"The Hot Zone": Die erschreckende Geschichte des Ebola-Virus

1989 standen die USA kurz vor einem Ebola-Ausbruch. Die erschreckend aktuelle Miniserie "The Hot Zone" (ab 16. September, 21.00 Uhr, National Geographic) rekapituliert die Ereignisse.

"Der Dschungel blutet." So beschreibt ein Mann die unheimliche Seuche, die wie aus dem Nichts über die Bewohner seines abgelegenen Dorfes Yambuku gekommen ist. Es ist das Jahr 1976, als Ebola das erste Mal in Zentralafrika wütet. Wer sich ansteckt, bekommt hohes Fieber, Gliederschmerzen, Atemnot, erbricht sich, hat innere Blutungen. 280 der damals registrierten 318 Infizierten sterben einen qualvollen Tod, dann scheint sich das Virus dorthin zurückzuziehen, woher es gekommen ist: in den Urwald.

Originaltrailer zu "The Hot Zone"

Tödliches Virus

Weil Afrika fern ist und die Krankheit so plötzlich verschwindet wie sie aufgetaucht ist, nimmt die Weltöffentlichkeit zunächst kaum Notiz von ihr. Nur Forscher interessieren sich weiter für den mysteriösen Erreger. Zu ihnen gehört die Militärwissenschaftlerin Colonel Dr. Nancy Jaax (Julianna Margulies). Als sie 1989 in einem Hochsicherheitslabor der US-Army nahe der Hauptstadt Washington die Gewebeprobe eines toten Versuchsaffen untersucht, ist sie sicher: Ebola ist in Nordamerika angekommen. Doch niemand will ihr glauben.

Julianna Margulies als Dr. Jaax

Dr. Nancy Jaax gibt es wirklich, und auch die in der Miniserie gezeigten, hochdramatischen Ereignisse, die vor 30 Jahren im schlimmsten Fall zu einem Ebola-Ausbruch in den USA hätten führen können, haben sich in etwa so zugetragen. Wir trafen Hauptdarstellerin Julianna Margulies zum Interview.

Julianna Margulies über die Miniserie "The Hot Zone"

Der spannende Sechsteiler basiert auf Richard Prestons Sachbuch-Thriller "Hot Zone" von 1994, der ein internationaler Bestseller war und von Stephen King als "eines der furchteinflößendsten Bücher, das ich je gelesen habe, eine bemerkenswerte Arbeit" gelobt wurde.

Hintergrund

Produzentin Lynda Obst hatte sich Prestons Story frühzeitig gesichert und bereitete bereits die Verfilmung mit Robert Redford und Jodie Foster vor, als ihr der beim Bieten um die Rechte unterlegene Produzent Arnold Kopelson zuvor kam und 1995 den (fiktiven) Ebola-Reißer "Outbreak – Lautlose Killer" mit Dustin Hoffman in die Kinos brachte.

"Das war schrecklich für mich. Zum ersten Mal wurde mir klar, dass die Guten verlieren können – das war mir eine Lehre", erinnert sich Lynda Obst im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. "Ich habe zwar noch einige Male versucht, das Projekt zu realisieren, wollte aber kein zweites 'Outbreak' drehen."

Doch dann habe sich das Fernsehen durch die Streaming-Anbieter zu jenem außergewöhnlichen Medium entwickelt, das es heute sei, so Obst weiter: "Jetzt hast du plötzlich sechs Stunden Zeit, um eine Geschichte zu erzählen, für die du im Kino maximal zwei hast. Das gibt mir die Möglichkeit, auch den ganzen Hintergrund zu zeigen, etwa wie das Ebola-Virus entdeckt wurde."

Aktueller denn je

Es dürfte einen weiteren Grund gegeben haben, "The Hot Zone" gerade jetzt ins TV zu bringen: die beunruhigende Aktualität des Themas. Seit dem ersten Auftreten kam es immer wieder zu Ausbrüchen, derzeit in der Demokratischen Republik Kongo. Dort wurden nicht nur in isolierten ländlichen Regionen Fälle gemeldet, sondern Ende Juli erstmals auch in der Millionenstadt Goma.

Zwar gibt es heute Impfstoffe, doch Angriffe bewaffneter Milizien auf Helfer machen es schwer, die Ausbreitung einzudämmen. Zudem mutiert das Virus. Was, wenn es eines Tages nicht nur durch Körperflüssigkeiten, sondern auch über die Luft übertragen wird? Wie sagt Prof. Wade Carter warnend in der Serie: "Es frisst, zieht sich in den Schatten zurück, lernt, entwickelt sich weiter und kehrt gestärkt zurück."

Der Cast

Gespielt wird der knorrige Forscher von Liam Cunningham, vielen als Ser Davos in "Game of Thrones" in bester Erinnerung. Überhaupt ist die Besetzung top: In der Rolle der Nancy Jaax agiert Julianna Margulies ("Emergency Room", "Good Wife") gewohnt zurückhaltend und gleicht so manchen Schockmoment aus, denn ab und zu bedient sich die sonst grundsolide Produktion der Stilmittel des Horrorfilms.

Die für sie erschreckendste Erkenntnis beim Dreh sei gewesen, so Margulies, dass zunächst niemand Dr. Jaax ernst genommen habe. "Und heute gibt es Leute, die sagen, es gäbe keine globale Erwärmung", fügt sie hinzu. "Diese Ignoranz ist schockierend. Vielleicht hilft 'The Hot Zone' ja dabei, dass Wissenschaftler ernster genommen werden – und wir unsere Welt nicht in die Luft jagen."