Claudius Rauch: "Die größte Herausforderung war Nebel"

Special Effects Supervisor Claudius Rauch (r.) mit Schauspieler Gedeon Burkhard bei der GOLDENEN KAMERA.
Special Effects Supervisor Claudius Rauch (r.) mit Schauspieler Gedeon Burkhard bei der GOLDENEN KAMERA.
Foto: GOLDENE KAMERA
Bei "Babylon Berlin" ist er als Special Effects Supervisor tätig. Diese Funktion übernahm er schon bei Kinofilmen wie "Snowden" und Fernsehserien wie "Homeland" und "Deutschland 83".

"Bei Effekten stellt sich immer die Grundsatzfrage: Sollen wir es in echt filmen oder später digital einfügen? Wenn etwa wie bei 'Babylon Berlin' ein riesiges Aquarium zu Bruch gehen soll, sind Computereffekte unumgänglich. Mein Team und ich waren verantwortlich für alle physischen Effekte beim Dreh: Feuer, Rauch, Wettereffekte wie Regen sowie Schießereien. In einer Szene wird auf eine Hauswand geschossen. Dafür haben wir kleine pyrotechnische Ladungen in ein präpariertes Loch eingearbeitet, mit Leichtspachtelmasse überzogen und übermalt. Über eine computergesteuerte Funkzündanlage wird die Ladung ausgelöst.

Exklusive Featurette zu "Babylon Berlin"

Gefährlich ist diese Sprengladung aus Silberazid nicht – jeder Silvesterböller ist stärker. Trotzdem stehen die Darsteller unter Druck. Machen sie einen Fehler, ist der Wiederaufbau sehr aufwendig: Das Wandteil muss ausgebaut werden, kommt in die Werkstatt, wird geladen, verspachtelt, übermalt. Inklusive Trocknungszeiten dauert das unter Umständen Tage. Bei den Rückblendenszenen aus dem Ersten Weltkrieg arbeiteten wir übrigens nicht mit Sprengstoff, sondern mit Druckluft. Im Boden ist ein Kessel mit komprimierter Luft. Durch ein elektrisches Signal entweicht die Luft auf einen Schlag. Liegen Erde und Staub darauf, sieht es wie eine Explosion aus. Die größte Herausforderung bei 'Babylon Berlin' war aber eine andere: Nebel. Mit Maschinen lassen wir herkömmliches Nebelfluid verdampfen. Großflächige Nebelschwaden sind allerdings sehr aufwendig, weil man eine Menge Leute und Koordination braucht."