"Die Kanzlei": Postel und Knaup im Interview zur neuen Staffel

Die Fälle der "kleinen Leute" stehen auch bei den neuen Folgen der beliebten Anwaltsserie "Die Kanzlei" im Mittelpunkt.

In ihrem Büro in Hamburg-Altona streiten die beiden Anwaltspartner Isa von Brede (Sabine Postel) und Markus Gellert (Herbert Knaup) in den elf Folgen der drittel Staffel weiter für das Recht ihrer oft einfachen Klienten und loten dabei immer wieder die Grenzen des Gesetzes aus. Auf unterhaltsame Weise verhandelt "Die Kanzlei" (ab 6. November, 20.15 Uhr im Ersten) neben den aktuellen und teils skurrilen Fällen auch immer die moralische Frage: Wie verhalten wir uns richtig?

Die Stimmung ist bestens, als sich Sabine Postel (64) und Herbert Knaup (62) zum Gespräch in Hamburg einfinden. Die beiden umarmen sich, machen Scherze, plaudern angeregt. Beide sind schon seit über 40 Jahren feste Größen im deutschen TV-Geschäft.

GOLDENE KAMERA: Frau Postel, Herr Knaup, Sie haben hier in Hamburg gerade knapp vier Monate lang für die neuen Folgen Ihrer Serie „Die Kanzlei“ vor der Kamera gestanden und vertragen sich offenbar immer noch sehr gut. Sind Sie so eine Art Traumduo?

HERBERT KNAUP (GOLDENE KAMERA 2005): Bei mir hat es von Anfang an gefunkt. Ich kam 2015 neu zu der Serie dazu, Sabine war bereits dabei. Wir hatten vorher noch nie zusammen gedreht. Schon beim Casting habe ich gemerkt, dass sie ein toller Mensch ist und wir eine exzellente Kollegenkombination abgeben.

SABINE POSTEL: Das habe ich auch so empfunden. Schauspielerisch waren alle Kandidaten geeignet. Aber es geht auch darum, mit wem man über eine lange Zeit zusammenarbeiten möchte. Ich hatte ein Mitspracherecht und habe gesagt: Den Knaup kann ich mir supergut vorstellen.

In welchen Momenten macht sich Ihr gutes Verhältnis zueinander denn besonders bemerkbar?

KNAUP: Bei diesem enorm langen Dreh vor allem dann, wenn sich Routine einschleicht. Sobald der Verdacht aufkommt, dass einer von uns nicht mehr ganz bei der Sache ist, schüttelt ihn der andere ordentlich durch. Denn wir müssen die Geschichten lebendig erhalten, wir haben eine Verpflichtung den Zuschauern gegenüber.

POSTEL: Wir sprechen immer offen miteinander. Zudem herrscht ein wirklich tiefes Grundvertrauen zwischen uns.

Die Kanzlei“ hat einen schwierigen Weg hinter sich. Früher hieß die Serie „Der Dicke“, Dieter Pfaff spielte die Hauptrolle. Als Dieter Pfaff 2013 starb, kam Herr Knaup dazu, die Serie wurde als „Die Kanzlei“ weitergeführt. Hätten Sie gedacht, dass diese Entscheidung beim Publikum ankommt?

POSTEL: Das war ein Risiko, klar. Wichtig war, dass wir die Serie im Geiste von Dieter Pfaff weitergeführt haben, sie war seine Idee. Das heißt: Die Geschichten handeln von ganz normalen Menschen, kommen mitten aus dem Leben. Wir erzählen sie über gute Dialoge, mit Herz und Witz.

KNAUP: Außerdem wurde meine Rolle, der Anwalt Markus Gellert, nicht urplötzlich, sondern nach und nach eingeführt. Das war für die Serie ein eleganter, behutsamer Neustart nach dem für uns alle unfassbaren Tod von Dieter Pfaff.

Sie sind beide seit fast 40 Jahren im TV-Geschäft. Wie hat sich die Arbeit für Schauspielerinnen und Schauspieler in dieser Zeit verändert?

