"Die Heiland": Ein besonderes Gespür für die Wahrheit

Eine blinde Anwältin mit einem phänonemalen Gedächtnis: "Die Heiland" im Ersten (ab dem 4. September, 20.15 Uhr) wurde durch die Realität inspiriert.

Ein wegen Vergewaltigung angezeigter Strafrechtsexperte. Eine polnische Pflegerin, die einem Patienten tödliche Medikamente verabreicht haben soll. Und eine Tennisspielerin, die man vor Gericht stellt, weil sie angeblich eine Konkurrentin die Treppe hinuntergeschubst hat: Angeklagte wie diese zählen seit 2011 zu den Mandanten der Berliner Strafverteidigerin Pamela Pabst. Jetzt haben ihre Fälle die Macher der neuen, sechsteiligen Anwaltsserie „Die Heiland“ inspiriert. Denn obwohl Pabst blind auf die Welt kam, hat sie erfolgreich Jura studiert, eine eigene Kanzlei eröffnet, ein Buch über ihr Leben geschrieben („Ich sehe das, was ihr nicht seht“) – und vertritt zu 70 Prozent Klienten wie Gangster, Dealer und Mörder. Mit anderen Worten: Pabst ist die erste von Geburt an blinde Rechtsanwältin für Strafrecht in Deutschland.

Die Story der Serie: Romy Heiland (Lisa Martinek, 46) hat nur ein Prozent Sehrest. Trotz ihrer Schwerbehinderung arbeitet sie in einen eigenen Kanzlei – und ist dabei extrem erfolgreich. Denn ihr Gedächtnis funktioniert fantastisch. Unterstützt wird sie von der eigensinnigen Assistentin Ada Holländer, gespielt von Anna Fischer (GOLDENE KAMERA 2007). Die blinde Juristin setzt ihre intakten Sinne viel besser ein als mancher Kollege. Und dass sie oftmals unterschätzt wird, entpuppt sich sogar häufig als Vorteil. „Mit einer Sehbehinderung“, verrät Pamela Pabst im Gespräch mit GOLDENE KAMERA, „hat man einen anderen Blick auf die Welt. Nicht im Sinne von übersinnlichen Fähigkeiten, sondern eher so, dass man Dinge anders wahrnimmt. Ich werde häufig sehr gelobt für meine Fähigkeit, mich auf viele Sachen gleichzeitig einlassen zu können. Oft reden mein Computer und meine Angestellte zeitgleich, und nebenbei kann ich auch noch telefonieren und etwas aus der Schublade nehmen. Das hat auch Lisa Martinek fasziniert, als wir uns vor Drehbeginn kennengelernt haben.“

Verbrechen mit wahrem Kern

Doch wie hat sich Martinek, die Pabsts Alter Ego spielt, an diese Rolle angenähert? Die Schauspielerin dazu: „Zur Vorbereitung hat mir ein Mobilitätstrainer vom Blindenverein in Berlin technische Dinge beigebracht – etwa, wie man mit dem Langstock geht und Wege erforscht. Außerdem durfte ich Pamela Pabst eine Zeit lang in ihrem Alltag begleiten. Dabei habe ich festgestellt, dass sie zwei verschiedene Modi hat: Wenn sie an Orten ist, die sie gut kennt – etwa im Amtsgericht – ist sie anderen haushoch überlegen. Aber wenn sie sich auf einem neuen Terrain bewegt – etwa in einem Restaurant, das sie zum ersten Mal besucht – ist sie eher unsicher.

Das Eintauchen in ihre Welt war für mich wahnsinnig spannend.“ Doch entstammen die gezeigten Verbrechen tatsächlich der Wirklichkeit – und müssen Pabsts Mandanten fürchten, dass ihre Geschichten demnächst auch im Fernsehen landen? Die Strafverteidigerin klärt auf: „Fälle aus meiner realen Praxis haben keinen Eingang in die Serie gefunden, aber wir haben eine Liste mit Versatzstücken und interessanten Konstellationen erstellt, um die von den Drehbuchautoren anschließend fiktive Fälle gestrickt wurden. Das war ein Anliegen von mir. Denn einerseits möchte ich, dass die Filmfälle einen wahren Kern haben, aber anderseits will ich mich nicht an den Schicksalen meiner Mandanten bereichern, und sie an Filmgesellschaften weitergeben.“

Und was denkt Pabst über Justitia – und deren vermeintliche Blindheit? Die Strafverteidigerin bilanziert: „Justitia ist wirklich blind, und Recht und Gerechtigkeit darf man nicht miteinander verwechseln. Manche Dinge sind juristisch richtig, aber trotzdem ungerecht."

"Die Heiland": Ab dem 4. September immer dienstags im Ersten (Folge 1 und 2 sind bereits in der Mediathek abrufbar)

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