Neuer Einsatz für "Die Bergretter"

GOLDENE KAMERA besuchte die Dreharbeiten zur 10. Staffel der Erfolgsserie "Die Bergretter" und erlebte die Stars in spektakulären Szenen.

Eine steile Felswand. Zu steil zum Weglaufen. Hündin Aika verharrt auf einem 50 Zentimeter breiten Vorsprung. Über ihr dröhnt ein Hubschrauber. Er wirbelt ihr flauschiges Fell auf. Sie bellt nicht, jault nicht und fügt sich, als der Bergretter neben ihr auf dem Felssims landet. Er legt ihr einen Gurt an, wenig später hängen beide schon 20 Meter unter dem knallgelben Heli – und schweben davon.

10. Staffel "Die Bergretter"

Aika "arbeitet" eigentlich bei der Bergrettung Ramsau in der österreichischen Steiermark als Lawinenhund. Doch an diesem Julitag ist der Altdeutsche Hütehund in der Öfenschlucht bei Gröbming ein geduldiger Statist beim Dreh für die zehnte Staffel der ZDF-Serie "Die Bergretter" (ab 15. November, 20.15 Uhr, ZDF). Der Hund ist laut Drehbuch in die Tiefe gestürzt. Geborgen wird er von keinem Geringeren als Markus Kofler, dem Leiter der TV-Bergwacht, gespielt von Sebastian Ströbel.

Was für TV-Krimis der Mord ist, ist für "Die Bergretter" der Absturz. Was man beim Drehen der Szene gar nicht spürt, ist die Gefahr, die in dieser Aktion steckt. "Es kommt vor, dass in bestimmten Felsformationen überraschende Windstöße am Hubschrauber rütteln", sagt Heribert Eisl, der als echter Leiter der Bergrettung Ramsau den Dreh begleitet.

Actionserie aus den Alpen

Was genauso wenig deutlich wird, ist der Aufwand, mit dem Regisseur Steffen Mahnert seine Filmbilder für die fast zehn Jahre alte Actionserie aus den Alpen komponiert. Wieder und wieder lässt er seinen Hauptdarsteller per Kran an einem Seil hängen, um zu filmen, wie sich Ströbel und Hund Aika eine belegte Semmel teilen. Dann folgt endlich sein freundlicher Ruf: "Aus! Danke!" Die aufwendige Szene ist im Kasten.

Ströbel hat wieder Boden unter den Füßen. Er gesellt sich zur Filmcrew und verbreitet mit jungenhaftem Charme gute Laune. Seine angenehm ruhige Stimme steht dabei im Kontrast zu seinem Bewegungsdrang. Er hat erkennbar den Schalk im Nacken, bleibt aber stets höflich. "Er ist sehr hilfsbereit", lobt Bergretter Eisl. "Den würden wir sofort bei uns aufnehmen."

Helmpflicht für jeden am Set

Mehr als fünf Millionen TV-Fans schalten regelmäßig ein, wenn der 41-Jährige an Felswänden klettert, über Gletscherspalten springt, in eiskaltes Gebirgswasser eintaucht oder am fliegenden Rettungshubschrauber hängt. "Wir wollen möglichst nah an der Realität sein. Und ich versuche, so viele Stunts wie möglich selbst zu machen", schmunzelt der Vater dreier Töchter, der mit seiner Familie in Hamburg lebt und fast sechs Monate im Jahr in Österreich dreht. "Für mich ist das hier wie ein Abenteuer." Blaue Flecken, Schürfwunden und Prellungen seien obligatorisch im Drehalltag.

Doch so viel Euphorie der Job dem gebürtigen Karlsruher bereitet, so anstrengend und riskant kann er auch sein. "In den Bergen lauern überall Gefahren", weiß Eisl aus 40 Jahren Einsatzerfahrung rund um den Dachstein. "Falls etwa ein Gewitter droht oder Steinschlag." Ein Helm sei deshalb Pflicht für jede Person am Set.

Luise Bähr als Katharina Strasser

Ortswechsel. Entspannt liegt Luise Bähr auf der Wiese vor einer Jagdhütte in 1150 Metern Höhe. Die Akteurin wartet darauf, dass sie zum Einsatz kommt – als Sanitäterin Katharina Strasser. "Eine starke Frau", wie sie findet.

Während der Drehmonate wohnt die Wahlberlinerin bei einem Tierarzt mit Bauernhof in Ramsau. Ihre zweijährige Tochter ist immer dabei. Der Opa passt auf den Nachwuchs auf, wenn die 39-Jährige arbeitet. An drehfreien Tagen hilft sie bei der Heuernte mit oder füttert mit ihrer Kleinen die Schweine. Sie sei "ein Naturmensch", sagt Luise Bähr. Und schwärmt: "Es ist ein Geschenk, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen."

Dann endlich ihr Auftritt: Sie steht mit Ströbel und Aika an einem Geröllhang. Auf einmal erfasst sie ein Luftstoß, ein "Downwash" vom Heli. Staub wirbelt auf. Bähr rutscht ab, mit dem Hund in den Armen. Ein kurzer Aufschrei im Team. Doch die sportliche Akteurin fängt sich.

Nein, sie habe "keinen Schreck bekommen", nur gedacht, "hoffentlich ist der Hund okay", erzählt sie später. Und wirkt dabei genauso taff wie ihre Serienfigur. Der plötzliche Wirbel, der Fluglärm, die fliegenden Steine – das ist mehr Action, als im Drehbuch steht.

Feierabend. Die Schauspieler laden zum Sundowner auf die Terrasse eines alten Hauses in Ramsau. Ströbel mixt Cocktails, Bähr schneidet Pizza für die 30-köpfige Crew. In der Ferne leuchtet der Dachstein im letzten Sonnenlicht. Majestätische Felsen, die neue Abenteuer versprechen.