Finale von "HoC": Die kaltblütigste Claire Underwood aller Zeiten

Spielt US-Präsidentin Claire Underwood in der finalen Staffel von "House of Cards" alle an die Wand? GOLDENE KAMERA schaut ihr ins Blatt.

Die Erwartungen sind hoch. Seit 2013 begeistert die auf Michael Dobbs Roman "Ein Kartenhaus" basierende Politsaga "House of Cards", die den Aufstieg des skrupellosen Strippenziehers Underwood zum US-Präsidenten und die Machenschaften seiner nicht minder machtgierigen Ehefrau Claire zeigt, Serienfans. Am 2. November, 20.15 Uhr, zeigt Sky Atlantic die erste Folge der finalen Staffel.

Trailer zur finalen Staffel "House of Cards"

Darum geht's in der 6. Staffel "House of Cards"

Der Präsident ist tot, lang lebe die Präsidentin! Wie es nach dem Ableben von Francis "Frank" Underwood (Kevon Spacey) weitergeht, hat Netflix nun in einem Trailer verraten – Vorsicht: Spoiler!

Powerplayerin Claire Underwood (Robin Wright) pokert allein um die Macht im Weißen Haus, mit ebenso dreckigen Tricks wie ihr verstorbener Gatte (und Ex-Präsident) Francis "Frank" Underwood, denn in den letzten acht Folgen drehen die Autoren noch einmal kräftig an der Spannungsschraube. Wer das Kartenhaus im Oval Office zum Einsturz bringt, ist geheim, doch Netflix-Programmchef Ted Sarandos versprach "einen emotionalen, stimmigen Abschluss".

Mächtige Gegenspieler

Im Serienfinale spinnt Claire Underwood, seit Ende der fünften Staffel US-Präsidentin, nicht nur wieder eifrig Intrigen, sie gerät auch an mächtige Gegenspieler. Mit den einflussreichen Geschwistern Annette (Diane Lane, "Justice League") und Bill Shepherd (Oscargewinner Greg Kinnear) verbindet Madame President eine wechselvolle Vergangenheit. Die zwei machen mithilfe ihres Konzerns Shepherd Unlimited und dessen Stiftungen kräftig Druck gegen ihnen unliebsame politische Entwicklungen.

Klingt vertraut? Die Muskelspiele des Shepherd-Duos hat sich das Autorenteam bei den milliardenschweren Unternehmern Charles G. und David H. Koch abgeguckt. Das in den USA als "Kochtopus" bezeichnete Lobbynetzwerk der erzkonservativen Brüder ist berüchtigt.

Ebenfalls neu dabei: Annette Shepherds ehrgeiziger Sprössling Duncan, gespielt vom Australier Cody Fern ("American Horror Story"). Durch den Washingtoner Politsumpf waten zudem alte Bekannte wie Michael Kelly als Doug Stamper oder Jayne Atkinson als Catherine Durant.

Das Serienaus

Dass es überhaupt eine sechste Staffel gibt, ist nicht zuletzt Robin Wright zu verdanken, die sich energisch für eine Fortsetzung und den Erhalt der damit verbundenen Arbeitsplätze einsetzte, nachdem "House of Cards" Ende Oktober 2017 vor dem Aus stand. Kurz nach Beginn der Dreharbeiten hatte Schauspieler Anthony Rapp sexuelle Belästigungen von Hauptdarsteller Kevin Spacey öffentlich gemacht, daraufhin packten 14 weitere Kollegen über Verfehlungen des Serienstars aus. US-Produzent Netflix feuerte den heute 59-Jährigen. Der Oscarpreisträger starb den Serientod, zwei bereits gefilmte Episoden landeten im Giftschrank. In der aktuellen Staffel bleibt von Underwood nur ein Grabstein, der ausgerechnet neben dem seines ungeliebten Vaters steht.

Lange schwieg Robin Wright zum tiefen Fall ihres Co-Stars. Erst vor wenigen Wochen sagte sie dem US-Sender NBC, dass sie keinen privaten Kontakt zu Spacey gehabt habe: "Kevin und ich kannten uns zwischen 'Action' und 'Cut'." Er sei nett und höflich gewesen, "und seine beeindruckende Schauspielkunst habe ich immer bewundert".

Dass die Underwoods nach der sechsten Staffel abdanken, sei bereits vor dem Skandal geplant gewesen, heißt es aus Produzentenkreisen, doch es wird bereits an einem Spinoff gebastelt. Wer auf fiktive Politskandale nicht warten will, schaltet einfach die Nachrichten ein. Wie sagte Robin Wright so treffend: "Donald Trump hat uns die besten Ideen für die sechste Staffel geklaut."

Der ausgeklügelte Mix aus bissigem Politthriller mit überraschenden Wendungen, perfekt komponierten, düsteren Bildern und ungewöhnlicher Erzähltechnik – Underwood richtet seine Kommentare teils direkt an die Zuschauer – wurde mit sieben Emmys und zwei Golden Globes ausgezeichnet.