"The Loudest Voice": Russell Crowe als Mann, der Trump möglich machte

Skrupellos und radikal: Russell Crowe brilliert in "The Loudest Voice" (ab Montag, 16. September, 20.15 Uhr, Sky Atlantic HD) als Fox-News-Chef Roger Ailes.

Psychoterror, Rassismus, sexuelle Belästigung – der Medienmogul Roger Ailes schreckte vor kaum einer Scheußlichkeit zurück. Als Gründer und CEO des Senders Fox News ersetzte er Fakten durch populistische Meinungsmache. Seine markigen patriotischen Botschaften für das "vergessene Amerika" trieben einen tiefen Keil in die US­-Bevölkerung und ebneten Donald Trump den Weg zur Präsidentschaft.

2016, ein Jahr vor seinem Tod, muss­te Ailes abdanken. Moderatorin Gretchen Carlson hatte ihn jahrelanger sexueller Belästigung bezichtigt, sie blieb nicht die Einzige. In der Miniserie "The Loudest Voice" tobt jetzt Oscargewinner Russell Crowe ("Gladiator") als ausgekochter Strippenzieher und herrschsüchtiger Kontrollfreak durch sieben Folgen hoch spannende Mediengeschichte – ein ganz großer Auftritt des Superstars.

Originaltrailer zu "The Loudest Voice"

Attacke von rechts außen

In Rückblenden zeichnet die Serie Aufstieg und Fall des TV­-Produzenten ab 1995 nach, dem Jahr, in dem Ailes beim Sender CNBC geschasst wird. Der Gefeuerte rächt sich auf seine Art. Gemeinsam mit dem australischen Medien­Tycoon Rupert Murdoch zieht er einen Konkurrenz­-Kabelsender auf: "Wir machen ein Programm für die konservative Zielgruppe, das ist das halbe verdammte Land." Fox News schlägt ein wie eine Bombe, der Sender wird zum schnellen, lauten, aggressiven Sprachrohr der rechten Ecke.

Ailes' radikale Botschaft: "Wir fordern das echte Amerika zurück, stellen die bestehende Agenda infrage und werden zur lautesten Stimme – American values first (amerikanische Werte zuerst)!" Journalistische Grundsätze sind dem Medienmogul dabei ebenso gleich­gültig wie Ethos und Anstand, seinen Newsroom hält er mit Drohungen, Erpressungen, Lügen und Wutanfällen unter Kontrolle.

Als nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 Menschen aus dem brennenden World Trade Center in den Tod springen, entscheidet er knallhart: Wir bringen diese Bilder. Nicht weiter verwunderlich, dass das Magazin "Rolling Stone" den Senderchef als "one of the worst Americans ever" tituliert, als einen der schlimmsten Amerikaner aller Zeiten. Trotzdem – und das zeigt seine Klasse – zeichnet Russell Crowe den Fox­News­Chef nicht als eindimensionalen Fiesling, sondern als widersprüchliche, komplexe Persönlichkeit.

GOLDENE KAMERA Serien-Tipp, weil…

"The Loudest Voice" ist ein detailgenau recherchiertes Drama, dessen Drehbuch auf der Ailes­Biografie "The Loudest Voice in the Room" des "New York Times"-Autors Gabriel Sherman basiert. Russell Crowe, mit Halbglatze, Doppelkinn und Schmerbauch kaum zu erkennen, saß bis zu sechs Stunden in der Maske, um sich in den korpulenten Medienmann zu verwandeln. "Hat echt keinen Spaß gemacht", so der gebürtige Neuseeländer. "Ich habe es ‚Gesichtsknast' genannt." Die tägliche Quälerei mit Latex und Gesichtsprothesen hat sich aber absolut ausgezahlt. "The Loudest Voice" vermag dank Russell Crowe bis zur letzten Minute zu fesseln.