"I Am the Night": Der Serienhit von "Wonder Woman" Patty Jenkins

Mit der True-Crime-Miniserie "I Am the Night" tauchen Regisseurin Patty Jenkins und ihr "Wonder Woman"-Co-Star Chris Pine in die Mysterien rund um den Mord an der "Schwarzen Dahlie" ein.

Bisher kennt man sie als gefeierte Regisseurin des Superheldinnen-Blockbusters "Wonder Woman". Mit dem düsteren True-Crime-Sechsteiler "I Am the Night" (ab 28. Februar, 20.15 Uhr bei TNT Serie) drückt Patty Jenkins jetzt auch dem Seriengeschäft ihren Stempel auf.

Hintergrund: Der "Schwarze Dahlie"-Mord

Der brutale Mord an Elizabeth Short, einer jungen Schönheit, die den Beinamen "Schwarze Dahlie" erhielt, löst bis heute eine verstörende Faszination aus. Der Fund ihrer Leiche – der Körper war in zwei Teile durchtrennt, zudem waren Geschlecht und Brüste verstümmelt und die Mund­winkel aufgeschlitzt worden – sorgte 1947 wochenlang für Schlagzeilen.

Heute gilt er als eines der berüchtigsten ungelösten Verbrechen, die Los Angeles je in Atem hielten. Nicht zuletzt durch James Ellroys Bestseller­-Thriller "Die Schwarze Dahlie" von 1987 wurde der Fall weltberühmt.

Originaltrailer zur Thriller-Verfilmung "Black Dahlia" (2006)

Nun ruft ihn "Wonder Woman“"-Regisseurin Patty Jenkins erneut in Erinnerung: Sie hat sich wieder mit Hollywoodstar Chris Pine zusammengetan, um den Grusel aus neuer Perspektive zu erzählen.

Hintergrund: Die Entstehung von "I Am the Night"

Eine Verabredung im Coffeeshop vor zehn Jahren inspirierte Patty Jenkins zur Produktion der neuen Miniserie "I Am the Night": Eine Frau namens Fauna Hodel verriet ihr ihre tragische Lebensgeschichte.

"Ich konnte kaum glauben, was sie erzählte und anhand eines Fotoalbums beweisen konnte. Sie hatte einst sogar selbst einen Film über ihr Leben gemacht, aber ihr Großvater hatte dem Projekt einen Riegel vorgeschoben. Niemand sollte es sehen, solange er lebte“, erzählt Jenkins.

"Was mich aber am meisten faszinierte, war, dass sie trotz ihrer dunklen Geschichte ein sehr helles Gemüt hatte."

1951 wurde die weiße Fauna Hodel nach ihrer Geburt einer jungen Afroamerikanerin überge­ben, die als Toilettenfrau in einem Casino in Nevada arbeitete. Um sicherzustellen, dass das Kind nie wieder zu seiner weißen Familie zurückkehren würde, hatte ihre erst 16­-jährige Mutter dafür gesorgt, dass in der Geburtsurkunde der Vater ihres Babys als "Neger" aufgeführt war.

Fiona Hodel hat 2008 ihre Leben in der Autobiographie "One Day She'll Darken – The Mysterious Beginnings of Fauna Hodel" festgehalten. Die Fertigstellung von Jenkins' Serienadaption erlebte die Autorin leider nicht mehr: Sie starb 2017 an Krebs.

Darum geht's in "I Am the Night"

"I Am the Night" erzählt nun in sechs Folgen, wie Fauna Hodel (India Eisley), genannt Pat, die im Glauben aufwuchs, gemischtrassig zu sein, sich auf die ge­fährliche Suche nach ihrer leiblichen Mutter in L.A. begibt.

Patty Jenkins, die auch bei den ersten beiden Folgen Regie führte, konnte Chris Pine für einen zweiten Handlungsstrang gewinnen: Er spielt den Re­porter Jay Singletary, der schon einmal mit einer Story über die Schwarze Dahlie auf die Nase fiel.

Die Spuren, die Fauna und Singletary verfolgen, führen zu ein und derselben Person: Dr. George Hodel (Jefferson Mays), ehemals ein an­gesehener Gynäkologe, der aufgrund von Missbrauchsvorwürfen in Verruf geriet.

Teaser-Trailer zur True-Crime-Miniserie "I Am the Night"

Hodels realer Sohn Steve, ein früherer LAPD­-Mordkommissar, geht bis heute da­von aus, dass sein Vater Elizabeth Short – und möglicherweise weitere junge Frauen – in seinem Haus, dem berühmten, von Frank Lloyd Wright entworfenen John Sowden House, ermordet hat.

Dass die Se­riencrew auch an diesem Originalschauplatz drehen konnte, verstärkt den morbiden Grusel, der sich wie ein Schleier über die Episoden legt.

"I Am the Night"-Schöpferin Patty Jenkins im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie sind Sie auf die Geschichte von Fauna Hodel gestoßen?

PATTY JENKINS: Vor zehn Jahren hat ein Freund zu mir gesagt: "Ich möchte dir Fauna Hodel vorstellen. Sie hat eine Geschichte für dich, die Du Dir unbedingt anhören musst." Diesen Satz höre ich so oft, denn Menschen schlagen mir ständig ihre Idee für einen Film vor. Aber ich war gerade Mutter geworden und hatte dadurch etwas Zeit. Und da mein Interesse geweckt war, habe ich mich mit Fauna verabredet und von ihrer Identitätssuche erfahren.

Auch in "Wonder Woman" geht es um die Suche nach Identität. Warum fasziniert Sie dieses Thema so sehr?

Weil die Suche nach Identität auch ein sehr großer Aspekt in meinem Leben ist. Als Kind habe ich an sehr vielen verschiedenen Plätzen der Welt gelebt.

Durch das Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen wie in Thailand oder in Deutschland habe ich gelernt, dass Menschen eigentlich gar nicht so unterschiedlich sind. Deswegen stelle ich Monster wie etwa George Hodel menschlich dar, denn für ihn war seine schreckliche Tat gerechtfertigt.

Der Mordfall der "Schwarzen Dahlia" hält die Welt und Hollywood seit 1947 in Atem. Was macht dieses Verbrechen so besonders?

Die Präzision, mit der dieser Mord ausgeführt und die Leiche hinterlassen wurde, ist der Stoff für Albträume. Der Gedanke, dass ein Mensch zu so etwas überhaupt in der Lage ist, ist extrem erschreckend. In "I Am the Night" geht es nur indirekt um den Mordfall, aber durch diese Serie kann die Welt vielleicht das Warum verstehen lernen.

George Hodel war ein Chirurg, der im Keller illegal Abtreibungen durchführte, und der tief mit der Welt der surrealistischen und dekonstruktivistischen Kunst etabliert war. Viele Künstler dieses Stils waren sehr frauenfeindlich. Der Gedanke, dass dieser Mord als Aktionskunst angesehen werden könnte, jagt mir einen Schauer über den Rücken.

Interview: Anke Hofmann