GOLDENE KAMERA-Kandidat "Eden"

Aufwühlend, aktuell, brisant: Die sechsteilige Miniserie "Eden" erzählt das Schicksal von Flüchtlingen in Europa.

Ein Sommertag in Griechenland. Familie Hennings genießt ihren Badeurlaub am Strand. Plötzlich taucht dort wie aus dem Nichts ein überladenes Boot mit Flüchtlingen aus Afrika auf, sie stürmen an Land. Die Familie ist geschockt.

Darum geht's in der Miniserie "Eden"

"Eden" (Folgen 1-3 am 8. Mai, ab 20.15 Uhr, Folgen 4-6 am 15. Mai, ab 20.15 Uhr, Das Erste) beginnt mit einem "Einbruch des Unerwarteten" – wie es Regisseur Dominik Moll nennt. Das Schicksal der Hennings', die beschließen zu helfen und den jungen Flüchtling Bassam aufnehmen, ist nur eine von fünf Geschichten.

Die anderen spielen in Beirut, Paris und in einem Flüchtlingscamp in Griechenland, wo es nicht nur um Asylsuchende aus Afrika geht, sondern auch um das griechische Wachpersonal. Und um die Betreiberin des Camps, die es auf EU-Gelder abgesehen hat – denn mit der Not der Flüchtlinge lässt sich viel verdienen.

Die internationalen Schauplätze und Figuren verdeutlichen: Das Flüchtlingsproblem ist ein europäisches. Der biblische Titel "Eden" ist eine bewusste Provokation: Die Flüchtlinge erleben eher die Hölle.

Hintergrund

Flüchtlingsdrama – das ist mittlerweile ein Reizwort. Als 2015 die Idee zum Film entstand, wurde in Deutschland gerade die Willkommenskultur gefeiert. Inzwischen ist die Stimmung gekippt. Angela Merkels Parole "Wir schaffen das" hallt noch nach, wird aber immer wieder gegen die Bundeskanzlerin verwendet. Die Haltung der Filmfamilie Hennings spiegelt die Stimmung von damals.

Juliane Köhler als Silke Hennings

Beim Versuch zu helfen stoßen die Hennings schnell an Grenzen: "Die Situation gerät ins Wanken, die Familie in eine komplette Schieflage", so Juliane Köhler. Sie spielt die Mutter, die Probleme mit ihrem Sohn bekommt, als der sich wegen des Flüchtlings zurückgesetzt fühlt.

Schnell wird klar: Guter Wille allein genügt nicht. Der Flüchtling Bassam verhält sich nicht so, wie es sich die Hennings vorstellten. Seine Verschlossenheit macht sie misstrauisch, Vorurteile brechen auf.

Juliane Köhler plädiert dafür, genau hinzuschauen: "Man sollte offen sein und versuchen, Flüchtlinge zu verstehen, ehe man vorschnell urteilt. Der Film zeigt ihre Perspektive. Das wirkt sehr eindrücklich, weil man erfährt, was das im tiefsten Inneren der Menschen bedeutet."

So entsteht Nähe, der Zuschauer erlebt das Schicksal der Flüchtlinge hautnah mit. Auch jenes von Adnan Jafar, der im Film Bassam spielt. Vor fünf Jahren ist er selbst aus Syrien geflohen. Heute spricht er perfekt Deutsch, spielt Theater und studiert an der TU München, um Umweltingenieur zu werden. Sein Beispiel dürfte viele Vorurteile widerlegen.

GOLDENE KAMERA-Kandidat, weil...

Der Film scheint Krimi und Tragödie zugleich. Dabei ist er keineswegs politisch korrekt, sondern zeigt die Probleme klar und schonungslos. Das ist sehr aktuell, politisch brisant und höchst relevant.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig!)