Sturmflutpanik als realistische Serie: "Wenn die Deiche brechen"

"Wenn die Deiche brechen", ab Di, 3. September, 22 Uhr im NDR
"Wenn die Deiche brechen", ab Di, 3. September, 22 Uhr im NDR
Foto: NDR
Überschwemmungen an der Nordseeküste stürzen Belgien und die Niederlande ins Chaos. Die realistisch inszenierte Dramaserie zeigt den Überlebenskampf der Bevölkerung und die Hilflosigkeit der Politiker gegenüber den Naturgewalten.

Wer täglich Nachrichten schaut und nicht als hoffnungsloser Optimist gilt, gewinnt eigentlich täglich den Eindruck, dass eine Apokalypse kurz bevor steht und auch unsere vermeintlich beschauliche Welt in Westeuropa plötzlich komplett aus den Fugen geraten kann. Dieses Endzeitszenario greift die belgisch-niederländische TV-Serie "Wenn die Deiche brechen" auf, die der NDR in Doppelfolgen an drei Abenden nacheinander als Free-TV-Premiere zeigt (3. bis 5. September jeweils 22:00 Uhr).

Darum geht's in "Wenn die Deiche brechen"

Ein gewaltiger Sturm rollt auf die Nordseeküste Westeuropas zu und die Meteorologen können nicht frühzeitig bestimmen, wie schlimm es wirklich wird. Als Belgiens Premierminister Verbeke beschließt, die Küste Belgiens zu evakuieren, gerät der niederländische Premierminister Kreuger in einen Gewissenskonflikt: Soll er auch evakuieren und damit die Metropolregion Randstad aufgeben oder das Risiko eingehen, den Sturm ohne Vorsichtsmaßnahmen einfach abzuwarten und damit seine Landsleute in Gefahr zu bringen?

Trailer: "The Swell - wenn die Deiche brechen"

Die niederländische Familie Wienesse beschließt, auf jeden Fall vor dem Unwetter zu fliehen. In Belgien widersetzen sich Sonja van Daele, ihre zwei Kinder, ihre erkrankte Mutter und der Nachbar Manu den Evakuierungsmaßnahmen und bleiben in ihrem Haus am Meer. Doch der Sturm kommt bedrohlich näher. Und die Wellen fordern ihren Tribut.

Die Botschaft der Serie lässt sich auch einen einfachen Nenner bringen: Egal ob arm oder reich, letztlich werden wir irgendwann alle zu Klimaflüchtlingen. Die Story, bei der die Drehbuchautoren die bedrohliche Fiktion entwickeln, dass der Meeresspiegel aufgrund des Klimawandels steigt und Holland und Teile Belgiens nach der Flut im Meer versinken, hat die niederländischen TV-Zuschauer in ihren Bann gezogen: Jeder sechste Fernsehzuschauer aus Flandern schaltete ein, als die Serie 2016 erstmals im niederländischen Fernsehen gezeigt wurde.

Hintergrund zur Serie

Epochale Katastrophendramen hatte lange Zeit nur die Hollywood-Traumfabrik im Programm, doch in jüngster Vergangenheit kommen immer mehr Serienmacher, auch dank moderner Tricktechnik, auf den Geschmack. Die HBO-Miniserie "Chernobly", in der die russische Reaktorkatastrophe aus dem Jahr 1986 beleuchtet wird, ist die aktuell am besten bewertete Serie bei der populären Filmdatenbank IMDb und hat sogar "Game of Thrones" verdrängt. In der von Sky produzierten Endzeit-Miniserie "8 Tage", die im Juni startete, rast ein Asteroid auf Deutschland zu und beschreibt die letzten acht Tage vor dem vermeintlichen Weltuntergang.

Ein GOLDENE KAMERA Serien-Tipp, weil...

...man nach den ersten beiden Folgen eigentlich direkt einen Notfallkoffer packen will, so realistisch ist die Katastrophenserie inszeniert, die an manchen Stellen allerdings etwas mehr Dramatik vertragen könnte. Die sozialkritische Dimension der Serie macht nachdenklich: Die Armen werden zu Opfern der Fluten, die Reichen haben bessere Chancen, ihnen zu entkommen - zu welcher Gruppe würde wohl meine Familie im Ernstfall gehören?

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