Nick Hertwig: "Wir hatten Hunderte von Motiven"

Gereon Rath (Volker Bruch) verfolgt einen Verdächtigen über den Dächern Berlins.
Gereon Rath (Volker Bruch) verfolgt einen Verdächtigen über den Dächern Berlins.
Foto: © ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier
Als Location Scout suchte er schon Drehorte für so unterschiedliche Kinoproduktionen wie "Ein Hologramm für den König", "Russendisko", "Cloud Atlas" und "Der Medicus".

"Viele kennen diesen Moment. Sie sehen im Urlaub ein Gebäude und denken: 'Das ist ja furchtbar!' Für mich existieren Kategorien wie 'schön' oder 'hässlich' nur bedingt. Die entscheidende Frage für mich lautet: Ist das Gebäude interessant? Es muss filmtauglich sein. Meine Arbeit bestimmt meinen Blick. Als Location Scout suche ich die passenden Drehorte basierend auf den Beschreibungen des Skripts. Wenn ich durch Berlin laufe, sehe ich überall Filmmotive: 'Ach, da haben wir das gedreht, dort das.' Dazu suche ich ständig nach neuen Drehorten.Bei 'Babylon Berlin' haben wir uns sehr früh mit dem Szenenbild zusammengesetzt. Mein erster Anlaufpunkt für mögliche Drehorte war mein Archiv. Darin habe ich Tausende Fotos von Locations nach Themen geordnet: Bars, Schwimmbäder, Friedhöfe usw. Rund 60 Prozent der für die Serie nötigen Locations fand ich so. Den Rest musste ich suchen.

Exklusive Featurette zu "Babylon Berlin"

Ich entdeckte unter anderem das alte Gebäude der Deutschen Bank in der Mauerstraße in Berlin-Mitte. Inzwischen wird es zu einem Ministerium umgewandelt, aber während des Drehs war es ein großes, unsaniertes Haus, das leer stand. Insgesamt haben wir dort 25 Filmmotive eingerichtet: Hotelzimmer, Stuben, Flure, Büros, sogar eine Pathologie. Ein zentrales Motiv der Serie ist der Nachtklub 'Moka Efti'. Tatsächlich setzen sich die Szenen, die dort spielen, aus mehreren Drehorten zusammen, darunter dem Ex-Stummfilmkino Delphi in Berlin-Weißensee. Insgesamt hatten wir bei 'Babylon Berlin' Hunderte von Motiven, das war eine Liste mit über 20 DIN-A4- Seiten. Als ich die fertige Serie sah, musste ich bei mancher Szene nachfragen: 'Wo war das denn?' Wenn Requisiteure die Räume historisch eingerichtet haben, erkenne ich sie oft nicht wieder."