Neue Serie "Chernobyl": Super-GAU in der Ukraine

Die neuen Serie "Chernobyl" (ab dem 14. Mai, 20.15 Uhr, Sky Atlantic) erzählt die unfassbare Wahrheit über die Reaktorkatastrophe von 1986.

Eine Explosion weckt die Bewohner der ukrainischen Kleinstadt Prypjat. Blaue Flammen lodern über dem nahe gelegen Kernkraftwerk Tschernobyl. Die Menschen verlassen den Schutz ihrer Häuser, um sich das Spektakel genauer anzusehen. Was sie nicht wissen: Sie stehen inmitten eines tödlichen Ascheregens und sind einer Strahlung ausgesetzt, die zehnmal höher ist als die der Atombombe auf Hiroshima 1945. Im Frühjahr 1986 nimmt eine Fehlinformations­ und Vertuschungsaktion ihren Lauf, die jetzt in der Miniserie "Chernobyl" hochgradig spannend aufgearbeitet wurde.

Trailer zu "Chernobyl" (OV)

Darum geht's in "Chernobyl"

In 5 Episoden à 60 Minuten erzählt "Chernobyl" von den Geschichten der Menschen, die bei dem Versuch noch Schlimmeres zu verhindern, ihr Leben zugunsten anderer riskierten. So ist einer der ersten vor Ort der sowjetische Atomphysiker Valery Legasov (Jared Harris). Er erfasste das ganze Ausmaß der beispiellosen Katastrophe - zwei Jahre danach nimmt er sich das Leben. Der stellvertretende sowjetische Premierminister Boris Shcherbina (Stellan Skarsgård) wird vom Kreml beauftragt, die Regierungskommission für Tschernobyl zu leiten und Ulana Khomyuk (Emily Watson) ist eine sowjetische Atomphysikerin, die sich der Aufgabe verschrieben hat, herauszufinden, was zum Super-Gau führte. Auch das Schicksal von Lyudmilla Ignatenko (Jessie Buckley), Ehefrau eines Feuerwehrmanns aus Pripyat, der als Ersthelfer zum Unglücksort ausrücken muss, wird erzählt.

Hintergrund

Hinter dem ersten Gemeinschaftsprojekt von HBO und Sky steht der Amerikaner Craig Mazin ("The Huntsman & the Ice Queen"). Der 48­Jährige arbeitete von der Idee bis zur Ausstrahlung fünf Jahre an der Geschichte. Dazu besuchte er Tschernobyl und "fühlte den Fluss der Geschichte", wie er GOLDENE KAMERA im Interview erzählt.

Er und sein Team schafften es gegen alle Bedenken der Behörden eine Dreherlaubnis für Ignalina zu bekommen. Das 2009 stillgelegte litauische Kraftwerk ist baugleich mit dem von Tschernobyl. Mazin durfte sogar in der Reaktorhalle drehen, "der Heilige Gral für uns!" Nur wenige Szenen entstanden im Studio. Auch da hatte Authentizität oberste Priorität. Der Kontrollraum, in dem ein schlichter Sicherheitstest so katastrophal aus dem Ruder lief, wurde "bis zur Bodenfliese und Kratzern an den Möbeln" originalgetreu nachgebaut.

Ebenso viel Wert auf Echtheit legte die Produktion bei den Kostümen. Ausstatter durchstöberten Flohmärkte in Polen, Russland und der Ukraine nach Uhren, Brillen, Gürteln oder Brieftaschen, wie sie 1986 getragen wurden. "Wir wollten die erste westliche Produktion sein, die die Menschen der Sowjetunion so akkurat wie möglich porträtiert", erklärt Mazin.

Die Schauspieler über ihre Rollen

Dazu gehört auch die Darstellung der an vorderster Front kämpfenden Hauptprotagonisten Legassow (Jared Harris), Scherbina (Stellan Skarsgård) und Khomyuk (Emily Watson). Während die beiden Männer real existierten, steht Letztere stellvertretend für alle Wissenschaftler/innen, die versuchten, die Situation in Tschernobyl zu entschärfen.

Was kaum bekannt ist, denn "die Sowjetunion gab keine Auskünfte", wie sich der Schwede Skarsgård (67, "Thor") erinnert: Das Uran drohte kurz nach der Explosion durch den Boden zu schmelzen und 7000 Kubikmeter Wasser verdampfen zu lassen. Innerhalb von wenigen Stunden musste verhindert werden, dass nach Reaktorblock 4 auch die drei anderen brennen.

"Wenn sie die Probleme nicht rechtzeitig bewältigt hätten, wäre Europa jetzt unbewohnbar", erklärt Schauspieler Jared Harris (57, "The Crown"). Der von ihm dargestellte Chemiker Waleri Legassow trat gegen Kraftwerkbetreiber und Politiker an, die alle um das Ansehen der unfehlbaren Partei bangten. "Der Staat kontrollierte die Wahrheit, den Arbeitern im Werk fehlte Know­how. Und das Zurückhalten von Informationen ist gefährlich!", findet Harris' Co­Star Emily Watson (52, "Gefährten").

"Die Politik hört der Wissenschaft nicht zu", ergänzt Harris. Damals wie heute, mit dem Klimawandel sei es jetzt ähnlich. Genau das bewegt auch Serienentwickler Mazin. Bei "Chernobyl" geht es um die Kosten der Lügen, "den Preis, den wir bezahlen, wenn wir die Wahrheit verleugnen". Die Katastrophe kostete vermutlich Zehntausenden Menschen das Leben. Sie erlagen der Strahlenkrankheit und Krebs.