweitens ist die Qualität heute „higher-end“ denn je – für weniger Geld denn je! Hat also auch sein Gutes, dass die Verfilmung so lange auf sich warten ließ.

Schwebt Ihnen schon ein Hauptdarsteller vor?

Ideen hätte ich. Aber das werden Frank und ich gemeinsam entscheiden. Das Casting wird jedenfalls spannend. Ich hatte beim Schreiben nie bekannte Gesichter vor Augen, bis auf Maximilian Schell – und den können wir ja leider nicht mehr fragen.

Wird der Roman 1:1 verfilmt?

Wir bleiben sehr nahe am Buch. Natürlich muss man den Stoff für acht Episoden ausbauen. Im Endeffekt kommt eine Serie der Romanlänge von 1000 Seiten eher entgegen, als wenn man das Ganze auf zwei Stunden runterdampfen müsste.

Und das Budget? Transparent oder geheim?

Frank Schätzing: Ich kenne es. Und mir gefällt die Zahl.

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