"Game of Thrones": Das letzte Gefecht

Wie endet die größte Serie der Welt? Wir waren bei den geheimen Dreharbeiten zur achten und finalen "Game of Thrones"-Staffel dabei und trafen nicht nur Jon Schnee und Drachenkönigin Daenerys zum Gespräch.

Kroatien, Malta, Island, Spanien: Früher musste man quer durch Europa fliegen, um alle "Game of Thrones"-Stars bei der Arbeit zu erleben. An diesem verregneten Novembertag aber reicht eine Reise nach Toome, Nordirland.

Am Set der finalen "Game of Thrones"-Staffel

Wir befinden uns auf einem Feldweg rund 40 Autominuten von Belfast entfernt. Gerade hat unser Auto eine Sicherheitskontrolle passiert. Nun folgen wir langsam der matschigen Piste zur Außenkulisse der Festung Winterfell – bis Peter Dinklage uns den Weg versperrt.

Der für seinen Humor bekannte Tyrion-Darsteller schlendert betont lässig vors Auto. Schließlich lässt er uns passieren. Liam Cunningham alias Davos sieht rauchend zu. Direkt daneben scherzt der glatzköpfige Conleth Hill (Varys) mit der hünenhaften Gwendoline Christie (Brienne). Und nur 30 Meter weiter stehen gerade die beiden großen Stars vor der Kamera: Emilia Clarke und Kit Harington reiten als Daenerys und Jon in Winterfell ein.

Mega-Finale mit Mega-Budget: 90 Millionen Dollar für sechs Episoden

Das Schicksal von Westeros – um nichts Geringeres geht es in der achten, finalen Staffel von "Game of Thrones". Nur logisch also, dass alle wichtigen Figuren des mit 47 (!) Emmys prämierten Fantasyepos endlich aufeinandertreffen und dabei wirft die GOLDENE KAMERA einen Blick hinter die Kulissen der größten Serie der Welt.

Die letzten sechs Folgen (zwischen 50 und 80 Minuten lang) geben Antwort auf die Frage, die Millionen Fans in aller Welt umtreibt: Wer sitzt am Ende auf dem Eisernen Thron? Daenerys? Jon? Ein ganz anderer? Vielleicht wird es nicht mal ein Mensch sein. Denn aus dem Norden rückt ein Feind an, der nicht von dieser Welt ist: der geisterhafte Nachtkönig mit seiner Untoten-Armee. Die Serie steuert auf den finalen Höhepunkt zu – die große Schlacht um Winterfell.

Der Familiensitz der Starks ist von Beginn an fester Bestandteil der Serie. Doch für Staffel 8 wurde die Außenkulisse deutlich vergrößert. Knapp drei Monate arbeiteten Kulissenbauer an neuen Wehrtürmen, Mauern und einem neuen Burgtor. Der Grund: Der Kampf um Winterfell soll in langen Szenen mit über 20 Hauptfiguren gefilmt werden.

Die Showrunner David Benioff und Dan Weiss planen eine Schlacht, die Filmgeschichte schreiben soll. Bislang gilt das Finale aus "Der Herr der Ringe 2" mit knapp 40 Minuten als längste Schlacht, "Game of Thrones" will das toppen. Dafür wird ein beträchtlicher Teil des 90 Millionen Dollar hohen Staffelbudgets investiert. Geplant sind Nachtdrehs mit 750 Menschen über elf lange Wochen.

Heute ist davon noch nichts zu sehen. Nach Jons und Daenerys' Szene bereitet das Team die imposante Winterfell-Kulisse für die nächste Aufnahme vor. Der epische Kampf gegen die Eis-Zombies wird später geheim gedreht. Noch ist der Winter nicht da, die kleinen Schneehügel bestehen aus Papierschnipseln. Stattdessen hat der nordirische Nieselregen den Boden endgültig aufgeweicht. Nach der Schlacht um Winterfell werden hier die Leichen vieler "Game of Thrones"-Helden liegen. Aber wer muss sterben?

Was passiert im "Game of Thrones"-Finale?

Sechs Wochen zuvor: In einem großen Raum der Titanic Studios in Belfast trifft sich der komplette Cast der Serie.

Der Anfang vom Ende: Tränen bei der Leseprobe

Anlass ist die Drehbuchlesung der finalen Staffel. Es herrscht eine fast andächtige Stimmung. Aus ausrangierten Türen und Pforten der Serie haben die Kulissenbauer eigens einen riesigen Tisch gezimmert, an dem alle Schauspieler Platz finden. Drei Tage zuvor haben sie die kompletten Drehbücher der letzten Staffel erhalten, und praktisch alle haben die Skripte sofort verschlungen. Sie wissen, wie die Serie endet. Nur einer nicht: Hauptdarsteller Kit Harington.

"Ich habe die Skripte bewusst nicht vorab gelesen", sagt Harington. Der Star hat Drehschluss für heute und ist gemeinsam mit Co-Star Emilia Clarke zu uns in einen Baucontainer gekommen, der am Set als Kleiderkammer dient. "Ich wollte", verrät Harington gegenüber GOLDENE KAMERA, "das Ende mit allen zusammen erleben."

Emilia Clarke ergänzt: "Dich zu beobachten, das war unbezahlbar! Du warst völlig geschockt." "Ja, es war ein Schlag in die Magengrube. Am Ende gab es Standing Ovations – und ich brach weinend zusammen, wie viele andere auch."

Haben die Serienmacher das perfekte Ende gefunden? Der Druck ist riesig. "Wir wollen das Vermächtnis der Serie nicht mit der letzten Staffel vermasseln", sagt Co-Autor David Benioff und verrät: "Manchmal checke ich online, ob Fans die nächsten Wendungen erraten. Es gibt immer einen, der richtig liegt, ohne es zu wissen. Ich bin froh, dass die meisten ahnungslos sind."

Damit das so bleibt, sind die Sicherheitsmaßnahmen streng wie nie. Bei unseren Handys wird die Kameralinse mit einem Aufkleber versiegelt. Erstmals gibt es keine Skripte oder Drehpläne auf Papier mehr, alles läuft digital ab. Zusätzlich hat die Produktion eine Flugverbotszone für Kameradrohnen über den Sets durchsetzen können. Und um mögliche Spione vollends zu verwirren, drehen die Macher mehrere Fake-Enden.

1. Original-Teaser zu "Game of Thrones"-Staffel 8

Bei den Darstellern kommt schon jetzt Wehmut auf. "Mit der Serie hatten wir 80 Stunden Zeit, Figuren zu erschaffen. Nichts danach wird für uns mit 'Game of Thrones' vergleichbar sein.“ Requisiten als Andenken bekommen die Stars nicht. "Ich hätte gern mein Schwert", sagt Kit Harington. "Aber, ich glaube, alles ist mittlerweile viel zu kostbar."

2. Original-Teaser zu "Game of Thrones"-Staffel 8

Harington hat recht: Im Rahmen einer Ausstellung werden die Requisiten um die Welt touren. Die Serie "Game of Thrones" geht zwar zu Ende, aber der Mythos lebt weiter. So, wie es sich für eine Fantasy-Saga gehört.

3. Original-Teaser zu "Game of Thrones"-Staffel 8

Ergänzende Interviews: Anke Hofmann