Chaos an der Wall Street: "Black Monday"

Die Serie "Black Monday" mit Don Cheadle erzählt vom großen Börsencrash des Jahres 1987 – als durchgeknallte Comedy! Wir haben mit dem Golden Globe-Gewinner ("House of Lies") gesprochen.

Montag, der 19. Oktober 1987 ging in die Finanzgeschichte ein: als der damals größte Börsencrash nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen Eröffnungsglocke und Börsenschluss war der Dow-Jones um unglaubliche 22,6 Prozent abgestürzt, 500 Milliarden Dollar einfach verpufft.

Bis heute rätseln die Experten, was den Crash überhaupt verursacht hat – aber mit so langweilligen Faktoren wie der damaligen Inflation und einem hohen US-Handelsdefizit hält sich die neue Comedy "Black Monday" (ab 11. März, 20.15 Uhr bei Sky Atlantic HD) erst gar nicht lange auf. Die Serienschöpfer David Caspe und Jordan Cahan erzählen stattdessen ihre eigene, erheblich unterhaltsamere Story vom Untergang an der Wall Street.

Darum geht's in "Black Monday"

Gewaltig kracht es gleich zu Beginn der Serie: Ein Yuppie stürzt sich am Schwarzen Montag aus dem Wolkenkratzerfenster, so, wie es tatsächlich einige Händler damals taten. Sein Gesicht sehen wir nicht, nur eine protzige Uhr und ein Krawatten-Pin geben Hinweis auf seine Identität.

Dann springt die Serie ein Jahr zurück – zu den Besitzern dieser Accessoires: Maurice "Mo" Monroe (Don Cheadle) und seiner Crew. Mo fährt einen zur Stretchlimousine verlängerten Lamborghini. So unsportlich wie unbequem, aber selbst in Manhattan ein Hingucker! Er schnupft Kokain in rauen Mengen und ist mächtig genervt, dass seine Trading-Firma The Jammer Group nur die elfterfolgreichste an der Wall Street ist.

Mo steht mit seiner Geldgier Jordan Belfort aus "The Wolf of Wall Street" in nichts nach – aber er ist ein Außenseiter, der nicht zum elitären Klub der weißen Jungs der Wall Street gehört. Sein Team zelebriert die An- dersartigkeit. Nun gut, es besteht zwar komplett aus sexistischen Chauvis, aber immerhin jeglicher Couleur, darunter ein Muslim (Yassir Lester), ein Latino (Horatio Sanz) und ein Jude (Paul Scheer). Dazu kommt die afroamerikanische, super-toughe Dawn Darcy (Regina Hall), die Mo immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Originaltrailer zur Serie "Black Monday"

Mo will es der aufgeblasenen Konkurrenz, etwa den Lehman-Brüdern Larry und Lenny (Ken Marino in einer Doppelrolle) zeigen. Er schmiedet einen hochriskanten Plan, der nur gelingen kann, wenn er den so motivierten wie naiven Frischling Blair Pfaff (Andrew Rannels) für sich gewinnen und manipulieren kann. Doch Blair lernt verblüffend schnell dazu.

Hintergrund zur Serie

"In unserer Serie gibt es Chancengleichheit, was die Beleidigungen angeht", sagt Don Cheadle im Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA und lacht. "Wer dünnhäutig ist und politische Korrektheit sucht, liegt bei 'Black Monday' total falsch."

Deutlich zu spüren ist die Handschrift der Komödienspezialisten und Executive Producer Seth Rogen und Evan Goldberg ("Das ist das Ende"), die seit der Kindheit miteinander befreundet sind und auch die Pilotfolge inszenierten. "Seth und Evan sind sozusagen unsere Paten, und alle Darsteller sind mehr oder weniger ihre Opfer, denn niemand ist vor ihren Attacken sicher", sagt der 54-jährige Cheadle über den unverblümten Humor der beiden Herren.

Von Folge zu Folge wechseln Uhr und Anstecknadel munter die Besitzer, sodass die Frage, wer am Ende aus dem Fenster springt, zum großen Rätsel der Serie wird. Aber den Reiz von "Black Monday" macht etwas anderes aus: dicke Schulterpolster, monströse Handyknochen sowie Gags über Michael J. Fox, INXS, "Top Gun" und DeBarge versprühen gehörig 80er-Jahre-Kolorit. Selbst das damalige Originallogo des US-Senders Showtime wurde für die Serie wieder hervorgekramt.

"Black Monday"-Star Don Cheadle im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie haben Sie die 1980er erlebt?

DON CHEADLE: 1986 habe ich meinen Collegeabschluss gemacht, ich hatte also andere Sorgen als mir über Aktien den Kopf zu zerbrechen. (lacht) Aber es war eine tolle Zeit was Fashion und Musik betraf – und es ist super interessant zu sehen, dass das, was damals als super cool galt, jetzt total lächerlich wirkt! Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, diese Periode des amerikanischen Exzesses zu parodieren.

Nach "House of Lies" wollten Sie sich eigentlich auf Ihre Filmkarriere konzentrieren. Was hat Sie doch wieder in die Welt der Flimmerkiste zurück gebracht?

Es ist halt sehr schwer Nein zu Material zu sagen, das einem so sehr anspricht. Ich bin einfach nur daran interessiert, an Projekten zu arbeiten, die interessant sind und mich herausfordern – ob Film, Bühne oder TV spielt dann keine Rolle.

Die Welt der Wall Street ist ein Mysterium für mich...

Willkommen im Club! (lacht)

Ich nehme aber an, dass Sie für diese Rolle die Börse und den Aktienmarkt recherchiert haben. Sind Sie jetzt schlauer?

Etwa 11 Prozent schlauer? (lacht) Mich hat überrascht und schockiert, wie wenig selbst eingefleischte Börsianer darüber wissen und wie spekulativ der Aktienmarkt ist. Die Wall Street ist immer noch ein riskantes Glücksspie und wird von den großen Fischen regiert, die allen anderen die Konditionen diktieren. Und dabei werden die Schwankungen des Aktienmarkts sehr oft dadurch verursacht, dass Entscheidungen instinktiv getroffen werden, weil einem jemand auf der Toilette einen Tipp ins Ohr geflüstert hat.

Wie ist Ihre Beziehung zu Geld?

Geld ist nun mal eine Notwendigkeit. Ich habe für die Collegeausbildung meiner beiden Kinder bezahlt, dafür war sogar viel Geld notwendig. (lacht) Aber zum Glück haben mir meine Eltern beigebracht, nicht über meine Verhältnisse zu leben. Sie waren speziell in Geldangelegenheiten sehr konservativ und das habe ich mir von ihnen abgeguckt. Von meinem ersten Scheck an habe ich immer 90 Prozent des Betrages gespart. In den Augen meiner Frau reichen natürlich 50 Prozent völlig aus. (lacht)

Interview: Anke Hofmann