"Dogs of Berlin": Kampf um die Hauptstadt

Eine Metropole lebt im Ausnahmezustand: Was die neue Krimiserie "Dogs of Berlin" so erschreckend aktuell macht. GOLDENE KAMERA sprach mit Regisseur Christian Alvart.

In der neuen Netflix-Serie "Dogs of Berlin" (10 Folgen, ab dem 7. Dezember 2018 bei Netflix) mit Fahri Yardim und Felix Keller müssen zwei Berliner Cops den Mord an einem Fußballstar aufklären. Außerdem dabei: Katrin Sass als rassistische Oma, Mišel Maticevic als Gangsterboss oder Anna Maria Mühe als Assi-Mama, die ihre Hartz- IV-Bezüge mit Telefonsex aufbessert.

Trailer zu "Dogs of Berlin"

Darum geht's in "Dogs of Berlin"

Berlin-Marzahn: Einen Tag vor dem Spiel Deutschland-Türkei wird dort zwischen Hochhäusern die Leiche eines Fußballstars gefunden. Wer hat den deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln ermordet: Neonazis? Fanatische Fans? Die Wettmafia?

Ein Fall mit politischer Sprengkraft. Lösen soll ihn ausgerechnet ein ungleiches Polizistenduo wider Willen: Kurt Grimmer (Felix Kramer, "Der Zürich-Krimi"), der selbst aus einem rechtsextremen Elternhaus stammt, und Erol Birkan (Fahri Yardım, "Jerks"), der in einem der sozialen Brennpunkte Berlins aufwuchs.

Hintergrund

Mit der temporeichen Krimiserie "Dogs of Berlin" liegt Netflix im Trend. Der weltweit vertretene Streamingdienst will an jüngste Auslandserfolge deutscher Serien wie "Babylon Berlin", "Dark" und "Das Boot" anknüpfen. Auf den ersten Blick treibt "Dogs" die hitzige Debatte um Nationalspieler Mesut Özil makaber auf die Spitze. Doch: Die Pilotfolge hatte ihr Schöpfer und Regisseur Christian Alvart (Tschiller-"Tatorte") schon 2009 geschrieben. Nachdem das anfängliche Interesse des NDR versandete, schlug Netflix zu und gab grünes Licht für zehn Folgen.

Als Özils Foto mit Erdogan im Mai 2018 Schlagzeilen machte, hatte Alvart seine Serie bereits abgedreht. Von deren Aktualität wurde er selbst überrascht. "Es war unheimlich", erinnert sich der Regisseur im Interview mit GOLDENER KAMERA. "Als nach der WM rauskam, dass sich Spieler 'Kanaken' und 'Kartoffeln' nannten, dachte ich: 'Das ist doch unser Thema'." Und er sieht weitere Parallelen – im Erstarken der politischen Rechten. "Als ich 2009 das Skript schrieb, war es eine Debatte im Untergrund. Heute ist es Mainstream."

Der Mordfall der Serie macht die Bruchstellen zwischen den Kulturen in Berlin offensichtlich. "Die Stadt wird in all ihren Facetten erzählt", sagt Wahlberliner Fahri Yardim. "Hier treffen unterschiedlichste Lebensentwürfe aufeinander, vom Sportfunktionär im Nadelstreifen bis zum Junkie. Dieser Flickenteppich ist für mich Berlin!"

Christian Alvart: "Dann ist es wohl nicht so gut gelaufen."

Wie rau das Klima in Berlin sein kann, erlebte das Team bei der Produktion. "Bei einem Nachtdreh", erzählt Darsteller Felix Kramer, "schrie einer aus dem Fenster: 'Macht das Licht aus, ihr Wichser!' Dann flogen auch schon Flaschen in unsere Richtung." Gemischte Gefühle haben die Stars auch angesichts der 130 Millionen Netflix-Kunden, die sie bald sehen können. "Klar kitzelt es das Ego, dass ein weltweites Publikum zusehen könnte", gibt Yardim zu. "Gleichzeitig fühlt man sich ziemlich klein."

Eine Folge des Weltvertriebs: Für die englische Fassung synchronisieren sich Yardim und Co. selbst. Wie viele Zuschauer tatsächlich zusehen, werden sie wohl nicht erfahren; die Abrufzahlen hält der Streamingdienst geheim, selbst vor Showrunner Christian Alvart. "Zum Glück kenne ich die US-Mentalität etwas. Vielleicht kommt ja am Tag danach ein Präsentkorb. Und wenn keiner mehr meine Anrufe annimmt? Dann ist es wohl nicht so gut gelaufen", sagt Alvart und lacht.

Buntes Großstadtpanaroma, das prominent besetzt ist.