Daniel Radcliffe: "In einer Comedy-Serie zu spielen, war schon lange mein Traum"

In der Comedy-Serie "Miracle Workers" versucht Daniel Radcliffe als Engel, seinen von Steve Buscemi gespielten Boss vom Zerstören der Welt abzubringen. Wir trafen den einstigen Harry Potter zum Gespräch über Gott und die Welt nach Hogwarts.

Von 2001 bis 2011 wurden wir Zeuge, wie aus dem damals 12-jährigen "Harry Potter"-Kinderstar Daniel Radcliffe ein gestandener Hollywood-Star wurde. Seitdem trumpft der gebürtige Engländer mit schrägen Arthouse-Projekten auf, zu denen auch die Comedy-Serie "Miracle Workers" (ab 14. Mai, 20.15 Uhr bei TNT Comedy) gezählt werden kann, die auf dem Bestseller "In Gottes Namen. Amen!" von Simon Rich basiert.

Darum geht's in "Miracle Workers"

Gott (Steve Buscemi) hat keine Lust mehr, sich um die Menschheit zu kümmern und kündigt die Zerstörung der Erde an. Das wollen der in der heillos überlasteten Abteilung "Gebetserhörung" tätige Engel Craig (Daniel Radcliffe) und Kollegin Eliza (Geraldine Viswanathan) nicht zulassen und wetten mit dem Schöpfer, dass sie auf Erden ein menschliches Wunder geschehen lassen können. Doch das gestaltet sich weitaus schwieriger als gedacht...

Originaltrailer zur Serie "Miracle Workers"

"Miracle Worker" Daniel Radcliffe im Interview

GOLDENE KAMERA: Glauben Sie an Wunder?

DANIEL RADCLIFFE: Es kommt wohl darauf an, was man unter Wunder versteht. Die Tatsache, dass ich – oder die Menschheit im allgemeinen – überhaupt existiert, ist für mich schon ein Wunder. (lacht) Aber ob ich an das Heilen eines Kranken durch Berührung oder Dinge dieser Art glaube? Eher nicht!

Was hat Sie dann an "Miracle Workers" interessiert?

Ich bin absoluter Comedy-Fan. Mein TV-Konsum besteht überwiegend aus lustigen Serien. Mal selber in einer echten Comedy mitzuspielen, war schon lange mein Traum. Aber wie jeder Traum war auch dieser mit Vorsicht zu genießen, denn eine TV-Serie hat das Potential, eine Verpflichtung für mehrere Jahre zu sein. Alle meine Bedenken verschwanden aber, als ich hörte, dass "Miracle Workers" aus der Feder von Simon Rich ("Man Seeking Woman") stammt. Ich bin ein riesiger Fan von ihm! Und als mir dann noch gesagt wurde, dass Steve Buscemi Gott spielt, war das wie Weihnachten und Ostern auf einmal!

Inwieweit hat Steve Buscemi als Gott Ihre eigene Vorstellung des allmächtigen Schöpfers beeinflusst?

Da ich mich selber eher als Agnostiker sehe, hat mich diese Vorstellung weder verletzt noch entzückt. Mit dieser Show wollen wir die allgemeinen Ideen über Gott und das Jenseits auf den Kopf stellen. In "Miracle Workers" geht Gott durch eine Krise und will noch einmal von vorne anfangen. Das spricht gegen jegliche Vorstellung eines Gottes, der alles unter Kontrolle hat – und das ist die Quelle für sehr viel Humor.

Wenn Sie Gott wirklich begegnen könnten, welche Form sollte er annehmen?

Die von Michael Gambon, der in "Harry Potter" Dumbledore gespielt hat. Michael sieht so aus, wie man sich Gott im Allgemeinen vorstellt. Aber innen drin ist er lustig und albern. Wenn ich also in den Himmel kommen sollte und dann Michael als Gott begegne, wäre ich überglücklich. (lacht)

In der Serie erfüllen Sie Wünsche. Welcher Wunsch ist in Ihrem Leben in Erfüllung gegangen?

Gegen Ende von "Harry Potter" habe ich mir gewünscht, dass ich auch weiterhin als Schauspieler arbeiten werde, denn ich liebe diesen Job.

Apropos "Harry Potter": Bereuen Sie es manchmal, dass Sie Ihre Karriere mit einem Riesen-Hit begonnen haben? Normalerweise müssen Schauspieler sich erst hocharbeiten...

Dass ich mit einem Hit begonnen habe, war sehr befreiend für mich, weil ich dadurch lernte, dass ein Blockbuster nicht das A und O des Filmemachens oder der Schauspielerei ist. Ich wünsche allen meinen Kollegen und Freunden, dass sie einmal in einem große Film mitspielen können. Aber ich liebe es, dass ich jetzt die künstlerische Freiheit habe.

Wie oft werden Sie noch als Harry Potter angesprochen?

Wenn ich Hut und Bart trage, weniger oft. Aber sobald ich meinen Mund aufmache und man meinen britischen Akzent hört, wechseln Menschen von "Der Typ sieht aus wie Harry Potter" zu "Das ist Harry Potter!" (lacht) Zum Glück ist Harry Potter so beliebt, die Fans sind also immer sehr nett zu mir.

Interview: Anke Hofmann