Nikolai Kinski: "Die Verbindung zwischen Körper und Geist hat viel mit mir gemacht"

Nikolai Kinski spielt in der neuen Crimeserie "Dead End" (26. Februar 2019, 21.45 Uhr, ZDFneo) den amerikanischen Freund der Pathologin Emma. Wir trafen den 42-jährigen Schauspieler zum Interview.

Als Emma (Antje Traue, hier im Interview) von New York in die Brandenburger Provinz zieht, lässt sie ihren Freund Kevin (Nikolai Kinski) in Amerika zurück. Der reist ihr jedoch nach – anscheinend hütet er ein schreckliches Geheimnis. Ein Interview.

Trailer zu "Dead End"

Interview mit Nikolai Kinski

Was ist das Besondere an "Dead End"?

Dass die Serie einen völlig eigenen Rhythmus hat! "Dead End" spielt in einem kleinen Paralleluniversum, das wie ein halbrealer Ort wirkt. Dort leben verschiedenste, schräge, aber teilweise auch tragische Gestalten. Und obwohl es in "Dead End" um Leichenbeschauung und somit um kuriose Kriminalfälle und schwarzen Humor geht, steht im Vordergrund etwas anderes – und zwar die tragikomische Beziehung zwischen einem alternden, demenzkranken Leichenbeschauer und seiner geheimnisvollen Tochter. Emma ist eine Anti-Heldin, aber man schaut ihr gerne zu, wie sie die Probleme meistert. In Deutschland hat es lange gedauert, bis man sich an derartige Antihelden heran getraut hat – aber jetzt ist es endlich soweit!

Was mögen Sie an Ihrer Rolle?

Nach den ersten Gesprächen mit dem Regisseur und Drehbuchautor Christopher Schier war ich sofort davon überzeugt, dass ich Kevin spielen möchte. Das Interessante an der Rolle ist, dass Kevin nur in wenigen Szenen auftaucht, aber trotzdem die ganze Zeit präsent ist – weil man sich als Zuschauer fragt, was er von Emma will. Kevin ist wichtig für den Spannungsaufbau, und er repräsentiert viel von Emmas Vergangenheit sowie einen Teil ihrer Psyche, mit der sie nicht konfrontiert werden will.

Wären Sie in einer zweiten, potenziellen Staffel theoretisch nochmal dabei?

Auf jeden Fall.

In einer Filmszene müssen Sie sehr lange still liegen. Wie schwer ist es, wenn man nicht mit mal den Wimpern zucken darf?

Das war manchmal wirklich schwer – obwohl es gar nicht danach aussieht. Aber ich musste mich total anstrengen, und wir haben zwischendurch auch ziemlich oft abgebrochen, weil ich nach 30 Sekunden tatsächlich mit den Augen gezwinkert habe.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Rollen aus? Geht es dabei vorrangig um den Inhalt und Figuren oder auch um die Zusammenarbeit mit bestimmten Regisseuren und Kollegen?

Das ist immer unterschiedlich. Die Rollen, die mir am meisten gebracht haben, waren immer diejenigen, vor denen ich vorher am meisten Angst hatte.

Gibt's dafür ein Beispiel?

Ich finde es immer wieder interessant, Menschen zu spielen, die es tatsächlich gab oder gibt – weil man sich als Schauspieler anders darauf vorbereitet. Ein gutes Beispiel ist Rudolf Nurejew. Bei diesem Projekt hatte ich nicht einmal drei Monate Zeit, um mich physisch auf die Körperlichkeit und das Tanzen vorzubereiten. Nurejew zu spielen war eine körperliche und mentale Wahnsinnserfahrung – und die Verbindung zwischen Körper und Geist hat auch sehr viel mit mir gemacht. Alles in allem war das Projekt eine extreme, körperliche Transformation, und insofern total anders, als wenn man nur eine mentale psychische Veränderung spielt.

Schlussfrage: Was sind Ihre nächsten spruchreifen filmischen Projekte?

Aktuell bin ich auf Netflix in der 3. Staffel von "Berlin Station" zu sehen. Ich spiele einen Russen, und musste dafür Russisch lernen. Und ich freue mich auf den Kinostart von "Traumfabrik" im Herbst. Inhaltlich geht‘s um eine große Liebesgeschichte, die sich 1961/62 – also zur Zeit des Mauerbaus – in den Babelsberger Filmstudios ereignete. Bei "Traumfabrik" gibt es viel Film im Film, und ich habe einen Schauspieler gespielt, der wie ein Mix aus Alain Delon und Omar Sharif wirkt. Dabei durfte ich auch, als eben jener Schauspieler, in verschiedenste Rollen schlüpfen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.