Berlin gehört jetzt uns: Die zweite Staffel "4 Blocks"

Der Pate von Neukölln ist zurück. In Staffel zwei von "4 Blocks" bekommen die Hamadys brutale Gegner.

Wenn Kida Khodr Ramadan durch Berlin-Neukölln streift, ist Toni Hamady immer dabei. Das ist seine Rolle in "4 Blocks", dem grimmigen, im Mai 2017 ausgestrahlten Epos über einen kriminellen kurdisch-libanesischen Familienclan, der diesen Stadtteil in Schach hält. Der 41-Jährige wird um Selfies gebeten, seine Texte aus der Serie sind dort in den Alltagsgebrauch übergegangen: "In Berlin spricht man jetzt arabisch", "Familie ist alles" und "Ich bin der deutscheste Deutsche".

Trailer: "4 Blocks"-2. Staffel

Kida Khodr Ramadan wird der Rummel fast zu viel: "Ich finde es schön, aber es ist auch Arbeit. Ich habe Megarespekt vor noch berühmteren Kollegen wie Elyas M'Barek." Überall sei "4 Blocks" inzwischen ein Begriff. "Die Leute lieben uns! Aber wenn Jogi Löw auf einer Preisverleihung sagt: 'Herr Hamady, kann ich bitte mit ihnen sprechen?', da kriege ich Gänsehaut", sagt Ramadan. Und Preise gab es viele: "4 Blocks" wurde unter anderem mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichnet.

Die "Mehrteiler/Miniserien"-Preisträger von "4 Blocks" im Interview

Darum geht's in "4 Blocks" Staffel 2

Jetzt kehrt sie mit sechs neuen Folgen bei TNT Serie (ab 11. Okotber, 21.00 Uhr & Anfang 2019 bei ZDFneo) zurück. Staffel zwei setzt ein Jahr nach dem finalen Showdown mit der Rockerbande Cthulhu ein – und die bürgerlichen Aussteigerträume von Clanboss Hamady sind erledigt: "Toni hat sich verändert, er will weiter aufsteigen. Er ist an einem Punkt angekommen, wo er die Champions League gewinnen will", so Kida Khodr Ramadan.

Die Chance bietet ein Drogenlieferant aus Beirut, mit dem er eine lukrative Zusammenarbeit eingeht: Er kann den besten Stoff der Stadt anbieten. "Berlin gehört uns", verkündet Toni. Doch er hat die Rechnung ohne die früheren Partner gemacht: die al-Saafis, eine mächtige Großfamilie, der Oberschicht zugehörig, im Kunsthandel aktiv und mit besten Beziehungen zu Botschafterkreisen. Sie geben Berlin nicht kampflos auf, wie sich bald herausstellt.

In der ersten Staffel hatten Clanmitglieder einen kurzen Auftritt, als sie Toni und seine Familie als Ziegenhirten diffamierten. "Mit den al-Saafis bricht eine alte Konfrontation aus dem Libanon wieder auf: Die Kurden waren ja in den 70ern auch im Libanon Flüchtlinge, auf die die Einheimischen herabsahen", sagt Bob Konrad, der erneut im Team mit Hanno Hackfort und Richard Kropf die Drehbücher verfasste.

Inspiriert von realen Ereignissen

Das Trio stellt auch Bezüge zu realen Ereignissen her, indem es Toni ins Immobiliengeschäft einsteigen lässt: Im Juli 2018 beschlagnahmten Staatsanwaltschaft und LKA in Berlin 77 Wohnungen und Häuser einer aus dem Libanon stammenden Familie. Die Ermittler sind sicher, dass die Immobilien aus Straftaten finanziert wurden. Und in Flüchtlingsunterkünften lässt Toni unbegleitete Minderjährige fürs Drogengeschäft rekrutieren. Krimineller Nachwuchs wächst heran – nicht erfunden, alles real.

Aber die Hamadys müssen auch büßen. Tonis Bruder Abbas (Veysel Gelin) wird wegen des Mords am Polizisten Robert John zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Für Rapper Veysel Gelin, der selbst eine dreijährige Haftstrafe für Körperverletzung mit Todesfolge absaß, war es kein Problem, ins Gefängnis zurückzukehren: "Ich bin nicht traumatisiert. Ich habe das abgesessen, was ich bekommen habe, und alles ist gut", sagt der 34-Jährige. "Ich bin heute auf einem ganz anderen Weg. Wir sind jetzt auch Vorbilder. Ich möchte den Fans zeigen, dass es möglich ist, Karriere zu machen, wenn man sich voll reinhängt. Dem sollen sie nacheifern, nicht dem Weg von Abbas."

Dass die Serie womöglich das Bild des Gangsters glorifiziert, lastet er weder sich noch den Machern an: "Ich sehe ein bisschen gefährlich aus, wenn ich will. Das gehört zum Image. Wenn aber die Leute da draußen sagen: Ey, die Rapper und die Schauspieler sind genau wie ihre Rollen, die sie spielen, dann sind das Hinterwäldler."

Die Neuen in Staffel 2

Nach dem blutigen Finale von Staffel eins wenden die ersten neuen Folgen etwas Zeit auf, um neue Figuren zu etablieren. Rapper Gzuz etwa spielt Abbas' Knastrivalen Frankie, David Schütter ("So was von da") ist als Sohn eines Immobilieninvestors zu sehen. "Ich bin stolz auf eine andere Figur: Isha", sagt der ausführende Produzent Marvin Kren, der in Staffel eins Regie führte. "Die Autoren haben eine "Romeo und Julia"-Story zwischen der Schwarzen Isha und dem neuen Clanmitglied Maruf entwickelt." Gespielt wird Isha von Rapperin Eunique (23). "Es ist – wie schon bei Veysel und Massiv – spannend, solche Charaktere im Boot zu haben", findet Kren. "Leute, die nicht vom Schauspiel kommen, sondern den urbanen Charakter atmen."

Aus terminlichen und privaten Gründen führt an seiner Stelle Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") bei den ersten drei Folgen Regie. "Hirschbiegel war häufig in Wien und saß oft im Kaffeehaus meines Vaters", sagt Kren. "Ich bin immer zu ihm hin, habe ihn über den Beruf ausgefragt und nicht locker gelassen. Er war damals mein erster Mentor!"

Hirschbiegel selbst ist die Welt von "4 Blocks" nicht fremd. "Ich bin in Hamburg mehr oder weniger auf der Straße groß geworden, war auch im Milieu unterwegs und bekam automatisch einiges mit", erklärt der 60-Jährige. Die letzten vier Folgen inszeniert Özgür Yıldırım, dem mit dem Kinofilm "Nur Gott kann mich richten" ein Genre-Erfolg gelang. "Der Film wäre vielleicht nicht so erfolgreich geworden, wenn '4 Blocks' das Thema nicht so nach vorne gebracht hätte. Wir haben für andere die Türen geöffnet. Jetzt trauen sich alle, die Verbrecherseite zu zeigen", glaubt Kida Khodr Ramadan.

GOKA-Wertung

Nach zwei Folgen, die GOLDENE KAMERA vorab sehen konnte, spricht alles für eine aufregende Fortsetzung. "Aber es ist schwer, eine erste Staffel oder den ersten Film einer Reihe zu toppen", sagt Ramadan. "Das hat bisher nur 'Rocky' geschafft. Und 'Terminator'. Aber wir haben unser Bestes gegeben, damit '4 Blocks' es auch schafft."

Bildergalerie: 1. Staffel "4 Blocks"