John Turturro: "Ich bin der katholischen Kirche erfolgreich entkommen"

In der neuen Historienserie "Der Name der Rose" spielt Emmy-Gewinner John Turturro den Franziskanermönch William von Baskerville – und hat am Drehbuch mitgewirkt, wie er uns im Interview verrät.

Wie schon der von Bernd Eichinger produzierte Kinofilm im Jahr 1986 entführt die neue achtteilige TV-Serie "Der Name der Rose" (ab dem 24. Mai 2019, 20.15 Uhr, Sky 1) die Zuschauer in ein entlegenes Kloster – und in die Abgründe der mittelalterlichen Kirche. John Turturro spielt im Historienthriller den Franziskanermönch William von Baskerville, der im Kinofilm von Sean Connery verkörpert wurde.

Teaser-Trailer zu "Im Namen der Rose" (OV)

Im Interview verrät uns der 62-jährige Schauspieler, warum es ihm nicht reichte, nur die Hauptrolle zu spielen und wie die Zusammenarbeit mit dem deutschen TV-Star Damian Hardung war.

John Turturro im Interview

Wie oft haben Sie Umberto Ecos Weltbestseller "Der Name der Rose" gelesen?

John Turturro: Mehrmals, weil man darin immer wieder Neues entdeckt. Und nachdem ich Ecos Werk bereits ein paar Mal verschlungen hatte, und hörte, dass man nun auch über eine auf dem Roman basierende Serie nachdenkt, war mir sofort klar, dass ich beim Schreiben des Drehbuchs dabei sein wollte – weil es mir nicht reichte, nur William von Baskerville zu spielen.

Was war der Reiz an dieser Rolle?

John Turturro: Die vielen Widersprüche! Einerseits ist Baskerville ein Mann des Handelns, andererseits ein Mann der Wissenschaft. Und vor seiner Zeit als Mönch scheint er offensichtlich mehrere weltliche Erfahrungen gemacht zu haben. Denn er spricht ganz offen über Lust und Erotik.

In der Geschichte der katholischen Kirche gab es viel Gewalt – beispielsweise Inquisition, Kreuzzüge und Hexenjagden. Aber spiegelt Ihre Serie auch die aktuelle Gewalt – nämlich den sexuellen Missbrauch durch Priester und Kardinäle – wieder?

John Turturro: Ja. Ich selbst bin der katholischen Kirche übrigens sehr früh erfolgreich entkommen. Ich hatte immer ein wenig Angst davor, und – ganz ehrlich – ich habe mich immer unwohl gefühlt, wenn ich als kleiner Junge allein mit einem fremden Mann in einer Kabine, die sich Beichtstuhl nennt, gesessen habe. Denn ich konnte nicht mal sehen, wer auf der anderen Seite war.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem jungen deutschen Schauspieler Damian Hardung, der den Novizen Adson von Melk spielt?

John Turturro: Damian ist ein sehr kluger junger Mann. Er gab unermüdlich sein Bestes, und optimierte viele Szenen. Ich bin begeistert von Damian, und ich finde, es ist eine kluge Entscheidung von Giacomo Battiati, die Rolle des deutschen Novizen konsequent mit einem deutschen Jungschauspieler zu besetzen.

Schlussfrage: Bekommt das namenlose, bitterarme Bauernmädchen – also "die Rose" – in Ihrer Serie endlich einen Namen?

John Turturro (grinst vielsagend): Naja, dazu müsste man erstmal wissen, ob der Serientitel "Der Name der Rose" überhaupt auf das Mädchen anspielt! Doch worauf er sich konkret bezieht, weiß ich gar nicht, weil Umberto Eco dazu keine Aussage macht. Deshalb kann ich nur so viel verraten: Was ich über das namenlose Mädchen und den Titel der Serie denke, erschließt sich in der letzten Szene. Denn der Satz, der darin fällt, deckt sich komplett meiner Meinung.

Interview: Mike Powelz