KNAUP: Wir sind heute älter, schöner und interessanter als vor 40 Jahren! Aber im Ernst: Grundsätzlich ist der Druck beim Drehen deutlich größer geworden. Es gibt weniger Drehtage als früher, und die einzelnen Arbeitstage sind länger. Zwölf Stunden am Stück sind mittlerweile normal. Das betrifft das ganze Team.

POSTEL: Früher wurden manche Szenen 40-mal gespielt, bis der Regisseur zufrieden war. Heute wird eine Szene höchstens drei- bis viermal wiederholt, dann geht es mit der nächsten weiter. Das ist eine Herausforderung. Die Qualität muss darunter nicht leiden, aber sie tut es manchmal eben doch.

KNAUP: Vor 20 Jahren wurde am Set deutlich mehr diskutiert. Das ging mir aber auch hin und wieder auf die Nerven. Ich habe mich dann oft gefragt: Wann fangen wir endlich an?

Sie sind beide ungefähr gleich alt. Es heißt oft, dass es für Frauen mit den Jahren schwieriger wird, gute Rollen zu bekommen. Männer hätten dieses Problem weniger. Können Sie das bestätigen?

POSTEL: Bei Frauen wird es mit Anfang 40 schwierig. Wer sich bis dahin nicht etabliert hat, bekommt ein Problem. Ich empfinde mich als privilegiert. In meiner Altersgruppe gibt es außer mir vielleicht fünf Kolleginnen, die noch regelmäßig gute Rollen spielen dürfen.

Warum gehören Sie dazu?

POSTEL: Ich habe nie versucht, das hübsche Mäuschen von nebenan zu spielen. Die wachsen nämlich nach und ersetzen einen, wenn man älter wird. Schon junge Schauspielerinnen sollten deshalb versuchen, eine gewisse Tiefe zu bekommen, Charakterrollen zu spielen – und nicht nur ihr hübsches Gesicht in die Kamera halten. Nur dann haben sie eine Chance, in der Branche zu überleben.

KNAUP: Das hängt natürlich auch von den angebotenen Drehbüchern ab. Ich habe aber den Eindruck, dass es heute mehr tiefgründige Frauenrollen gibt. Es werden nicht mehr nur „die jungen Weibchen“ für die Nebenrolle an der Seite von starken Männern gesucht.

Wie ist es denn bei Männern? Haben die es im Alter etwas leichter?

KNAUP: Bei Männern beginnt das Problem etwa zehn Jahre später, ab 50 kommen die guten Angebote seltener. Aber da es insgesamt immer noch deutlich mehr Männer als Frauenrollen gibt, wiegt das Problem nicht ganz so schwer. Was für eine Rolle würden Sie in nächster Zeit gern einmal spielen?

POSTEL: Ich habe noch nie eine richtig große Rolle in einem Historienfilm gespielt. Das möchte ich gern mal machen.

In welcher Epoche?

POSTEL: Ende der 1920er-Jahre in Deutschland, diese dramatische Umbruchzeit, das würde mich reizen. Die Psychologie einer Frau, die sich unterdrückt fühlt, die sich wehren will, aber nicht den richtigen Weg findet – das wäre ein tolles Thema.

Und Sie, Herr Knaup?

KNAUP: Ich bin ein Menschendarsteller, der gern Aufträge annimmt. Selbst welche zu formulieren ist nicht so meine Sache.

Sie könnten beim Historienfilm von Frau Postel mitmachen.

KNAUP: Da wäre ich sofort dabei!

POSTEL: Wunderbar!

Worum geht's in der 3. Staffel "Die Kanzlei"?

In der ersten neuen Folge "Kinderkram" will Silke Brandner (Odine Johne) den größten Fehler ihres Lebens korrigieren und die Kanzlei soll ihr dabei helfen. Sie hat im Alter von 15 Jahren ein Kind zur Welt gebracht und nach der Geburt auf Druck ihrer Eltern zur Adoption freigegeben. Isa von Brede übernimmt den Fall. Markus Gellert befürchtet währenddessen, dass sein Sohn Viktor (Levin Liam) in die Fänge einer christlich-fundamentalistischen Sekte geraten ist.

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